Bewusstlos vergewaltigtFrau stirbt an Drogencocktail – Prozessauftakt in Bonn

von Annalena Kirsten

Vor dem Bonner Landgericht muss sich seit Dienstag (03.06.) ein 38-Jähriger verantworten. Er soll seiner Affäre einen tödlichen Drogenmix verabreicht und sie vergewaltigt haben. Die Frau starb. Möglicherweise auch, weil der Angeklagte erst spät den Notruf wählte.

Versuchter Mord durch Unterlassen

Daniel C. soll sein bewusstloses Opfer stundenlang vergewaltigt haben, so die Staatsanwaltschaft. Obwohl er hätte erkennen müssen, dass die Frau Hilfe braucht, räumte er erst das Wohnzimmer auf, bevor er den Rettungsdienst rief. Für die 42-Jährige kommt jede Hilfe zu spät. Sie überlebt die Nacht nicht, stirbt an einem Drogencocktail. Den Mix aus Kokain, Ketamin und Ecstasy soll ihr Daniel C. verabreicht haben. Gerichtsmediziner können nicht ausschließen, dass die Drogen auch dann tödlich gewesen wären, wenn der Frau früher geholfen worden wäre. Deshalb ist der 38-Jährige nicht wegen Mordes, sondern wegen versuchten Mordes durch Unterlassen angeklagt. „Genauso wie beim Tun können durch ein Unterlassen Mordmerkmale verwirklicht werden. Hier soll der Angeklagte zur Verdeckung einer Straftat getötet haben und zur Befriedigung seines Geschlechtstriebs“, erklärt Gerlind Keller vom Bonner Landgericht. Verteidiger Uwe Krechel hält eine Verurteilung seines Mandanten wegen versuchten Mordes für unwahrscheinlich: „Wir brauchen eine Garantenstellung für so ein Unterlassungsdelikt und diese Garantenstellung sieht die Staatsanwaltschaft darin, dass der Angeklagte der Frau in seiner Wohnung die tödlichen Drogen verabreicht haben soll. Ich denke, dass der Beweis schwer zu führen ist oder gar nicht zu führen ist.“

Seit Jahren Nachbarn

Das Opfer war Daniel C.’s Nachbarin. Beide kannten sich seit mehr als zehn Jahren. Der Deutsche sagt aus, dass sie regelmäßig gemeinsam Drogen und Alkohol konsumiert haben. Vor ein paar Jahren begann er dann eine Affäre mit der zweifachen Mutter. An den Sex im Rausch hätten sich beide häufig nicht erinnern können, so der Angeklagte. Auch die Erinnerung an den Tattag sei bruchstückhaft. Er habe vor dem Treffen über Stunden Kokain genommen und sich betrunken. Daniel C. bestreitet, dem Opfer an diesem Tag Drogen gegeben zu haben. Sollte er wegen versuchten Mordes verurteilt werden, muss er mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen.