Ausgezeichnete Küche in der DomstadtNeoBiota in Köln - Restaurant kocht für Obdachlose und ist preisgekrönt

von Niklas Bönsch

Ein Jahr lang war er weg. Jetzt strahlt der Michelin-Stern wieder über dem Kölner Restaurant NeoBiota. Doch bei der Verleihung in Frankfurt gab es noch einen zweiten Grund zur Freude: Küchenchef Erik Scheffler und Inhaberin Sonja Baumann wurden zusätzlich als „Mindful Voices“ ausgezeichnet, als Menschen, die mit innovativen Ideen und neuen Praktiken bewusst zur Entwicklung ihrer Branche beitragen.

2.000 Quadratmeter Überzeugung in Leverkusen

Einen der sichtbarsten Gründe für die Auszeichnung findet man nicht in Köln, sondern in Leverkusen: der Garten von Rentner Ulrich Erxleben, in dem auf rund 2.000 Quadratmetern hunderte Obst-, Gemüse- und Kräutersorten wachsen. Seit etwa drei Jahren arbeitet das NeoBiota fest mit Erxleben zusammen. Das Restaurant bezahlt ihn, er kümmert sich um das grüne Paradies. Erik Scheffler kommt mindestens einmal pro Woche persönlich zum Ernten. Das Motto des Duos: keine Produkte aus Übersee. Bei der Zutatenwahl gibt es keine Einschränkung, denn in Leverkusen wächst Erstaunliches: Feigen, Zitrusfrüchte und sogar Pfeffer. Was nicht sofort verbraucht wird, legt Scheffler ein oder macht es haltbar. Das Ergebnis landet in Gerichten wie einem Dessert aus fermentiertem Reis mit Kirsche und sauren Kräutern.

Einmal pro Woche: Sterneküche für die Straße

Doch das NeoBiota denkt weiter als bis zum Teller seiner zahlenden Gäste. Seit sechs Jahren kocht das Restaurant einmal pro Woche für Obdachlose, rund 150 Portionen. Das Essen geht an den Kölner Verein „Straßenwächter“, der Obdachlose täglich mit Mahlzeiten versorgt. Betriebsleiter Anibal Pelazas Casal schätzt die Entlastung: Er kommt, das Essen ist fertig, er bringt es nur noch auf die Tour. Am Zülpicher Platz stehen die Menschen Schlange. Für viele ist es die einzige warme Mahlzeit des Tages. Für Scheffler ist sein Engagement Ehrensache: Man wisse, dass es anderen nicht so gut geht, und wolle der Gesellschaft etwas zurückgeben.

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Sterneküche muss nicht unbezahlbar sein

Für viele Menschen bleibt ein Sternerestaurant finanziell außer Reichweite. Das NeoBiota versucht, diese Hürde zumindest zu senken: Azubis und Studenten unter 25 Jahren können das Dinner unter der Woche auf Anfrage zum halben Preis genießen. Wer noch günstiger einsteigen möchte, kommt zum Frühstück: kein Michelin-Stern, dafür ein erschwinglicher Preis und, wie Sonja Baumann betont, genauso viel Liebe wie im Abendmenü. Gerade für alle, die eine frische, gemüselastige und vegane Küche kennenlernen wollen, sei das Frühstück der ideale Einstieg. So lassen sich die ausgezeichneten „Achtsamen Stimmen“ erleben, ohne allzu großes Loch im Geldbeutel.