Happy End für geretteten Buckelwal?Timmy ist endlich unterwegs ins offene Meer

Das Schiff „Robin Hood“ zieht am Abend vor Wismar die Barge mit dem gestrandetem Wal in Richtung Ostsee (Luftaufnahme mit einer Drohne).
Die "Robin Hood" zieht die Barge mit dem gestrandetem Wal in Richtung Ostsee. Dort ist das Gespann inzwischen angekommen.
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Für den in der Ostsee gestrandeten Buckelwal beginnt die Reise in Richtung Nordsee. Am späten Abend ist ein Etappenziel geschafft: Das Gespann mit Schlepper und Barge befindet sich nun in der offenen Ostsee.

Der Transport mit dem lange an der Küste gestrandeten Buckelwal hat die offene Ostsee erreicht. Ein Schiff der Wasserschutzpolizei Wismar begleitete das Gespann aus einem Schlepper und einer Barge samt Wal nördlich der Insel Poel bis zur offenen See, erklärte ein Sprecher am späten Dienstagabend. Die Polizei drehte dann wegen starken Windes ab. Der Transport fahre nun weiter in Richtung der Insel Fehmarn.

Der seit dem 31. März vor Poel festliegende Meeressäuger war zuvor durch eine eigens gebaggerte Rinne zu der Barge bugsiert worden. Die Verbringung des Tiers in die Barge hatte am Vormittag begonnen und mehrere Stunden gedauert. Mitglieder des Rettungsteams zogen den Wal mit Gurten zu dem Lastkahn. Um 14.45 Uhr war das Tier schließlich in dem abgesenkten Kahn. Anschließend wurde ein Netz aufgespannt, um zu verhindern, dass der Wal wieder herausschwimmt.

Auf Livestreams war zu sehen, wie der mit Wasser gefüllte Lastkahn, mit dem der Wal in die Nordsee gebracht werden soll, von kleineren Booten aus der Kirchsee der Insel Poel heraus in die Wismarbucht gebracht wurde. Dort nahm der Schlepper „Robin Hood“ ihn auf den Haken.

„Mir fällt wirklich ein Stein vom Herzen“, sagte Umweltminister Till Backhaus im Hafen von Kirchdorf. „Ich war auch kurz davor, ins Wasser zu springen, um ihm noch auf den letzten Meter mitzuhelfen“. Er habe sich dann aber zusammengerissen. Der Minister gestand, er habe auf dem Schiff, von wo er die Aktion beobachtete, geweint.

Nach der Aktion fielen sich die Helfer der privaten Rettungsinitiative im Hafen in die Arme, bei manchem rollte eine Träne der Erleichterung nach Wochen der Anspannung. Bei ihrer Ankunft im Hafen von Kirchdorf wurden sie von den Anwesenden teils mit Jubel und Klatschen empfangen. „Die Hoffnung haben wir nie aufgegeben“, sagte eine Schaulustige vor Ort.

Unklar war zunächst noch die Route, die der Schleppverband mit dem Wal in die Nordsee nehmen wird. Frühere Pläne sahen einen Kurs entlang der dänischen Küste Richtung Skagerrak vor. Möglich wäre auch, dass der Weg durch den Nordostseekanal zunächst in die Deutsche Bucht führen könnte.

Offen ist auch, ob der Wal den Transport überlebt und ob er in der Nordsee oder im Atlantik überleben kann. Wissenschaftler hatten vermutet, dass er immer wieder flaches Wasser aufsuchte, weil er geschwächt war und sich ausruhen wollte.

Der Buckelwal war nach Angaben der Behörden erstmals Anfang März in Küstennähe aufgetaucht, zunächst im Hafen von Wismar. In der Nacht zum 23. März strandete er auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand in Schleswig-Holstein. Dem Tier gelang es, das flache Wasser über eine ausgehobene Rinne zu verlassen. Danach nahm es aber nicht Kurs aufs offene Meer und Richtung Norden, sondern schwamm wieder Richtung Wismar.

Schließlich schwamm das Tier in die Kirchsee genannte flache Bucht der Insel Poel. Dort strandete es erneut, schwamm sich zwischenzeitlich frei, lag aber wenige Stunden später am Ausgang der Bucht wieder fest.

Verwendete Quellen: lme/ino/dpa