Gestrandeter Ostsee-Wal endlich frei, aber Zittern geht weiterExperte bei RTL: Das muss Timmy jetzt tun, um zu überleben

Die Gefahr ist noch lange nicht vorbei.
Buckelwal Timmy ist wieder im offenen Wasser der Nordsee – doch jetzt beginnt das eigentliche Zittern. Welche Richtung schlägt das Tier ein? Kann der Wal für die anstehende Reise genug Nahrung aufnehmen? Walforscher Dr. Olaf Meynecke erklärt im Interview mit RTL, wie die Chancen für Timmy stehen.
Wal Timmy muss sich jetzt schnell orientieren
Für Dr. Olaf Meynecke steht fest: Jetzt beginnt die kritischste Phase. Der Wal muss sich orientieren – und zwar schnell. „Was jetzt die Orientierung angeht, da kann man wirklich schon in den nächsten zwei, drei Tagen sehen, was er macht.” Der Experte hofft, dass er Richtung Westen schwimmen wird. „Dann wissen wir, dass er sich wirklich orientiert.” Nur ein klarer Kurs Richtung Atlantik gibt Hoffnung. Alles andere könnte den geschwächten Riesen erneut in Gefahr bringen.
Problematisch: Bis Samstagmittag gab es keine Senderdaten. Es könnten vorerst keine Angaben zur Schwimmrichtung des Wals gemacht werden, sagte die Rechtsanwältin der privaten Initiative zum Transport des Wals, Constanze von der Meden, am Vormittag der Deutschen Presse-Agentur. Welche Probleme es konkret gab, blieb zunächst unklar. Einem Medienbericht zufolge sprang der Tracker an dem Tier zunächst nicht an.
Grundsätzlich hofft Dr. Meynecke, dass der Sender „vielleicht zwei Wochen hält und man wenigstens jetzt in den nächsten Tagen einmal sieht, welche Richtung er einschlägt.“ Schon wenige Tage Daten können entscheidend sein. Denn sie zeigen, ob der Wal weiß, wohin er schwimmt – oder ob er die Orientierung verloren hat.
Die Allgemeinheit wird den Weg des riesigen Meeressäugers nicht verfolgen können: Die Informationen, wo sich der Wal befinde, sollen nur den Teammitgliedern der Privatinitiative und dem Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern zur Verfügung gestellt werden.
Gute Zeichen – aber auch große Risiken
Immerhin: Erste Bilder machen Hoffnung. „Was wir auf den Bildern gesehen haben, war schon ein kräftiges Ausatmen und auch kräftiges Losschwimmen. Ich glaube, er wollte auch wirklich einfach mal weg und das ist schon mal ein gutes Zeichen.“ Doch genau darin liegt auch ein Risiko. Wochenlang lag das Tier bewegungslos fest – jetzt muss der Körper plötzlich wieder Höchstleistung bringen.
„Da ist das Risiko, dass auch Giftstoffe freigesetzt werden, dass es zu einer Überbeanspruchung kommt.“ Die Belastung ist enorm. Niemand weiß, wie stark der Wal wirklich geschwächt ist. Er hat durch die Strapazen viel Kraft verloren. Gleichzeitig beginnt eigentlich jetzt eine Phase, in der er kaum Nahrung aufnimmt und von seinen Reserven lebt.
Gerade deshalb ist entscheidend, ob er schnell wieder zu seinen gewohnten Routen findet – nur dann hat er die Chance, rechtzeitig wieder ausreichend Nahrung aufzunehmen und seine Energiereserven aufzufüllen.
Für Dr. Olaf Meynecke ist vor allem das Bewegungsmuster der Schlüssel. „Wenn die Bewegungsmuster gradlinig sind, dann spricht es halt eben auch von einer Orientierung. Das heißt, der Wal weiß, wo er hin will.“ Ganz anders sieht es bei unruhigem Verhalten aus: „Sobald man ein Zickzackmuster sieht und sich der Wal lange an der Oberfläche aufhält, sind das eigentlich nicht so gute Zeichen.“
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50 Prozent Überlebenschance für Timmy
Trotz aller Sorgen gibt es auch positive Entwicklungen. Während der Rettung konnte sich das Tier bereits an das neue Gewässer gewöhnen. Das Wasser wurde ständig ausgetauscht – der Wal konnte sich wieder an den Geschmack der Nordsee erinnern. Für Dr. Olaf Meynecke ein wichtiger Punkt. Orientierung läuft bei Walen auch über Sinne wie den Geschmack. Ein Detail, das jetzt helfen könnte.
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Am Ende bleibt eine vorsichtige Prognose. „Wenn er die nächsten Tage mit einer relativ geradlinigen Schwimmbewegung Richtung Westen unterwegs ist, dann könnte man davon sprechen, dass die 50/50 Überlebenschance da ist.“ Fest steht: Jetzt zählt jede Stunde. Wenn der Wal Kraft behält, die richtige Richtung findet und nicht wieder in Küstennähe gerät, besteht echte Hoffnung.
Schafft er diese kritische Phase, könnte er sich erholen und sogar zurück zu seinen Artgenossen finden. Ein Szenario, das für alle Beteiligten ein riesiger Erfolg wäre.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa

