Diese Mini-Praxis hilft denjenigen, die sonst keiner behandeltKostenlose medizinische Hilfe für Wohnungslose in Köln
Container statt Wartezimmer, Hilfe ohne Versicherungskarte: In Köln-Mülheim versorgt ein Verein Menschen, die sonst durchs Raster fallen. Kostenlos, unbürokratisch und oft lebenswichtig.
Medizinische Hilfe im Container
Nur 20 Quadratmeter groß ist die Arztpraxis am Bergischen Ring in Köln-Mülheim. Es gibt kein klassisches Wartezimmer und keine Versicherungskarte am Tresen - stattdessen ein Container, in dem jeder willkommen ist. Dabei spielen der Versicherungsstatus und die Lebenssituation keine Rolle. Der Verein CAYA, kurz für „Come as you are“, versorgt überwiegend obdachlose und bedürftige Menschen medizinisch.
Wenn der Gang ins Krankenhaus keine Option ist
Hamid Reza ist 50 Jahre alt und kommt regelmäßig zur Behandlung. In seinen Beinen und im Bauch hat sich Wasser eingelagert – eine Folge seiner Leberzirrhose. Eigentlich müsste er ins Krankenhaus. Doch das will er nicht. Mehr als entwässernde Medikamente und engmaschige Kontrollen bleiben oft nicht. Dabei zeigt sich ein strukturelles Problem: Obwohl in Deutschland Krankenversicherungspflicht besteht, sind zehntausende Menschen nicht ausreichend versichert. Aus Angst vor Kosten oder Behörden meiden viele Arztpraxen – oft so lange, bis Erkrankungen lebensbedrohlich werden.
Anzeige:Deutlich geringere Lebenserwartung
Wohnungslose Menschen haben in Deutschland eine deutlich niedrigere Lebenserwartung als der Durchschnitt der Bevölkerung. Im Schnitt liegt sie bei etwa 50 Jahren. Viele Betroffene leiden unter chronischen Erkrankungen, Suchterkrankungen oder unbehandelten Infektionen – häufig verschärft durch fehlende medizinische Betreuung. Genau da setzt CAYA an: niedrigschwellig, unbürokratisch und ehrenamtlich.
600 Patienten im Jahr
25 ehrenamtliche Ärzte engagieren sich im Verein. Rund 600 Patienten werden jährlich versorgt – Tendenz steigend. Der Bedarf wächst, nicht nur in Köln. Gegründet wurde der Verein vor sechs Jahren. Seitdem wird das Angebot kontinuierlich ausgebaut.
Neue mobile Praxis geplant
Das neueste Projekt: eine Praxis auf vier Rädern. Ein ausgebauter Bus soll ab Mai zusätzlich im Einsatz sein – auch außerhalb von Köln. Finanziert wird die Arbeit ausschließlich durch Spenden. In der vergangenen Karnevalssession sammelte das Kölner Dreigestirn rund 120.000 Euro für das Projekt. Auch eine sogenannte „Krankenwohnung“ ist geplant. Dort sollen Patienten ohne festen Wohnsitz nach einer Behandlung erholen können. Fünf Tage die Woche steht die Tür der Containerpraxis offen – für Menschen, die sonst oft vor verschlossenen Türen stehen.

































