Wir erklären den Rakete-und-Feder-EffektÖl billiger, Sprit aber nur kaum – die Gründe für den Tank-Ärger!

Schleswig, die Preistafel an einer NORDOEL Tankstelle nach der Erhoehung um 12 Uhr mittags. Der Preis fuer alle Treibstoffsorten liegt wegen des Kriegs im Iran deutlich ueber der 2-Euro Marke. Die Nordoel Mineraloelhandelsgesellschaft mbH ist ein mittelstaendisches, deutsches Mineraloelunternehmen mit Hauptsitz in Luebeck. +++ Nur fuer redaktionelle Nutzung +++ Only for editorial use +++
Trotz des sinkenden Ölpreises bleibt das Tanken weiterhin teuer. (Symbolbild)
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von Ulrich Reitz und Fabian Klein

Wir ächzen weiter unter den Spritkosten!
Nach Ausbruch des Iran-Kriegs dauert es nur wenige Stunden, bis die Preise an den Tankstellen nach oben schießen. Autofahrer in Deutschland leiden wochenlang unter der Ölkrise. Nun ist ein Ende in Aussicht – doch davon ist an der Zapfsäule bislang nur wenig zu sehen. Warum ist das so?

RTL-Wirtschaftskorrespondent erklärt Rakete-Feder-Effekt

Die Straße von Hormus, die so wichtig für den globalen Öl- und Gashandel ist, soll endlich wieder öffnen. Die USA und der Iran haben sich auf eine zweiwöchige Feuerpause geeinigt – und nur wenig später sinkt auch der Rohölpreis, liegt am Mittwochmittag (8. April) bei rund 13 Prozent unter dem Niveau vom Vortag. Damit dürften auch Autofahrer an deutschen Tankstellen endlich wieder von spürbaren Entlastungen profitieren, oder?

Lese-Tipp: Tempolimit gegen steigende Spritkosten – was haltet ihr von dieser Idee?

Zumindest nicht sofort, erklärt RTL/ntv-Wirtschaftskorrespondent Ulrich Reitz. „Der sinkende Rohölpreis kommt an der Zapfsäule nur in kleinen Schritten an – wie immer eben. Nach oben geht es dagegen meistens ziemlich schnell. Das ist dieser bekannte Rakete-und-Feder-Effekt: rauf wie eine Rakete, runter wie eine Feder. Selbst wenn die Kosten deutlich fallen, spüren Autofahrer das oft nur abgeschwächt und mit Verzögerung.”

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Ganz anders sieht es dagegen nach Kriegsausbruch aus. Die Preise an Tankstellen schießen schnell in die Höhe – und bleiben auch am Mittwoch auf mittlerweile gewohnt hohem Niveau. Trotz des Einbruchs beim Öl sinken Diesel- und Benzinpreise nur um wenige Cent pro Liter. „Ein Grund sind die hohen Steuern im Spritpreis, dazu kommt: Die Anbieter geben Preissenkungen nicht immer sofort komplett weiter”, erklärt Reitz.

Im Video: Spritpreisbremse tritt in Kraft! Wann tanke ich jetzt am günstigsten?

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Spritpreise schießen seit Kriegsbeginn in die Höhe

Insgesamt sind die Spritpreise seit Ausbruch des Krieges extrem stark gestiegen. Auch am Mittwochmittag haben sich die Preise im bundesweiten Durchschnitt verteuert, Superbenzin steigt in der Sorte E10 zwischen 11.45 Uhr und 12.15 Uhr um 5,7 Cent pro Liter, Diesel um 5,3 Cent, wie der ADAC mitteilt. Nach der Erhöhung kostet ein Liter E10 im Schnitt 2,208 Euro, ein Liter Diesel 2,471 Euro. Der ADAC hält den Anstieg der letzten Zeit im Vergleich zur Entwicklung bei den Ölpreisen für überhöht und fordert seit einiger Zeit eine Reduzierung der Steuern auf Treibstoff, um die Verbraucher zu entlasten.

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Angesichts der hohen Preise gibt es Versuche, die Situation für die Verbraucher zu entschärfen. Vergangene Woche sind mehrere von der Berliner Koalition im Eilverfahren beschlossene neue Vorschriften in Kraft getreten: Seitdem dürfen die Spritpreise an den Tankstellen nur noch einmal täglich um 12 Uhr mittags erhöht werden. Preissenkungen sind jederzeit erlaubt – und besänftigen Autofahrer dank der Feuerpause hoffentlich bald und spürbar!

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche, dpa