Trip nach London endet tödlichEmily (13) stirbt auf Klassenfahrt – Vater verklagt jetzt das Land NRW

von Martin Breunig

Seit mehr als sechs Jahren kämpft ein Vater für seine verstorbene Tochter. Die 13-Jährige kehrte 2019 nach einer Klassenfahrt nach London nie mehr zurück. Das Mädchen starb vor Ort an Überzuckerung. Jetzt klagt der Vater gegen das Land NRW und fordert Schmerzensgeld.

Vater hat schwere Depressionen nach Tod seiner Tochter

Die Zeit heilt manchmal doch nicht alle Wunden. So hat ihr Vater seine Tochter Emily in Erinnerung: ein lebenslustiges, fröhliches Mädchen. Den Tod der 13-Jährigen kann Kay Schierwagen bis jetzt - mehr als sechs Jahre danach - nicht verkraften. Es geht um schwere Vorwürfe. Zwei Lehrerinnen sind schon vom Landgericht Mönchengladbach zu einer Geldstrafe von insgesamt 30.400 Euro verurteilt worden - wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassung. Nun verklagt Emilys Vater das Land NRW auf 125.000 Schmerzensgeld für Hinterbliebene. Der Tod seiner Tochter belaste ihn psychisch zu stark. Ärzte haben bei ihm eine schwere Depression festgestellt. Er sei nicht arbeitsfähig und könne sich nicht konzentrieren.

Emily starb kurz vor Geburtstag

Emily starb vier Wochen vor ihrem 14. Geburtstag. Die Schülerin war Typ-1 Diabetikerin. Das heißt, dass ihr Körper den Blutzucker-regulierenden Botenstoff Insulin nicht selbst produzieren kann. Die Schule wusste von der tückischen Erkrankung. Es stand in der Akte der Schülerin. Danach gefragt wurde vor der Reise aber nicht mehr. In London ging es Emily plötzlich schlecht. Die anderen Schüler schlugen Alarm, aber die Lehrerinnen zogen die Ausflüge durch. Währenddessen sollten zwei Mitschüler auf das kranke Mädchen aufpassen. Die Jugendlichen waren aber maßlos überfordert mit der Situation. Nach zwei Tagen völliger Überzuckerung kam Emily in ein britisches Krankenhaus. Dort starb sie an einem Herzinfarkt.

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Vater gründet eine Stiftung

Seit mehr als sechs Jahren ist Emiliy jetzt schon tot. Der Vater besucht sie immer wieder auf dem Friedhof, hielt sogar eine Mahnwache vor dem Schulministerium in Düsseldorf. Er will auf das Schicksal seiner Tochter aufmerksam machen. In dem Prozess am Mittwoch (18.02.) ging es um eine zivilrechtliche Klage des Vaters. Die von ihm geforderten 125.000 Euro Schmerzensgeld sollen nicht für ihn sein, sondern für eine von ihm gegründete Stiftung.

Vergleichsangebot wird abgelehnt

Vor dem Landgericht gibt es ein Vergleichsangebot über 25.000 Schmerzensgeld. Doch das lehnt der Vater von Emily ab. Ein Sachverständiger soll jetzt klären, wie sehr Kai Schierwagen tatsächlich unter dem Tod seiner Tochter leidet. Angeblich habe er nur wenig Kontakt zu ihr gehabt. Aufgeben will er auf keinen Fall. Das Gericht muss nun entscheiden ob das Land NRW die vollen 125.000 Euro Schmerzensgeld zahlen muss. Den Schmerz über den Tod seiner Tochter würde ihm das aber wohl auch nicht nehmen.