Ein einziger Behälter und 2.400 PolizistenMit Atommüll von Jülich nach Ahaus – erster Castortransport mit viel Aufwand verbunden
In der Nacht zu Mittwoch (25.03.) hat sich erstmals seit Jahrzehnten wieder ein Castortransport durch Nordrhein-Westfalen bewegt – vom Forschungszentrum Jülich zum Zwischenlager Ahaus im westlichen Münsterland. Unter strengster Bewachung von rund 2.400 Polizeikräften rollte der Konvoi über rund 170 Kilometer – begleitet von über hundert Einsatzfahrzeugen, Sperrungen, Umleitungen und Geduldsproben für Autofahrer. Am Ende erreichte der Castor-Behälter sicher sein Ziel – einer von insgesamt 152, die bis August kommenden Jahres von Jülich nach Ahaus gebracht werden sollen.
Kritik am Aufwand und am Polizeieinsatz
Entlang der Strecke regte sich Widerspruch. „Wir stehen schon seit fast einer Stunde im Stau – und das für einen einzigen Transport“, klagte Berufskraftfahrer Bernd Thesing. Er sprach damit aus, was viele Verkehrsteilnehmer dachten: Wenn die Aktion noch 150 Mal wiederholt werden muss, droht dem Land ein monatelanger Ausnahmezustand auf den Straßen. In Jülich versammelten sich zudem rund zwei Dutzend Atomkraftgegner zu einer stillen Mahnwache. Unter ihnen auch Michael Zobel, bekannt aus den Protesten im Hambacher Forst. Er sprach von einem „überdimensionierten Sicherheitsaufgebot“: „Ich sehe hier keine Bedrohung – aber Wasserwerfer, Räumpanzer, Reiterstaffeln. Ich frage mich, wer hier eigentlich vor wem Angst hat.“
Innenminister verteidigt Sicherheitsmaßnahmen
NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) verteidigte den massiven Polizeieinsatz. „Das ist kein Möbeltransport“, sagte er. „Bei radioaktivem Material gilt: Sicherheit geht vor – für Anwohner, Polizisten und die Gesellschaft.“ Ziel sei es, zunächst Erfahrungen zu sammeln. Wenn alles reibungslos verlaufe, könne man bei künftigen Fahrten eventuell mit weniger Kräften auskommen. Doch die Dimension bleibt enorm: 151 Transporte stehen noch aus, und die Genehmigung gilt nur bis August kommenden Jahres. Um das zu schaffen, müsste nahezu jede Woche ein oder gar zwei dieser Konvois durch NRW rollen – ein Szenario, das Polizei und Bevölkerung gleichermaßen überfordern dürfte.

































