Radikaler Neustart mit 51Silke schmeißt ihren gut bezahlten Büro-Job hin – und wird Tatortreinigerin
Vom Schreibtisch an den Tatort!
Drei Monate nachdem in diesem Zimmer ein Mann gestorben ist, betritt Silke Silva (51) die Wohnung mit ihrem Team. Unter dem Bett sind noch Spuren von Körperflüssigkeiten zu sehen, Blut ist unter das Laminat gelaufen. Für Silke ist das mittlerweile ihr Arbeitsplatz. Vor rund einem Jahr saß sie noch in der IT-Abteilung eines Autoherstellers – und verdiente dort gutes Geld. Dann entschied sie sich für einen radikalen Neuanfang. Warum, das verrät sie im Video.
Silke wollte raus aus dem Büro – und ist jetzt Tatortreinigerin
„Dieser Leichengeruch geht aus nichts mehr raus, aus gar nichts mehr“, erzählt Silke Silva im RTL-Interview. Trotzdem spricht sie über ihren neuen Beruf mit einer Begeisterung, die zunächst überraschen kann. Denn die 51-Jährige ist Tatortreinigerin. Dabei sah ihr Berufsleben vor einem Jahr noch völlig anders aus: Silke arbeitete in der IT-Abteilung eines Autoherstellers. Der Job war gut bezahlt – glücklich machte er sie aber nicht mehr. Sie habe sich „eingesperrt“ gefühlt.
Heute empfindet sie das anders. „Jetzt bin ich irgendwie frei“, erklärt sie. Besonders gefällt ihr, dass sie sich ihre Zeit selbst einteilen kann und am Abend sieht, was sie mit den eigenen Händen geschafft hat.
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Für die 51-Jährige stand fest: Wenn sie noch einmal beruflich neu anfängt, dann soll es etwas Handwerkliches sein. Sie beginnt eine Ausbildung zur staatlich geprüften Desinfektorin und entscheidet sich schließlich für den Beruf, der Tatortreinigerin. Und dabei geht es ihr nicht nur ums Putzen und Desinfizieren. Sie interessieren auch die Geschichten hinter den Orten, an denen sie arbeitet. „Mich fasziniert, was es für Schicksale von Menschen gibt“, erzählt sie. Mit der Endlichkeit des Lebens habe sich auch ihre Familie schon früh beschäftigt. Für Silke ist das Thema Tod deshalb nichts, das grundsätzlich verdrängt werden muss. Und sie sieht in ihrem Beruf noch etwas anderes: die Möglichkeit, Menschen in einer schwierigen Situation zu helfen.
Mit 51 noch einmal komplett neu anfangen
Als wir Silke an diesem Tag begleiten, wartet ein besonders aufwendiger Einsatz auf sie und ihre Mitarbeiter. In dem Zimmer ist ein Mann gestorben. Seine Leiche wurde zwar nach einigen Tagen abtransportiert, doch anschließend blieb der Raum rund drei Monate lang unberührt. Die Angehörigen wollten das Erbe nicht antreten. Ein Verbrechen liegt nach den vorliegenden Informationen nicht vor.
„Er ist auf dem Bett verstorben. Unter dem Bett sieht man schon Körperflüssigkeiten“, erklärt Silke. Das Team beginnt damit, das Zimmer vollständig auszuräumen. Gegenstände, die nicht mehr zu retten sind, werden entsorgt und verbrannt. Für Silke ist das trotz aller professionellen Distanz kein völlig gewöhnlicher Vorgang. „Das ist schon irgendwie ein komisches Gefühl, dass man alles, was dem Menschen auch wichtig war, wegschmeißt“, sagt sie.
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Ihre Entscheidung hat Silke nicht bereut. Sie ist gerne selbstständig, sagt sie – und auch gerne Chefin. Vor allem möchte sie anderen Menschen Mut machen, die selbst darüber nachdenken, beruflich noch einmal etwas völlig anderes zu machen. Ihr Alter ist für sie dabei kein Hindernis.
„Habt keine Angst“, lautet ihre Botschaft. Es gebe unglaublich viele Möglichkeiten. Man könne sich weiterbilden, Schulungen besuchen und sich vor allem eine Frage stellen: Was macht mir eigentlich Freude? Silkes Antwort darauf dürfte für die meisten Menschen ziemlich ungewöhnlich sein. Für sie aber bedeutet der Wechsel vom gut bezahlten IT-Job zur Tatortreinigung vor allem eines: Freiheit.
Verwendete Quellen: RTL


