ABC-Alarm in Bad SalzuflenBrief mit weißem Pulver an Vorsitzende der AfD-Fraktion verschickt – Staatsschutz ermittelt

von Niklas Bönsch

Ein verdächtiger Brief hat am Montagabend (02.02.) für einen Großeinsatz in Bad Salzuflen (Kreis Lippe) gesorgt. Im Fraktionsbüro der AfD öffnete die dortige Fraktionsvorsitzende einen Umschlag, aus dem weißes Pulver austritt. Der Staatsschutz ermittelt.

Spezialkräfte rücken aus – Quarantäne für Betroffene

Montagabend (02.02.) herrschte Ausnahmezustand im Fraktionsbüro der AfD in Bad Salzuflen (Kreis Lippe): Feuerwehr und Spezialkräfte rückten wegen eines mutmaßlichen ABC-Alarms aus. AfD-Fraktionsvorsitzende Sabine Reinknecht hatte einen Briefumschlag geöffnet, woraufhin eine Wolke mit weißem Pulver austrat. Die 65-jährige Politikerin sowie zwei weitere Parteikollegen wurden vorsorglich isoliert und unter Quarantäne gestellt. Erst gegen 01:30 Uhr nachts gaben die Einsatzkräfte Entwarnung: Das Pulver stellte sich als harmlos heraus.

Emotionale Belastung trotz Entwarnung

Am Tag nach dem Vorfall stand Sabine Reinknecht schon wieder in ihrem Friseursalon in Herford. Aber der Brief hatte deutliche Wirkung. Sie betont, dass sie verbale Angriffe gewohnt sei, doch ein möglicher körperlicher Angriff habe sie geschockt. Der Umschlag enthielt neben dem Pulver auch zwei beschriebene Blätter. Darauf unter anderem zu lesen: „Wir sind mehr. Nie wieder ist jetzt.“. Außerdem die Aussage, dass die Stadt nicht von Kräften repräsentiert werde, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden – gemeint war Reinknecht selbst. Sie war im vergangenen Jahr zunächst zur Vize-Bürgermeisterin von Bad Salzuflen gewählt, aber zwei Wochen später wieder abgewählt worden.

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Absender benennt sich nach NS-Widerstandskämpferin

Als angeblicher Absender des Briefes ist Hilde Coppi angegeben – eine Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime, die Teil des Netzwerks „Rote Kapelle“ war und 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet wurde. Der Absender wählte damit eine symbolträchtige Identität. Der Staatsschutz der Polizei Bielefeld hat die Ermittlungen übernommen. Zur Art und Zusammensetzung des Pulvers äußern sich die Beamten bewusst nicht weiter und verweisen auf sogenanntes Täterwissen. Sabine Reinknecht hofft, dass die Verantwortlichen schnell ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden.