„Dringende Warnung an die Bevölkerung” Offenbar zweites manipuliertes Hipp-Gläschen verkauft – Erpressungsversuch mit Babynahrung

Einfach nur mies!
In Österreich ist ein mit Rattengift verseuchtes Gläschen Hipp-Babynahrung gefunden worden. Ein Kunde habe dies entdeckt und abgegeben, „ein Verzehr hat nicht stattgefunden”, teilte die Polizei im Bundesland Burgenland am späten Samstagabend (18. April) mit. Sie veröffentlichte eine „dringende Warnung an die Bevölkerung”. Am Sonntag (19. April) teilte die Polizei mit, sie ginge von mindestens einem weiteren verkauften Gläschen aus, das manipuliert worden sei.
Babynahrungsmittelhersteller Hipp wird offenbar erpresst
Nach Angaben der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) handelt es sich um einen Erpressungsversuch gegen den Babynahrungshersteller Hipp. Verdächtige Gläschen sollten nicht geöffnet und der Polizei ausgehändigt werden.
Hipp hatte sein Sortiment in den Sparsupermärkten in Österreich bereits am Freitagabend (17. April) zurückgerufen. Ein Hipp-Sprecher hatte von einem „externen kriminellen Eingriff” gesprochen. „Der Verzehr eines solchen Gläschens kann lebensgefährlich sein”, warnte das Familienunternehmen. Es hat seine Ursprünge vor mehr als 120 Jahren in Pfaffenhofen in Bayern. Sitz der Hipp Holding AG ist heute in Sachseln im Schweizer Kanton Obwalden.
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Hinweis auf Hipp-Erpressung kam aus Deutschland
Wie die österreichische Polizei mitteilte, kam ein Hinweis aus Deutschland. Eventuell verunreinigte Gläser seien womöglich in Eisenstadt in Umlauf, der Landeshauptstadt des Bundeslandes Burgenland südöstlich von Wien. „Hintergrund sind laufende Ermittlungen in Deutschland”, teilte die Polizei mit. Das Rattengift wurde dann am Nachmittag in einem Hipp-Glas „Karotten mit Kartoffeln” 190 Gramm nachgewiesen. Es war in der Ortschaft Schützen am Gebirge (Bezirk Eisenstadt-Umgebung) aufgetaucht.
„Wir gehen davon aus, dass zumindest noch ein zweites Glas unterwegs ist”, sagte Polizeisprecher Helmut Marban am Sonntag auf APA-Anfrage, wie der Standard berichtet. Auch dieses Produkt könnte mit Rattengift versehen sein.
Nach Angaben der Polizei können verdächtige Gläschen an einem weißen Aufkleber mit rotem Kreis am Glasboden erkannt werden. Verdächtig sei, wenn der Deckel beschädigt oder er bereits geöffnet sei.
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Vergiftung durch Rattengift – Symptome und Behandlung
Rattengifte enthalten den Angaben zufolge unterschiedliche Wirkstoffe mit unterschiedlichen gesundheitlichen Auswirkungen. Der am häufigsten verwendete Wirkstoff sei Bromadiolon, ein sogenannter Vitamin-K-Antagonist. Dieser hemmt die Wirkung von Vitamin K, das für die Blutgerinnung erforderlich ist. Infolgedessen kann es zu einer verminderten Gerinnungsfähigkeit des Blutes kommen. Mögliche Folgen davon sind unter anderem Blutungen wie Zahnfleischbluten, Nasenbluten, blaue Flecken oder Blut im Stuhl. Die Symptome tauchen typischerweise erst verzögert, etwa zwei bis fünf Tage nach der Aufnahme auf.
Bei ärztlicher Behandlung, insbesondere durch die Gabe von Vitamin K, sei die Vergiftung gut behandelbar, erklärte die Behörde.
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Verdächtige Produkte in anderen Ländern?
Verwirrung herrschte darüber, ob auch Produkte in anderen Ländern betroffen sind. Ages sprach zunächst von zwei betroffenen Supermärkten in Tschechien, nahm diese Angaben aber später wieder von seiner Webseite und nannte nur noch eine betroffene Spar-Filiale in Eisenstadt. Anschließend sprach die Polizei Burgenland aber davon, dass auch in Tschechien und der Slowakei verdächtige Gläser sichergestellt worden seien. „Erste Laboruntersuchungen ergaben bei diesen Produkten einen giftigen Zusatzstoff”, teilte sie mit.
Für Deutschland gibt das Unternehmen am Sonntag (19. April) Entwarnung. „Produkte und Vertriebswege in Deutschland oder anderen europäischen Ländern, die nicht Bestandteil der Ermittlungen sind, sind nicht betroffen”, erklärte ein Unternehmenssprecher am Sonntag auf AFP-Anfrage. „Nach aktuellem, behördlich bestätigtem Kenntnisstand betrifft der Fall ausschließlich klar abgegrenzte Vertriebswege.”
Einen Verdächtigen gibt es nach Angaben der österreichischen Polizei bisher nicht. (lha)
Verwendete Quellen: dpa, afp, Der Standard


