Ministerin dankt den tapferen HelfernGroßer Mut nach Amoktat: Schüler retten Mädchen vor dem Verbluten!

Kräfte der bayerischen Polizei stehen am Welfen-Gymnasium. Am Vortag gab es einen Vorfall mit mehreren Verletzten und einer Festnahme an dem Gymnasium in Oberbayern +++ dpa-Bildfunk +++
Polizisten stehen einen Tag nach der Amoktat vor dem Gymnasium.
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An einem Gymnasium in Schongau geht ein 16-Jähriger mit einem Messer auf zwei Mädchen los und verletzt sie schwer. Bayerns Kultusministerin Stolz lobt das Verhalten der Schüler, die nach der Tat Hilfe leisteten. Ohne diesen Einsatz hätte eines der Opfer wohl nicht überlebt.

Nach der Amoktat im oberbayerischen Schongau hat Kultusministerin Anna Stolz das betroffene Gymnasium besucht und der Schulfamilie dort jede erdenkliche Unterstützung zugesichert. Zugleich bedankte sie sich ganz speziell bei den zwei Lehrkräften, die den mutmaßlichen Täter überwältigten, und bei den Schülerinnen und Schülern, die den beiden schwer verletzten Mädchen sofort zu Hilfe eilten. „Eines der Mädchen wäre sehr wahrscheinlich verblutet, wenn sie das nicht gemacht hätten. Also die haben ihr wahrscheinlich das Leben gerettet“, sagte Stolz. „Das sind echte Helden für mich.“

Den Angaben zufolge eilten mehrere Schülerinnen und Schüler sofort nach der Attacke zu Hilfe und starteten geistesgegenwärtig die Erstversorgung noch vor dem Eintreffen der Rettungskräfte. „Die Ersten haben gleich Rettungskräfte und Polizei angerufen. Mitschüler von mir, ich hab auch gleich natürlich mitgeholfen, haben ihre Hemden und Shirts von sich gerissen, haben sie als Druckverbände benutzt, um die Blutungen zu stillen. Alles mit voller Kraft draufgedrückt“, berichtete der 19-jährige Levi Lachmann.

Er und andere Schüler hätten dann Sanitätssets aus ihren Autos geholt und damit weiter versucht, die Blutungen bestmöglich zu stoppen - um das Leben der Mitschülerinnen zu retten. Dann hätten sie sterile Kompressen aus dem Sanitätsraum geholt, um die Wunden zu versorgen, wie sie es bei der Ausbildung als Ersthelfer gelernt hätten. Auch Lehrer hätten geholfen.

Ministerin Stolz traf sich an der Schule zu einem Gespräch mit Schulleitung, Lehrkräften und Eltern. „Ich bin zutiefst schockiert und bestürzt über diese schreckliche Tat, und meine Gedanken sind bei den Opfern, ihren Angehörigen, bei den schwer verletzten Schülerinnen, denen ich von ganzem Herzen vollständige Genesung wünsche“, sagte sie unmittelbar nach dem Besuch an der Schule.

„Ich habe der Schulfamilie jede Unterstützung zugesagt, die es jetzt braucht, und zwar jetzt in diesen so schweren Tagen, aber eben auch darüber hinaus, insbesondere im nächsten Schuljahr, weil es sehr viel Zeit brauchen wird, diese unfassbare Tat in der Schulfamilie aufzuarbeiten.“ Diese Zusage gelte nicht nur für das Gymnasium, sondern für alle Schulen auf dem Campus in Schongau.

„Aktuell haben wir hier ein Kriseninterventionsteam von uns vor Ort, vor allem zur psychologischen Beratung“, berichtete Stolz. „Und wir werden im kommenden Schuljahr dann, wenn nötig, der Schulfamilie des Gymnasiums, aber eben auch der anderen Schulen auf dem Campus, weiteres Personal zur Verfügung stellen.“ Die Ministerin betonte: „Wir stehen hier als Schulfamilie eng zusammen mit den Lehrkräften und mit den Schülern.“ Sie dankte den Einsatzkräften, der Schulfamilie und der Schulleitung, die in dieser so schwierigen Situation professionell gehandelt hätten.

Bei der Messerattacke am Mittwoch waren auf dem Schulgelände in Schongau zwei 13-jährige Mädchen schwer verletzt worden. Ein 16-Jähriger gilt als mutmaßlicher Täter, gegen ihn ermittelt die Staatsanwaltschaft München II wegen versuchten Mordes. Nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft befand sich der Jugendliche zumindest zeitweilig in psychiatrischer Behandlung. Dem Vernehmen nach soll es gegen ihn schon einmal ein Verfahren wegen Billigung von Straftaten gegeben haben. Er soll schon vorher Drohungen ausgesprochen und sich bei der Tat in einer „psychischen Ausnahmesituation“ befunden haben.

Nach Informationen der dpa war der 16-Jährige, selbst ein ehemaliger Schüler des Gymnasiums, zweimal kurzzeitig und befristet vom Unterricht ausgeschlossen worden. Nach zahlreichen intensiven Gesprächen zwischen Eltern, Lehrern, Schulpsychologen und weiteren Fachkräften sei er dann von der Schule abgemeldet und an einer neuen Schule angemeldet worden.

Verwendete Quellen: jpe/dpa