Statt KomplettverbotMacron will „Offline-Tag“ für Jugendliche einführen

Kinder und Jugendliche verbringen sehr viel Zeit am Handy. Hobbys wie Freunde treffen oder lesen kommen zu kurz. Anstatt Social Media komplett zu verbieten, bringt Frankreichs Präsident Macron eine andere Idee ins Spiel.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron will bei Schülerinnen und Schülern für einen „Offline-Tag“ werben. „Durch das bewusste Abschalten sollen das Lesen und der Austausch mit anderen gefördert werden“, erklärte das französische Präsidialamt. Macron will dazu am Donnerstag mit etwa 350 Schülerinnen und Schülern in dem Haus der französischen Sprache im Ort Villers-Cotterêts über das Thema Bildschirmzeit diskutieren. Dabei werde er an die zentrale Bedeutung des Lesens erinnern, das Offenheit und Chancengleichheit fördere. Macron will sich bei der Gelegenheit von Schülerinnen und Schülern interviewen lassen.
Wie oft es nach Macrons Vorstellungen einen Offline-Tag geben soll, wurde bisher nicht ausgeführt. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Studie verbringen junge Franzosen zwischen 7 und 19 Jahren derzeit täglich drei Stunden am Bildschirm und nur 18 Minuten mit Lektüre. Bei 16- bis 19-Jährigen steigt die Bildschirmzeit auf gut fünf Stunden täglich, die Zeit zum Lesen schrumpft auf 14 Minuten.
Der französische Präsident hat sich den Kampf gegen zu lange Bildschirmzeiten auf die Fahnen geschrieben. Frankreich wollte zudem als erstes Land in Europa Social Media für Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren verbieten. Der Senat verabschiedete bereits einen entsprechenden Gesetzesvorschlag, der jedoch noch durch den Vermittlungsausschuss muss. Ziel ist es, die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen besser zu schützen.
Derzeit bemühen sich etwa 15 Länder, den Zugang Minderjähriger zu Social Media einzuschränken, darunter Österreich, Portugal, Spanien, Italien, Griechenland, Norwegen, Slowenien und Großbritannien. Auch in Deutschland wird ein solches Vorgehen geprüft.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kündigte den baldigen Einsatz einer europäischen App für eine effiziente Alterskontrolle im Netz an. Damit sollen etwa Porno-Angebote sowie Onlinedienste wie Tiktok, Instagram und Youtube für Kinder gesperrt werden können. Die App sei fertig entwickelt und könne in naher Zukunft in den 27 EU-Ländern eingeführt werden, sagte von der Leyen.
Das Prinzip: Wer die App herunterlädt, muss sich ausweisen, zum Beispiel über einen Personalausweis, einen Reisepass oder eine Bankennummer. Die App speichert das Geburtsdatum. Wird dann eine Website mit einer Altersbeschränkung aufgerufen, gibt die App den Zugriff frei oder sperrt die Website, wenn der Nutzer zu jung ist.
Die App soll an Online-Plattformen nur die Information weitergeben, ob ein Nutzer alt genug ist. Die Technologie sei „vollständig anonym“, betonte von der Leyen. Für Dritte soll nach Kommissionsangaben nicht nachvollziehbar sein, welche Internetseiten einzelne Nutzer aufrufen.
Mehrere EU-Staaten haben die App bereits getestet und wollen sie in den kommenden Monaten offiziell einführen, darunter Frankreich, Spanien, Griechenland, Dänemark und Irland. Es bleibt jeder Regierung überlassen, für welche Internetseiten sie die Alterskontrolle gesetzlich zur Pflicht machen will.
In Deutschland arbeitet eine von Bundesfamilienministerin Karin Prien eingesetzte Expertenkommission an konkreten Handlungsempfehlungen zum „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“. Die Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen.
Verwendete Quellen: mpa/AFP


