Anwohner müssen seit Jahrzenten wartenBahnübergang bis zu sieben Stunden pro Tag zu – Schranken sorgen für Chaos in Kirchlengern

von Jens Diestelkamp und Martin Breunig

In Kirchlengern (Kreis Herford) brauchen Autofahrer sehr viel Geduld - und das schon seit Jahrzehnten. Durchschnittlich sieben Stunden sind die Schranken des Bahnübergangs in Kirchlengern jeden Tag geschlossen. Lösungen wurden immer wieder versprochen, passiert ist aber nichts.

Pizzen werden vor den Schranken kalt

Am Bahnübergang in Kirchlengern (Kreis Herford) steht zwar nicht die Zeit still, aber regelmäßig der Verkehr. Im Minutentakt rauschen oft die Regionalzüge durch den Ort. Dann steht fast alles still. Laut Straßen.NRW sind die Schranken mehr als sieben Stunden unten - nicht am Stück, aber über den Tag verteilt. Giorgio Serrone lebt seit 40 Jahren in dem ostwestfälischen Örtchen. Er betreibt eine Pizzeria in der Nähe. Wenn seine Kundschaft Pizzen holt, werden die oft kalt, weil die Schranke mal wieder unten ist.

Seit vier Jahrzehnten soll sich etwas ändern

Schon seit den 1980er Jahren versucht die Gemeinde, eine Lösung zu finden. Aber Versuch macht ja nicht immer klug. Getan hat sich seit vier Jahrzehnten nichts. Rüdiger Meier (CDU), Bürgermeister von Kirchlengern, erklärt schriftlich: „Die drei Beteiligten (Straßen.NRW, DB und die Gemeinde Kirchlengern) arbeiten gemeinsam an der bestmöglichen Lösung.“ Laut einer Straßenverkehrszählung aus dem Jahr 2021 fahren pro Tag rund 9.200 Autos über den Bahnübergang. Natürlich nur, wenn der gerade mal offen ist. Da braucht es viel Geduld: Betrieben wird die Strecke von der Deutschen Bahn. Laut aktuellen Plänen soll eine Eisenbahnbrücke dafür sorgen, dass der Verkehr in Kirchlengern wieder läuft. Auf Nachfrage von RTL WEST heißt es ebenfalls schriftlich: „[…] Kurzum: Das Projekt folgt einem langen Planungs- und Genehmigungsprozess. Leider steht zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht fest, wann die DB die Arbeiten umsetzen wird.”

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Mehrstufiges Verfahren dürfte noch viel Zeit in Anspruch nehmen

Ebenfalls für den Brückenbau zuständig ist der Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen, kurz Straßen.NRW. Auch dort fragen wir nach, warum das ganze so lange dauert. Die Antwort: „[…] Aufgrund der Komplexität des Vorhabens, der Vielzahl beteiligter Akteure sowie des erforderlichen Planfeststellungsverfahrens handelt es sich um ein mehrjähriges Planungsprojekt.” Bedeutet: Bevor ein Bagger anfängt, gibt es erst die Einleitung eines sogenannten „Planfeststellungsverfahrens“. Dann kommt die „Durchführung des Planfeststellungsverfahrens“, anschließend beginnt die „Ausführungsplanung und Ausschreibung der Bauarbeiten“. Die Menschen in Kirchlengern brauchen also weiter viel Geduld in den nächsten Jahren - oder auch Jahrzehnten.