Ärger um virales Video mit NRW-MinisterpräsidentWüst in der Kritik: Scheinbar spontanes Fotoshooting soll inszeniert gewesen sein

von Niklas Bönsch

Ein kurzer Clip mit NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) sorgt in den sozialen Netzwerken für Begeisterung – und kurz darauf für Kritik. Der Fall zeigt, wie schmal der Grat zwischen authentischem Moment und geplanter Inszenierung in der politischen Kommunikation geworden ist.

Treffen mit Kamera

In dem Video ist zu sehen, wie Hendrik Wüst in Düsseldorf auf den Straßenfotografen Fabiano trifft. Der spricht den Ministerpräsidenten an, fragt freundlich nach einem Foto. Wüst erkennt ihn sofort und stimmt zu. Der Clip geht viral, sammelt mehr als einhunderttausend Likes und zahlreiche positive Kommentare. Für viele Nutzer wirkt die Begegnung spontan, nahbar und locker – ein Moment aus dem Alltag. In der Kommentarspalte überwiegen zunächst lobende Stimmen. Nutzer feiern Wüst als sympathisch und bürgernah, einige betonen, wie beeindruckend es sei, dass er den Fotografen sofort wiedererkennt. Auf Social Media fügt sich die Szene nahtlos in das Bild eines modernen Politikers ein, der ohne Berührungsängste auf Menschen zugeht.

Kritik der Opposition

Später wird bekannt, dass das Treffen nicht ganz zufällig war. Nach Angaben der Staatskanzlei war vorher klar, dass es zu der Begegnung kommen würde. SPD-Fraktionschef Jochen Ott kritisiert, die Landesregierung kümmere sich stärker um ihre Inszenierung als um die Probleme im Land. Aus seiner Sicht untergräbt der Anschein der Spontanität das Vertrauen in die politische Kommunikation. Besonders brisant wirkt der Fall, weil die Landesregierung erst vor Kurzem gemeinsam mit Influencern eine Initiative gegen Desinformation gestartet hat.

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Statement des Fotografen

Fotograf Fabiano erklärt online, er habe lediglich gewusst, wann der Ministerpräsident an der Stelle vorbeikommen werde und dass dieser bereit sei, Fotos zu machen. Künftig wolle er transparenter kennzeichnen, wenn Treffen vorab geplant seien. Eine Bezahlung habe es für den Dreh nach seinen Angaben nicht gegeben. Der Straßenfotograf hatte zuvor bereits Düsseldorfs Oberbürgermeister Stephan Keller vor der Kamera. Dessen Standort sei damals auf Anfrage übermittelt worden, heißt es aus Parteikreisen, der genaue Ablauf der Begegnung sei jedoch nicht abgesprochen gewesen.