Trotz nicht anerkannter RegierungBrisante Gespräche: EU plant Abschiebungen mit Taliban

From right to left, Mawlawi Hamdullah Naumani, Minister of Communications and Information Technology, Sirajuddin Haqqani, the Talibans acting Interior Minister, Mullah Mohammad Younis Akhundzada, Minister of Rural Rehabilitation and Development, and another Taliban official stand on a stage During a ceremony in Kabul, Afghanistan on December 28, 2025. The ceremony honors Kabul Mayor Mawlawi Abdul Rashid Baluch for his work on urban development projects in the capital. Organized by the Talibans acting Interior Minister Sirajuddin Haqqani, the event is attended by several senior officials and cabinet members. Baluch is awarded a certificate of appreciation, and a traditional Afghan turban is placed on his head as a symbolic gesture of respect at the conclusion of the ceremony.//MIDDLEEASTIMAGES_mei0777/Credit:Javid Ashna/MEI/SIPA/2512300912
Mitglieder der afghanischen Regierung.
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Die ökonomische und menschenrechtliche Lage in Afghanistan ist alles andere als gut, die Machthaber vielfach nicht anerkannt. Dennoch wollen zahlreiche EU-Staaten Menschen in das Land abschieben. Für Gespräche dazu sollen offenbar Taliban-Vertreter eingeladen werden.

In den kommenden Wochen sind in Brüssel nach Angaben aus Diplomatenkreisen Gespräche zwischen Vertretern der radikalislamischen Taliban-Regierung in Afghanistan und der EU über Abschiebungen nach Afghanistan geplant. „Die Idee ist, sie noch vor dem Sommer einzuladen“, erfuhr die Nachrichtenagentur AFP aus Diplomatenkreisen. Die Taliban-Delegation werde ein „technisches“ Team sein, hieß es weiter.

Der Besuch der Taliban-Vertreter, der von der Europäischen Kommission und mehreren Mitgliedstaaten koordiniert wird, folgt auf zwei Reisen europäischer Vertreter nach Afghanistan zu Sondierungen über mögliche Abschiebungen von Afghaninnen und Afghanen aus der EU in ihr Heimatland. Europäische Vertreter sammelten nun „Informationen über Flüge, über die Kapazität des Flughafens in Kabul, sie sprechen mit den Taliban darüber, was mit den zurückgeschickten Personen passieren würde“, heißt es aus den an Gesprächen beteiligten Kreisen. Die EU-Kommission hat den Taliban-Behörden bislang keine offizielle Einladung geschickt.

Die geplanten Abschiebungen haben zahlreiche Bedenken ausgelöst. Menschenrechtsorganisationen zufolge steckt Afghanistan mitten in einer humanitären Krise, verschärft durch Dürre und drastische Kürzungen bei der Auslandshilfe. Zudem erkennt die EU die Taliban-Behörden nicht offiziell an.

Die EU-Kommission wollte ein Treffen in Brüssel zunächst nicht bestätigen. „Ich kann nicht bestätigen, dass ein Treffen mit den De-facto-Behörden aus Afghanistan in Brüssel geplant ist oder dass eine Einladung verschickt wurde“, sagte ein Kommissionssprecher. Gespräche auf Arbeitsebene würden weiter geführt, fügte er hinzu.

Nach jahrelanger westlicher Militärpräsenz hatten die radikalislamischen Taliban im August 2021 die Macht in Afghanistan wieder übernommen und ein sogenanntes islamisches Emirat ausgerufen. Seither setzen sie ihre strenge Auslegung des Islam mit drakonischen Gesetzen durch.

Rund 20 EU-Staaten streben dennoch Abschiebungen nach Afghanistan an. In Deutschland wurden seit 2024 bereits mehr als 100 Afghanen abgeschoben, obwohl die Bundesregierung die Taliban nicht als rechtmäßige afghanische Regierung anerkennt. Nach Abschluss einer Vereinbarung mit der Taliban-Regierung waren Ende Februar 20 Straftäter nach Afghanistan abgeschoben worden.

Verwendete Quellen: als/AFP