Viiiiiiiiiiel Geduld – nicht mehr in Gelsenkirchen?Digitale Warteschlange: 22-Jähriger entwickelt Programm für Termine beim Amt

von Sarema Umarov und Julian Schlauch

Einen Termin beim Amt oder einer Behörde zu bekommen ist nicht immer leicht. Monatelanges Warten ist keine Seltenheit. Ein junger Mann aus Gelsenkirchen hat davon jetzt genug. Wie er mit einer App gegen die virtuelle Warterei vorgehen will.

Der frühe Vogel - kriegt auch keinen Termin

Wer beim Gelsenkirchener Bürgerservice einen Termin benötigt, braucht entweder viel Geduld oder muss früh aufstehen. 7:30 Uhr ist da die Stunde der Wahrheit - egal, ob Jobcenter, Zulassungsstelle oder Führerscheinstelle. Alle bieten dann kurzfristige Termine für den Tag an. Sie zu ergattern ist aber wohl gar nicht so leicht, denn der Andrang ist groß. Deshalb hat Kerim Polat sich etwas einfallen lassen. Er saß selbst drei Tage hintereinander früh am Computer, um ein Auto anzumelden.

Not macht erfinderisch

Im Februar hatte er die Idee zu einer App. Technik und Informatik interessieren den 22-Jährigen schon lange. Daher wollte er alles selbst machen. Über Erklärvideos brachte er sich das Codieren bei. Nach und nach nahm die App „Terminbooster“ Form an. Sie funktioniert so: Zuerst wird die Behörde ausgewählt, dann das Anliegen und als letztes ein Zeitfenster. Die App beginnt dann die entsprechenden Internetseiten zu scannen. Sie meldet sich, sobald ein passender Termin frei wird. Buchen muss der Nutzer dann aber selbst.

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„Punkt, an dem wir besser werden müssen“

Am liebsten würde Kerim mit der Stadt Gelsenkirchen zusammenarbeiten. Die hat bisher aber wohl kein Interesse, erzählt er. Sie schätzt aber sein Engagement. Aus dem Rathaus heißt es in einer Stellungnahme: „Dass ein junger Gelsenkirchener seine Freizeit dafür einsetzt, den Alltag anderer Menschen einfacher zu machen, verdient Anerkennung. Die Terminvergabe ist ein Punkt, an dem wir besser werden müssen und auch an konkret an Lösungen arbeiten, die über das hinausgehen, was eine Suchfunktion leisten kann.“ Kerim Polat arbeitet auch weiter an seiner digitalen Warteschlange. Er träumt groß und will irgendwann auch andere Städte in seine App aufnehmen. Außerdem wünscht er sich, dass die Städte mit ihm kooperieren, damit das Ganze finanzierbar für ihn bleibt. Als nächstes will er die App aber erst Mal in den gängigen Onlinestores anbieten. Bisher gibt es sie nur im Internet-Browser.