Kommentar zur LandtagswahlSachsen-Anhalt hat gewählt – und Friedrich Merz abgewählt

Es ging um mehr als Sachsen-Anhalt!
Die AfD von Spitzenkandidat Ulrich Siegmund (35) hat einen Erdrutsch-Sieg für seine Partei geholt. Daran gibt es nichts kleinzureden. Die Wählerinnen und Wähler haben entschieden. Und nur sie sind es, die in einer Demokratie das Sagen haben. Egal, ob einem das Ergebnis passt oder nicht. Und ich bin überzeugt, die Menschen haben heute auch über jemanden abgestimmt, der nicht auf dem Wahlzettel stand: Friedrich Merz. Politisch wurde er eiskalt abgewählt.
Kanzler Friedrich Merz hat die Menschen verloren

Der Mann, der jahrelang mit aller Macht CDU-Chef und Kanzler werden wollte – er kann es nicht. Der Mann, der einmal ankündigte, die AfD zu halbieren. Jetzt hat die AfD die CDU halbiert.
Im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt hielt seine Partei den eigenen Bundeskanzler weitgehend von den Wählerinnen und Wählern fern. Friedrich Merz war offenbar kein Zugpferd, sondern ein Risiko. Niemand wollte den Kanzler haben. Den unbeliebtesten in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Wenn Friedrich Merz über seine Politik spricht, haben viele Bürgerinnen und Bürger den Eindruck, dass da jemand von oben herab mit ihnen redet. Wie ein aus der Zeit gefallener Lehrer, der die Menschen in Deutschland für seine Schülerinnen und Schüler hält, die fleißig in ihre Hefte zu schreiben haben.

Wenn der Kanzler bei RTL eine Ärztin, die ihn auch hart (und vielleicht zu hart) persönlich angeht, als Nutznießerin des Systems bezeichnet, dann hat er etwas Grundlegendes nicht begriffen. Nämlich, dass der Kanzler den Menschen in Deutschland zu dienen hat. Auch, wenn sie ihn kritisieren, ihm widersprechen.
Ja, es gehört zu den Aufgaben des Regierungschefs, Entscheidungen zu treffen. Auch harte, auch unpopuläre. Aber Politik besteht nicht nur darin, Entscheidungen zu verkünden. Ein Kanzler muss zuhören. Er muss erklären. Er muss Menschen ernst nehmen. Er muss verstehen, was seine Politik für den Alltag einer Familie, einer Ärztin, eines Arbeitnehmers, von Alleinerziehenden, für das Leben von jungen Menschen und Rentnern bedeuten. Ein Kanzler muss an ALLE denken.
Ich bin überzeugt: Wenn ein Kanzler zuhört, ruhig erklärt, empathisch auftritt und die Lebensrealität der Menschen respektiert, dann sind viele Bürgerinnen und Bürger bereit, Veränderungen mitzugehen. Selbst dann, wenn sie wehtun.
Nach 16 Monaten im Kanzleramt ist Friedrich Merz all das nicht gelungen. Und ich sehe nichts, was dafür spricht, dass er es noch schaffen wird. Ein Kanzler ohne Autorität ist kein Kanzler.
Die Bürgerinnen und Bürger in Sachsen-Anhalt haben von ihrem demokratischen Recht zu wählen, sehr klar Gebrauch gemacht. Man kann die Positionen der AfD entschieden ablehnen. Man kann vor ihren Konsequenzen warnen. Aber jeder hat zu akzeptieren: Die Wähler haben die Partei in Scharen gewählt. Und nicht die Kanzler-Partei.
Die Botschaft ist eindeutig: Am Sonntag wurde Friedrich Merz abgewählt, obwohl sein Name nicht auf dem Wahlzettel stand.
Der Kanzler hat nur noch eine Option: Rücktritt.


