Geheimtüren, 300 Schusswaffen und fast 100.000 Schuss Munition Geheimes Waffenlager in Remscheid - Prozessauftakt gegen KFZ-Mechaniker (60)
Hinter Geheimtüren, versteckten Wänden und einem privaten Militär-Museum: Im Oktober 2025 sind Ermittler in einem Wohnhaus in Remscheid auf eines der größten Kriegswaffenarsenale der vergangenen Jahrzehnte in Deutschland gestoßen. Seit Montag (06.07.) müssen sich drei Männer dafür vor dem Landgericht Wuppertal verantworten.
Museum vorne, Kriegswaffenlager hinten
Als die rund 200 Einsatzkräfte das Gebäude des mittlerweile 60-jährigen Hauptangeklagten im Oktober 2025 betraten, stießen sie zunächst auf etwas, das wie ein privates Waffenmuseum wirkte – mit Relikten aus dem Zweiten Weltkrieg, Uniformen, Fotografien und legalen Dekorationswaffen. Aber dann fanden die Beamten Geheimtüren hinter Tresoren und Vitrinen, die sich nur mit versteckten Mechanismen öffnen ließen. Dahinter: funktionstüchtige Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Handgranaten, Panzerfäuste und Präzisionsgewehre. In einem Türrahmen war Munition versteckt. Insgesamt sichergestellt: rund 300 scharfe Schusswaffen – darunter 125 Maschinengewehre, 67 Maschinenpistolen und 13 Panzerabwehrwaffen – außerdem knapp 100.000 Schuss Munition. Namhafte Marken wie Kalaschnikow, Heckler & Koch, Colt, Beretta und Walther waren vertreten.
Vom Kiosk-Tipp zu verdeckten Ermittlern
Ins Rollen kamen die Ermittlungen durch einen Hinweis, dass an einem Kiosk in der Nähe illegal Waffen verkauft würden. Verdeckte Ermittler gaben sich als Käufer aus und stellten fest: Die illegale Ware stammt vom Hauptangeklagten, einem gelernten KFZ-Mechaniker. Anschließend begannen die mehrtägigen Durchsuchungen seines Gebäudekomplexes in der Innenstadt in Remscheid. Der Hauptangeklagte bezeichnete sich bislang als harmlosen Militaria-Händler und Sammler und gab an, er habe lediglich einzelne Exemplare weiterverkauft. Die Staatsanwaltschaft glaubt das nicht und hat nun einen Zeugen in Polen, der das Gegenteil belegen soll. Demnach soll der 60-Jährige im dreistelligen Bereich noch Maschinenpistolen und Pistolen angekauft haben. Da diese Waffen bei den Durchsuchungen nicht auftauchten, geht die Staatsanwaltschaft davon aus, dass der Hauptangeklagte noch weit mehr verkauft hat, als bislang in der Anklage steht. Als mögliche Käufer vermuten die Ermittler Kunden aus dem Bereich der organisierten Kriminalität.
Zwei Mitangeklagte als Anlaufstellen für Käufer
Neben dem 60-Jährigen sitzen zwei Türken - ein 38-Jähriger und ein 35-Jähriger - auf der Anklagebank. Laut Anklage soll der Hauptangeklagte dem 38-Jährigen insgesamt sechs Maschinenpistolen und einen Revolver verkauft haben. Dieser habe einen Teil davon gemeinsam mit dem 35-Jährigen weiterverkauft. Beide sollen als Anlaufstellen für Waffenkäufer fungiert haben. Die beiden älteren Angeklagten begrüßten sich zum Prozessauftakt am Montag (06.07.) auf der Anklagebank ausgesprochen herzlich. Der Hauptangeklagte umarmte einen der Mitangeklagten.
Mildere Strafen bei Geständnis
Allen drei Angeklagten müssen bei einer Verurteilung wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und das Kriegswaffenkontrollgesetz mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Die Verteidiger des Hauptangeklagten regten zum Prozessauftakt ein sogenanntes Rechtsgespräch an. Dahinter steckt eine Art Deal zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Das Ergebnis: Bei vollumfänglichen Geständnissen würde das Gericht für den Hauptangeklagten eine Strafe von sieben bis acht Jahren für angemessen halten, für den 38-Jährigen zwischen drei Jahren und drei Monaten und vier Jahren, für den 35-Jährigen zwei bis drei Jahre. Über dieses Angebot müssen die Verteidiger nun mit ihren Mandanten sprechen. Der Verteidiger des 38-Jährigen erklärte bereits, sein Mandant sei „grundsätzlich aussagebereit“. Der 35-Jährige gab über seinen Verteidiger ein Geständnis ab. Die Anklage sei zutreffend, so der Verteidiger. Insgesamt sind bis Ende September zehn Verhandlungstage angesetzt. Bis zu einem rechtskräftigen Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

































