O’ Leary widerspricht OpferRyanair-Chef behauptet: Kein Passagier wurde aus dem Fenster gezogen – auch nicht teilweise

„Diese Geschichten sind unsinnig.“
Mit diesen Worten stellt sich Ryanair-Chef Michael O’Leary gegen die Schilderung des schweren Zwischenfalls auf einem Flug von Thessaloniki nach Memmingen vom 10. Juli. In einem Podcast erklärte der Airline-Chef, der Passagier sei zwar traumatisiert worden, habe aber nicht teilweise aus dem Flugzeug gehangen, wie zuvor mehrfach berichtet worden war.
Trauma: ja – aus dem Fenster gesaugt: nein
Nach den Worten des Ryanair-Chefs habe der Mann auf Sitz 11F angeschnallt gesessen. Deshalb könne er nicht aus dem Fenster gesogen worden sein. „Wenn der Sicherheitsgurt angelegt ist, wird man nicht aus dem Fenster eines Flugzeugs gesaugt. Die Fenster sind ohnehin nicht so groß“, sagte O’Leary im Podcast „The Travel Expert“.
Der Manager räumt allerdings ein, dass der Passagier während der plötzlichen Dekompression in Richtung des beschädigten Fensters gezogen worden sei und ein traumatisches Erlebnis durchgemacht habe. Die dramatischen Berichte, wonach Kopf und Oberkörper vollständig außerhalb des Flugzeugs gewesen seien und seine Ehefrau ihn nur an den Beinen festgehalten habe, bezeichnete O’Leary jedoch als „reißerische Behauptungen“. Man solle den Abschluss der unabhängigen Untersuchung abwarten.

So wurde der Vorfall bislang geschildert
Nach den bisherigen Schilderungen des 61-jährigen serbischen Passagiers und seiner Ehefrau hatte sich das Drama kurz nach dem Start abgespielt. Ein Triebwerksteil soll die Flugzeughülle getroffen haben. Dabei wurde ein Kabinenfenster beschädigt, die Kabine verlor Druck und die Sauerstoffmasken fielen herunter. Der Mann berichtete später, sein Kopf und ein Teil seines Oberkörpers seien durch den Luftsog nach draußen gezogen worden. Seine Frau sowie andere Passagiere hätten ihn festgehalten und zurück ins Flugzeug gezogen.
Der Flug kehrte nach Thessaloniki zurück und landete dort sicher. Der Passagier erlitt Verletzungen und musste medizinisch behandelt werden.
Im Video: Eine Flugzeug-Fenster zerbirst und ein Passagier ragt plötzlich heraus
Ryanair verteidigt die Crew – und rechnet mit Schadenersatzforderungen
O’Leary lobte ausdrücklich das Verhalten der Besatzung. Nach seiner Darstellung hätten die Piloten sofort den Sinkflug auf eine sichere Flughöhe eingeleitet. Erst danach hätten Flugbegleiter den Mann und seine Ehefrau umgesetzt. Außerdem habe sich ein Arzt an Bord bis zur Landung um den Passagier gekümmert.
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Die Kritik der Anwälte, die Crew habe nicht ausreichend geholfen, wies der Ryanair-Chef entschieden zurück. Stattdessen erklärte er, die Rechtsvertreter würden „jeden Tag neue Behauptungen“ aufstellen. Über mögliche Entschädigungsforderungen werde man sprechen, sobald sie offiziell eingereicht seien.
Untersuchung läuft weiter
Bereits vergangene Woche hatte O’Leary erklärt, erste Erkenntnisse deuteten auf einen Fremdkörper hin, der das Triebwerk beim Start beschädigt haben könnte. Alter oder Wartungszustand der 18 Jahre alten Boeing 737 seien nach bisherigem Stand nicht die Ursache gewesen. Nach seiner Darstellung traf ein gelöstes Triebwerksteil offenbar die Außenhaut des Flugzeugs und nicht direkt das Fenster. Warum das Kabinenfenster dennoch herausbrach und die Dekompression auslöste, sei bislang ungeklärt. Einen ersten Untersuchungsbericht erwartet Ryanair innerhalb weniger Wochen.
Verwendete Quellen: The Travel Expert - Podcast, Mallorca Magazin


