Polizist verstrickt sich in WidersprücheSo kamen die Ermittler dem Mörder der vermissten Johanna G. auf die Spur

Die Polizei fahndet nach der 34-jährigen Johanna G.
Seit Samstag war die junge Frau verschwunden, dann legte ein Polizist ein Geständnis ab.
Facebook/johanna.g.3
von Thorsten Berger

Ganz Österreich hatte mit ihrer Mutter gehofft!
Am Samstag verschwindet plötzlich eine junge Frau in der Steiermark. Die Fitnesstrainerin Johanna G. ist für niemanden mehr erreichbar. Erstaunlich schnell stoßen Ermittler auf einen Verdächtigen – obwohl zunächst gar kein Verbrechen im Raum steht. Der Mann ist selbst Polizist und gesteht nach zwei Tagen: „Ich habe Johanna umgebracht. ” Heute (14. Januar) erklären die Ermittler, wie sie dem Mann so schnell auf die Schliche gekommen sind.

Ein Detail machte die Mutter stutzig

Es ist Samstag, der 10. Januar, als sich Johannas Mutter bei der Polizei meldet. Ihre Tochter sei verschwunden, das sei nicht ihre Art. Die Polizei nimmt die Anzeige ernst, steigt mit einer Leiter am Haus der 34-Jährigen im beschaulichen Ort Tillmitsch hoch, schaut in die Wohnung. Sie finden nichts Verdächtiges. So erzählt es heute Rene Kornberger vom Landeskriminalamt Steiermark in einer Pressekonferenz.

Also brechen die Ermittler wenig später ihre Tür auf. Die Wohnung ist auffällig ordentlich, sauber und aufgeräumt. Das sei typisch für Johanna, berichtet die Mutter den Beamten. Aber völlig untypisch sei es, dass sie ihren Abwasch nicht gemacht habe, bevor sie ging. Dieses kleine Detail lässt die Ermittler hellhörig werden. Sie machen sich auf Spurensuche.
Rene Kornberger erklärt das Prozedere: „Es wird im Bereich der Bekannten eruiert: Wer hatte Kontakt zur Abgängigen? Wer hat sie als Letztes gesehen?”

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Verdächtiger wimmelt die Beamten ab

Einer der Kontakte in ihrem Handy ist ein 30 Jahre alter Mann, wie sich herausstellt, selbst Polizist. Er ist Teil einer speziellen Eingreiftruppe. Beide soll ihre Leidenschaft für den Sport verbunden haben, berichten Freundinnen. Sie sollen eine Affäre gehabt haben. Der Mann wird angerufen – doch er wimmelt die Beamten ab. Seit Dezember habe er keinen Kontakt mehr zu Johanna G.. Noch am selben Abend stellt sich allerdings heraus: Das war eine Lüge! Die Auswertungen der Handydaten von Johanna G. beweisen: Es gab sehr wohl Kontakt. Auch am Tag des Verschwindens.

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Die Ermittler beschließen – wie Kornberger es auf der Pressekonferenz nennt – den Verdächtigen „auszuführen”. Das heißt, sie fahren mit ihm die Orte ab, an denen er den Abend des Verschwindens verbracht hat. Jeder noch so kleine Stein, den er dabei erwähnt, wird umgedreht. Und offenbar passen etliche Aussagen dabei einfach nicht zusammen. Schließlich ist der Druck auf den verdächtigen Polizisten so groß, dass er den Mord an Johanna G. gesteht und die Ermittler schließlich am Dienstag zu ihrer Leiche führt. Er hat sie gar nicht weit von seinem Wohnhaus in einem Erdloch vergraben.

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Mann behauptet: Es war ein Sex-Unfall

Aber er präsentiert eine merkwürdige Geschichte. Der Tod der jungen Frau sei ein Unfall gewesen, bei Würgespielen im Auto, die beide erregen sollten. Die Polizei muss das nun prüfen. „Derzeit können wir nur sagen, dass die 34-Jährige auf tragische Weise ums Leben gekommen ist und dass der Tatverdächtige mit dem Tod im Zusammenhang steht”, erklärt Landespolizeidirektor Gerald Ortner. Wie genau Johanna G. starb – und auch, ob sie schwanger war, wie einige Medien in Österreich berichten –, muss jetzt die Obduktion klären. In der Wohnung des Verdächtigen sollen auch zwei Pistolen gefunden worden sein, die er aus Polizeibeständen entwendet haben soll.

Verwendete Quellen: Landeskriminalamt Steiermark, krone.at, oe24.at, heute.at