Proteste und PressekonferenzRiesenwirbel vor dem Krankenhaus, in dem Noelia Castillo Sterbehilfe erhält

Aktive Sterbehilfe für junge Frau spaltet Spanien
Eine Gruppe von Menschen protestiert am Eingang des Krankenhauses in Barcelona.
flm, Lorena Sopêna/EUROPA PRESS/dpa, Lorena Sopêna

Bis zum letzten Moment wollten sie Druck machen!
Um Punkt 18 Uhr sind nur noch die Ärzte bei Noelia Castillo. Sie überzeugen sich davon, dass die 25-Jährige immer noch sterben will und verabreichen ihr den tödlichen Medikamentencocktail. Doch Frieden und Ruhe sind Noelia in ihren letzten Minuten offenbar nicht vergönnt. Denn vor dem Krankenhaus versammeln sich die Vereinigung Christlicher Anwälte und jede Menge Demonstranten.

Christliche Anwälte versammeln sich vor Krankenhaus in Barcelona

Vor dem Eingang der Klinik in Barcelona haben sich nicht nur Sterbehilfe-Gegner versammelt. Wie La Vanguardia berichtet, beruft die Vereinigung Christlicher Anwälte genau um 18 Uhr – zeitgleich mit Noelias Sterbehilfetermin – eine Pressekonferenz ein. Bis zum Schluss hat die konservative Gruppierung zusammen mit Noelias Vater versucht, die 25-Jährige am Sterben zu hindern – vergebens. Noelia erhielt am Abend in dem Krankenhaus in Barcelona auf eigenen Wunsch und gegen den Willen ihrer Eltern eine tödliche Spritze, wie das Gesundheitsministerium der Region Katalonien mitteilte.

Aktive Sterbehilfe für junge Frau spaltet Spanien
Während Noelia Castillo Sterbehilfe erhält, versammeln sich vor dem Krankenhaus in Barcelona Demonstranten.
flm, Lorena Sopêna/EUROPA PRESS/dpa, Lorena Sopêna

Lese-Tipp: Noelia (25) „möchte einfach nur in Frieden gehen und aufhören zu leiden”

Die querschnittsgelähmte Frau wollte eigentlich schon im August 2024 sterben, nachdem die Sterbehilfe-Kommission in Katalonien ihrem Antrag zugestimmt hatte. Der Vorgang wurde jedoch gestoppt, nachdem ihr Vater rechtliche Schritte eingeleitet hatte. Danach folgten fast zwei Jahre Rechtsstreit. Doch der Vater scheiterte mit seiner Klage in allen Instanzen und sogar vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Noelias Sterbehilfe-Antrag ist in Spanien rechtmäßig

Alle Gerichte kamen zu dem Schluss, dass Noelia sich ihrer Entscheidung, zu sterben, bewusst ist. Sie leide sehr unter ihrem Gesundheitszustand, der unumkehrbar sei, heißt es in dem La Vanguardia-Bericht. Trotzdem versuchten die Anwälte noch am Tag vor ihrem Tod, Noelia mit einem Eilantrag am Sterben zu hindern.

Noelia Castillo will Sterbehilfe in Anspruch nehmen
Noelia Castillo spricht kurz vor ihrem Tod noch über ihre Entscheidung zu sterben.
Atresmedia

Lese-Tipp: Mama will bis zum Schluss an Noelias Seite bleiben

Das Sterbehilfe-Gesetz in Spanien sieht vor, dass jeder, der zurechnungsfähig ist und an einer schweren und unheilbaren Krankheit oder einer chronischen und behindernden Erkrankung leidet, um Sterbehilfe bitten kann, um „unerträgliches Leiden“ zu vermeiden. Der Antrag muss schriftlich gestellt und von einer Kommission genehmigt werden. All diese Vorgaben hat die 25-Jährige erfüllt.

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Noelia überlebte Suizidversuch schwer verletzt

In Interviews mit spanischen Medien erzählte sie, dass sie 2022 Opfer einer Gruppenvergewaltigung geworden sei. Sie habe die drei Täter nie angezeigt, weil sie nur ein paar Tage nach dem Vorfall einen Suizidversuch unternahm. Noelia überlebte damals schwer verletzt und saß seitdem querschnittsgelähmt im Rollstuhl.

Unter den seelischen und körperlichen Folgen litt sie bis zum Schluss. „Ich habe zu nichts Lust. Ich esse nicht, gehe nicht aus dem Haus, schlafe schlecht, mein Rücken und meine Beine schmerzen“, erzählte Noelia in einem Interview mit der Fernsehsendung „Y Ahora Sonsoles“ kurz vor ihrem Tod. „Ich kann nicht mehr mit all dem, was mich in meinem Kopf quält, was ich erlebt habe.“

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„Jeder Tag ist schrecklich und schmerzhaft“, sagte sie laut der Zeitung El Pais auch in einer Gerichtsverhandlung. Sie habe nicht nur Schmerzen, sondern müsse ihre Blase alle sechs Stunden mithilfe eines Katheters entleeren lassen. Sie könne auch ihren Stuhlgang nicht mehr kontrollieren, schreibt die Zeitung, der die Krankenakte der jungen Frau vorliegt.

Hier findet ihr Hilfe in schwierigen Situationen

Solltet ihr selbst von Suizidgedanken betroffen sein, sucht euch bitte umgehend Hilfe. Versucht, mit anderen Menschen darüber zu sprechen! Das können Freunde oder Verwandte sein. Es gibt aber auch die Möglichkeit, anonym mit anderen Menschen über Ihre Gedanken zu sprechen. Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

Wenn ihr schnell Hilfe braucht, dann findet ihr unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800-1110111 oder 0800-1110222 Menschen, die euch Auswege aus schwierigen Situationen aufzeigen können.

Verwendete Quellen: El Pais, Y Ahora Sonsoles/Instagram, AFP, dpa, La Vanguardia