Nach Anschlag auf StromnetzwerkBerliner Familie sitzt in der Kälte! Mutter stocksauer

von Tamara Bilic und Fabian Klein

Plötzlich Kälte und kein Strom!
Nach dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetzwerk sitzen noch rund 20.000 Haushalte im Dunkeln, können weder heizen noch warmes Essen kochen. RTL besucht eine Familie in Wannsee, die versucht, aus der so schweren Zeit das Beste zu machen. Doch die Herausforderung ist groß.

Familie sitzt in Berlin-Wannsee im Dunkeln

Eingekuschelt unter Decken sitzen Lilia und Sophia auf der Couch, basteln sich gegenseitig an ihren Beauty-Gesichtsmasken herum und lächeln. Die Cousinen und Sophias Schwester Sina müssen kreativ werden, um sich so ganz ohne Strom zu beschäftigen. „Eigentlich kann man auch ohne Handy und iPad und Strom überleben“, finden die Kinder. „Ohne Strom kann man halt rausgehen, zusammen spielen und mehr Zeit miteinander verbringen.“

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Auch ohne Strom haben Lilia, Sina und Sophia ihren Spaß.
Auch ohne Strom genießen Lilia, Sina und Sophia die gemeinsame Zeit.
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Doch ganz so einfach ist das nicht. Denn wenn Kinder im Schnee spielen, werden die Klamotten schnell dreckig – und das kann ohne Strom für die Waschmaschine schnell zum Problem werden. „Wir müssen ganz viele Sachen anziehen, damit uns nicht kalt ist“, erzählt Sophia. „Es ist gut und macht Spaß“, findet auch Lilia, weiß aber auch: „Man kann dann nicht mehr die Sachen anziehen, die schon dreckig sind.“

Und so gehen den Mädchen an Tag drei des Stromausfalls doch so langsam die Beschäftigungen aus. „Die meisten Sachen gehen vom Handy und wir haben nicht so viele Spiele. Das meiste haben wir alles schon durchgespielt und dann ist es langweilig. Dann können wir halt nichts machen.“

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So lebt die Familie ohne Strom in Berlin-Wannsee

Trotzdem waren „die letzten zwei Tage“ für „uns hier eigentlich ganz okay“ erzählt Semia Mathlouthi, die Mama von Sina und Sophia, im RTL-Interview. „Wir waren überwiegend draußen, damit wir nicht den ganzen Tag zuhause sind, weil die Kinder natürlich viel mehr machen können. Die Spiele hat man zehnfach gespielt, irgendwann haben die halt keine Geduld mehr.“

In das gut gedämmte Haus haben sie sich mit Kerzen eingerichtet, kommen so noch bis mindestens Dienstag zurecht. „Bei den anderen drei Tagen bin ich mir da nicht mehr so sicher, ob man dann nicht wirklich irgendwo zu Verwandten gehen muss.“

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Semia hofft, dass der Strom schnell zurückkehrt – übt aber auch deutliche Kritik an der Regierung. Es sei „peinlich“, dass „wir als Weltstadt erstmal in so eine Lage kommen”, findet die Mutter. „Vielleicht sollte die Politik auch mehr darüber nachdenken, auch in unser eigenes Land zu investieren, die Sachen auch sicherer zu machen.“ In so eine Situation dürfe Berlin „gar nicht mehr kommen.“

Noch 14.000 Haushalte nach Berliner Anschlag betroffen

Der Anschlag auf die Kabelbrücke über den Teltowkanal zum Kraftwerk Lichterfelde sorgt seit dem frühen Samstagmorgen für den Stromausfall, von dem zunächst 45.000 Haushalte und mehr als 2.200 Unternehmen betroffen waren. Inzwischen konnten 14.000 Haushalte und 500 Gewerbekunden wieder angeschlossen werden, wie Stromnetz Berlin mitteilt. Betroffen sind die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde.

Beschädigt wurde eine Kabelbrücke, die zum Kraftwerk Lichterfelde führt.
Beschädigt wurde eine Kabelbrücke, die zum Kraftwerk Lichterfelde führt.
Paul Zinken/dpa

Seit Sonntag steht für Politik und Behörden fest, dass es sich um einen politisch motivierten Anschlag handelt und Linksextremisten dahinterstehen. Ein bei den Behörden eingegangenes Bekennerschreiben mutmaßlicher Linksextremisten ist laut Senatorin Iris Spranger (SPD) authentisch.

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa