Cricket verändert plötzlich allesAus der Flüchtlingsnotunterkunft zum Turnier ihres Lebens

Kapitän Noor Ahmad Wahedy möchte irgendwann Kinder im Cricket trainieren.
Kapitän Noor Ahmad Wahedy möchte irgendwann Kinder im Cricket trainieren.
RTL Nord
von Michelle Seidel und Alexa von der Recke

Der Sport ist ihre Integrationsmaschine.
Das Schicksal und der Sport verbindet sie: Geflüchtete aus der ganzen Welt kommen durch Zufall in einer Flüchtlingsnotunterkunft in Hamburg-Neuland zusammen und gründen eine Cricket Mannschaft: die HTB Neuland Lions. Gemeinsam sind sie erfolgreich und trainieren für den großen Traum.

Ein Cricket-Team nur aus Geflüchteten

Zwei bis dreimal die Woche treffen sich die Sportler des HTB Neuland Lions auf dem Platz und trainieren. Sie kommen aus Ländern wie Indien, Pakistan, Sri Lanka, Bangladesch und Afghanistan. „Wir kommen also alle zusammen, um ein Spiel zu spielen. Und wir gewinnen für unser Team, egal welches Land, welche Religion, welche Nationalität”, erzählt Noor Ahmad Wahedy im RTL-Interview.

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Der Mannschaftskapitän hat Informatik in seiner ehemaligen Heimat Afghanistan studiert, wartet aktuell auf die Anerkennung seines Abschlusses. Während er einen Deutschkurs belegt, gründet er gleichzeitig 2023 gemeinsam mit seinem Bruder das Team. In Afghanistan ist Cricket bereits sein Hobby und seine Leidenschaft. „Wenn ich Cricket spiele, fühlt es sich an, als ob ich mit meiner Familie spiele. Früher habe ich mit meinen Cousins und Brüdern gespielt und jetzt sind meine Mannschaftskollegen meine Familie”, erklärt der Kapitän. Cricket ist Nationalsport in seiner ehemaligen Heimat und die zweitbeliebteste Sportart der Welt. Die Schlagballsportart ist eine Kombination aus Schlagen, Fangen und Laufen.

Ein spektakulärer vierter Platz

Doch nicht alle begegnen der Mannschaft aus Geflüchteten positiv. Von anderen Teams werden sie oft nicht ernst genommen, doch dann überraschen sie alle. Beim größten Cricket Hallenturnier Europas Ende Februar in Kummerfeld (Schleswig-Holstein) zeigen sie, was in ihnen steckt. Im Finale sind vier Mannschaften, unter anderem die HTB Neuland Lions. Ihr diszipliniertes Training sichert ihnen am Ende den vierten Platz beim Turnier. Vor ihnen sind nur Mannschaften, in denen Nationalspieler mitspielen oder die bereits einen deutschen Meistertitel gewonnen haben. Ihr großer Erfolg sorgt dafür, dass sie noch größer träumen können.

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Der große Traum von der Nationalmannschaft

Eines Tages wollen der Kapitän und einige seiner Mitspieler im deutschen Nationalteam spielen. Sie wollen Deutschland etwas zurückgeben. Ihr Trainer Siegfried Franz klärt im RTL-Interview auf, dass das sogar realistisch ist: „Cricket, anders als manch andere Sportarten, setzt nicht voraus, die deutsche Staatsbürgerschaft zu haben, um für Deutschland zu spielen. Der Weltverband hat da ein paar andere Regeln. Und man muss also fünf Jahre in dem Land gelebt haben. Man muss aktiv im Verein gespielt haben. Dann kann ich auch für Deutschland spielen.”

Große Unterstützung von allen Seiten

Um den Traum der Mannschaft zu verwirklichen, brauchen Kapitän Noor Ahmad Wahedy und seine Teamkollegen die Unterstützung vieler anderer. Das Deutsche Rote Kreuz stellt großzügig Trikots, Hosen und Caps zur Verfügung. Und damit nicht genug, wie Katja Hahne vom Deutschen Roten Kreuz im RTL-Interview erzählt: „Wir treffen uns regelmäßig zu Meetings, um zu fragen: Gibt es noch andere Bedarfe? Fragen? Gibt es was zu klären oder wie kann ich noch weiter unterstützen.” Gleichzeitig nimmt der Harburger Turnerbund die Mannschaft als Verein auf, stellt den Trainer und bietet die nötigen Trainingsmöglichkeiten. Die Cricketausrüstung kommt vom Hamburger Cricketverband. Zudem kommen die Hallenschuhe dank großzügiger Spenden des Harburger Schützenvereins zusammen.