Kölner Studie zu ZahlungsverhaltenKarte schlägt Bargeld: 65 Prozent werden inzwischen digital bezahlt
Fast zwei Drittel aller Einkäufe in deutschen Geschäften werden inzwischen bargeldlos bezahlt – ein neuer Rekord. Das zeigt eine aktuelle Studie des Kölner Handelsinstituts EHI. Bargeld verliert weiter an Boden.
65 Prozent Kartenumsatz – Rekordwert im Einzelhandel
65,1 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes wurden im vergangenen Jahr elektronisch abgewickelt - ein Plus von 1,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Mit 40,5 Prozent entfällt der größte Anteil davon auf die Girocard, gefolgt von internationalen Debitkarten wie Visa und Mastercard, die mit einem Zuwachs von 2,5 Prozentpunkten auf 9,4 Prozent besonders stark wachsen. Der Gesamtkartenumsatz liegt bei 328,6 Milliarden Euro, ein Plus von 14,5 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Beim Blick auf die reine Anzahl der Einkäufe liegt Bargeld mit 50,5 Prozent noch knapp vorne. Der Abstand zur Karte schrumpft aber stetig.
Mobile Payment legt rasant zu
Besonders dynamisch wächst das Bezahlen per Smartphone oder Smartwatch. Rund jede fünfte unbare Zahlung an der Ladentheke wurde im vergangenen Jahr mobil getätigt: konkret 19,3 Prozent, nach 12,8 Prozent im Jahr davor. Fast neun von zehn Kartenzahlungen werden inzwischen kontaktlos durchgeführt, also per Karte oder Handy zum Lesegerät halten. Den zusätzlichen Schub erhielt Mobile Payment laut EHI auch dadurch, dass Apple auf Druck der EU-Kommission die zuvor gesperrte kontaktlose Schnittstelle des iPhones für Drittanbieter geöffnet hat. Seitdem können auch Zahlungs-Apps von Banken und Diensten wie PayPal auf dem iPhone genutzt werden.
Cashback an der Supermarktkasse – und Ärger über die Banken
Gleichzeitig zeigt die EHI-Studie einen scheinbaren Widerspruch: Obwohl Bargeld beim Bezahlen verliert, wird es an der Supermarktkasse immer öfter abgehoben. Die Auszahlungssumme durch sogenannte Cashback-Dienste – bei denen Kunden beim Einkauf bis zu 200 Euro in bar abheben können – ist auf 15,18 Milliarden Euro gestiegen. Das Problem: Viele Geschäfte nehmen durch den bargeldlosen Trend immer weniger Scheine ein, müssen für den Cashback-Service aber zusätzlich Bargeld ordern, auf eigene Kosten. Supermarktinhaber Dirk Steilen aus Euskirchen berichtet, dass in der Nähe seines Geschäfts ein Bankautomat geschlossen wurde. Die Bank habe daraufhin mitgeteilt, Kunden könnten ja abends bis 21 oder 22 Uhr im Supermarkt Geld abheben. Eine Aussage, die er als „unverschämt“ empfindet.
Bequem und schnell – aber nicht spurlos
Die Mehrheit der Verbraucher schätzt bargeldloses Bezahlen vor allem wegen der Bequemlichkeit: Karte hinhalten, fertig. Smartphones und Smartwatches machen den Vorgang noch einfacher. Aber das digitale Bezahlen hat auch eine Kehrseite: Jede Transaktion hinterlässt Daten: Bewegungsprofile, Konsumverhalten, sensible persönliche Informationen. Kritiker warnen deshalb, dass mit dem schleichenden Verschwinden von Münzen und Scheinen auch ein Stück Freiheit und Privatsphäre verloren geht. Wer bar bezahlt, hinterlässt keine Spur. Ein Argument, das für manche schwerer wiegt als der Komfort einer schnellen kontaktlosen Zahlung.

































