Schulleiter wehrt sich gegen KritikDebatte um 40 Grundschulkinder in Gelsenkirchen
An einer Grundschule in Gelsenkirchen sollen 40 Kinder eine Klassenstufe wiederholen. So berichten es mehrere Medien. Der Schulleiter widerspricht dieser Darstellung im Gespräch mit RTL WEST deutlich.
Schulleiter kritisiert Berichterstattung
RTL WEST-Chefreporter Sebastian Reddig hat mit dem Schulleiter telefoniert. Der stellt klar: „Die Berichterstattung sei so nicht richtig. Seine Schule leiste viel, auch in Sachen Integration. Jetzt stehe sie bundesweit schlecht da, das treffe ihn persönlich sehr.“ Vor der Kamera äußern darf sich der Rektor nicht. So die zuständige Bezirksregierung. Tatsächlich handelt es sich bei den 40 Fällen bislang um eine Prognose für den Sommer. Erst dann entscheidet sich, welche Kinder regulär in die nächste Klassenstufe wechseln.
Wie Sprachförderung in NRW funktioniert
Viele geflüchtete Kinder kommen nach Nordrhein-Westfalen und sprechen kaum Deutsch. Sie sind schulpflichtig und besuchen von Anfang an eine reguläre Klasse. Zusätzlich erhalten sie Sprachförderung, also extra Unterricht, um Deutsch zu lernen und dem Unterricht besser folgen zu können. Das NRW-Schulministerium erklärt dazu: „Geflüchtete und Neuzugewanderte werden noch nicht nach den Maßstäben der Grundschule unterrichtet. Vielmehr bekommen sie die nötige Zeit, um Deutsch und auch das Lernen selbst zu lernen.“ Die Schule überprüft regelmäßig, wie gut die Kinder Deutsch sprechen und lernen. Danach wird entschieden, wie es schulisch weitergeht.
Sprachprobleme betreffen viele Kinder
Sprachliche Defizite sind kein reines Migrationsthema. Laut NRW-Lehrerverband hat etwa jedes dritte Grundschulkind deutliche Probleme mit der Sprache. Gründe sind unter anderem, dass zuhause wenig oder kein Deutsch gesprochen wird. Manche Kinder haben vor der Einschulung keine Kita besucht. Jochen Ott, Fraktionsvorsitzender der SPD im NRW-Landtag, fordert deshalb seit Jahren verbindliche Tests im Vorschulalter: „Es gibt den verpflichtenden Kindergarten bisher in Nordrhein Westfalen nicht. Und deshalb sage ich ja seit vielen Jahren: Wir müssen die Kinder spätestens mit vier, viereinhalb testen. Wir müssen gucken, ob sie sprachlich drauf sind. Sie müssen aber auch gucken, ob sie motorisch entwickelt sind. Und dann müssen wir das letzte Jahr vor der Kita verpflichtend fördern und unterstützen.“ Ab 2028 sollen in NRW verpflichtende Sprachkurse vor der Einschulung eingeführt werden – die sogenannten ABC-Klassen. Dafür werden rund 1.600 zusätzliche Lehrkräfte benötigt. Die Kosten liegen bei etwa 100 Millionen Euro pro Jahr.
Bildungsforscher fordert mehr Personal
Karim Fereidooni, Bildungsforscher an der Universität Bochum, sieht grundsätzlichen Reformbedarf: „Das Schulsystem ist auch anders aufgestellt in anderen Ländern. Beispielsweise Team-Teaching-Format. Also zwei Personen unterrichten in einer Klasse, es gibt kleinere Klassengrößen. Also viel mehr können die Lehrkräfte ihre diagnostischen Kompetenzen unter Beweis stellen. Und das würde ich mir auch für das deutsche Schulsystem wünschen.“ Fereidooni spricht sich zudem für ein Bildungs-Sondervermögen in Höhe von 100 Milliarden Euro aus. Sein Argument: Starke Schulen seien eine Voraussetzung für ein starkes Land.
































































