Wie tickt er?Jubiläum: Herbert Reul (CDU) ist seit neun Jahren NRW-Innenminister
Herbert Reul kennen wahrscheinlich viele. Seit Dienstag (30.06.) ist er auf den Tag genau neun Jahre NRW-Innenminister. Aber was macht er, wenn er nicht gerade Kriminellen das Handwerk legt? Und wie geht es nach der Landtagswahl 2027 für den 73-Jährigen weiter?
Der „schwarze Sheriff“
Kontrollen und Razzien: Ob im Bordell oder in der Shisha-Bar. Er ist mittendrin - an der Seite der Polizei. Sein Spitzname: Schwarzer Sheriff. Der CDU-Mann steht für innere Sicherheit wie kein anderer in NRW. Obwohl die Straftaten laut polizeilicher Kriminalstatistik in Nordrhein-Westfalen hoch sind. Doch genau da setzt Herbert Reul (CDU) an: Probleme benennen, nichts beschönigen und dann nicht lange fackeln. So macht er seinen Job jetzt seit neun Jahren. Von Terroranschlägen bis Clanmilieu, der 73-Jährige hat einiges miterlebt. Am nachhaltigsten hat ihn geprägt, was er im Landeskriminalamt gesehen hat: Bilder von misshandelten Kindern. Ein Fall, der das Land erschüttert hat. Auf einem Campingplatz in Lügde werden über Jahre Kinder schwer missbraucht. Für den NRW-Innenminister (CDU) ein Einschnitt. Er ändert danach unter anderem die Zuständigkeiten für die Ermittlungen neu: Damit Kindesmissbrauch organisatorisch genauso wie Mord und Totschlag behandelt wird. Das Thema bewegt den 73-Jährigen immer noch.
Wer ist Herbert Reul (CDU)?
Aufgewachsen ist Reul (CDU) in Leichlingen im Rheinisch-Bergischen Kreis. Mit 20 studiert er Sozialwissenschaft und Erziehungswissenschaft in Köln. Es folgt die typische CDU-Karriere: Erst junge Union, dann Orts- und Kreisverband, anschließend der Landtag und Schulpolitik. Denn Reul (CDU) will etwas bewegen. Er ist dankbar, dass er so viele verschiedene Berufe ausprobieren durfte. Doch zu dem Job als Innenminister gehören vor allem auch dunkle Zeiten wie der islamistische Terroranschlag in Solingen 2024. Drei Menschen starben. Der Täter: Ein ausreisepflichtiger Syrer. Erst fünf Monate vorher macht Reul Ausländerkriminalität bei einer Pressekonferenz zum Thema. Denn nichtdeutsche Tatverdächtige sind überrepräsentiert - auch in der neusten Statistik gerade bei Messerattacken. Bei so viel Straftaten, könnte jetzt jeder meinen: Privat hat Reul genug davon. Doch das Gegenteil ist der Fall. Er ist ein großer Krimi-Fan. Beides verbunden hat er 2025. Mit seinem ersten eigenen Buch. Darin gehts um echte Verbrechen. Wie Clankriminalität. Da fährt der Minister eine 0-Toleranz-Strategie. Seine Taktik: Die Politik der Tausend Nadelstiche. Also unangekündigte, massenhafte Kontrollen. Aber es darf auch mal jeck werden. Herbert Reul (CDU) ist an Karneval gerne auf dem Rosenmontagszug in Köln. Die Musik läuft sogar noch nach Karneval - ansonsten ist Jazz angesagt. Herbert Reul (CDU) spielt auch selbst. Früher war er am Klavier fleißig, mittlerweile trommelt er eher. Eine weitere Leidenschaft: Fußball. Reul (CDU) spielt aber nicht selbst. Er ist Fan von Bayer Leverkusen und hat sogar eine Dauerkarte.
Kein Feierabend: Telefon steht niemals still
Als NRW-Innenminister muss er immer erreichbar sein - auch im Urlaub. Deshalb bleibt er meistens in Deutschland, um schnell wieder vor Ort zu sein. Eine Ausnahme gab es mal in Italien. Wo es hingeht, also ob Berge oder Meer, entscheiden seine Frau und Töchter. Ansonsten bleibt nicht so viel Raum für die Familie. Noch weniger als in seiner Zeit als Generalsekretär. Wie fleißig Herbert Reul (CDU) ist, weiß auch Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Die beiden kennen sich seit Jahrzehnten. Beide sitzen auch immer zusammen auf der Regierungsbank. Privat haben die zwei trotzdem eher wenig miteinander zu tun. Dafür fehlt auch die Freizeit. Als Kollege schätzt Laumann (CDU) Reul (CDU) aber sehr und sagt gegenüber RTL WEST: „Das finde ich sehr schön eigentlich, dass viele ihn so auch als den Opa, als den Papa der Polizei in Nordrhein-Westfalen sehen und ich glaube, dass viele Leute einfach auch den Eindruck haben, dass er auch seine Jungs und seine Mädels, die bei der Polizei sind, gut aufpasst.” In schwierigen Zeiten, aber auch in lockerer Atmosphäre wie bei „Coffee with a cop“. Das ist sozusagen ein Kaffeekränzchen mit der Polizei. Immer wieder tourt das Konzept durch Städte in NRW. Jeder Bürger der will, kann vorbeikommen. Mit dieser Art kommt Reul (CDU) bei den Düsseldorfern gut an. Sie schätzen vor allem seine direkte und verständliche Art. Denn Herbert Reul nimmt kein Blatt vor dem Mund.
Bleibt Reul (CDU) nächstes Jahr NRW-Innenminister?
Politikwissenschaftler Norbert Kersting glaubt, dass Reul (CDU) den Job auch 2027 noch weitermacht. Im April 2027 ist in Nordrhein-Westfalen Landtagswahl und der beliebte NRW-Innenminister (CDU) ist für den Wahlkampf entscheidend, so Kersting. Aber was sagt der CDU-Mann selbst? Darauf antwortet Reul: „Erst mal muss der Wähler entscheiden, wer die stärkste Fraktion ist. Dann muss man gucken, wer mit wem koaliert. Wenn dann die CDU in der Koalition ist, kriegt sie dann überhaupt das Amt des Innenministers? Und dann gibt es einen, das ist nämlich der Ministerpräsident oder der Parteichef. Der fragt dann Leute, ob sie es machen würden. Und dann müssen die mich fragen oder können mich fragen. Und dann antworte ich. Und warum soll ich mir heute einen Kopf machen über irgendwas. Auf Deutsch: Warum über ungelegte Eier jetzt einen Kopf machen?” Eine der wenigen Fragen auf die Herbert Reul (CDU) keine klare Antwort gibt. Vielleicht, weil er sie selbst nicht weiß. Immerhin hat er auch mehr als fünf Jahrzehnte als Politiker auf dem Buckel. Und ist der Älteste im Landtag.

































