Kleine Katze – große SensationForscher entdecken neue Katzenart – zum ersten Mal seit 100 Jahren

Leopardus tilcayo heißt die Katze mit wissenschaftlichem Namen
Leopardus tilcayo heißt die Katze mit wissenschaftlichem Namen
via Reuters
von Philipp Petersdorff

Kleiner als eine gewöhnliche Hauskatze und mit auffälligen Leopardenflecken.
In Bolivien haben Forscher eine bislang unbekannte Katzenart identifiziert. Alles begann mit einem Anruf wegen einer „seltsamen Katze“.

Zehn Jahre nach der ersten Begegnung wird das Rätsel gelöst

Was Paola Nogales-Ascarrunz 2016 in einem bolivianischen Wildtierzentrum sieht, lässt die Biologin nicht mehr los. Das Tier hat ein kleines, gedrungenes Gesicht, kurze runde Ohren, lange Schnurrhaare und große Flecken, die an das Fell eines Leoparden erinnern. Nogales-Ascarrunz zückt ihre Kamera. „Ich habe hundert Fotos von ihr gemacht“, erinnert sie sich gegenüber National Geographic. „Ich war so fasziniert.“

Ein Mann hält die Wildkatze zunächst für eine Hauskatze

Die Geschichte der außergewöhnlichen Katze beginnt noch früher. Ein Mann findet das Tier als Junges auf einer Straße nahe eines Waldes und nimmt es mit nach Hause. Er glaubt zunächst, eine Hauskatze gefunden zu haben. Nach etwa einem Jahr wird allerdings deutlich, dass er mit einem Wildtier zusammenlebt. Schließlich bringt er die Katze in das Senda-Verde-Wildtierzentrum in Bolivien. Von dort bekommt Nogales-Ascarrunz 2016 den entscheidenden Anruf.

Zu diesem Zeitpunkt ahnt die Biologin noch nicht, was für eine Entdeckung vor ihr sitzt. Sie hält die gefleckte Katze zunächst für einen Vertreter einer bereits bekannten Art. Erst 2019 kommen ihr Zweifel. Beim Vergleich mit dem Foto einer ähnlichen Katze aus Brasilien fällt ihr auf, dass die Flecken ihres Tieres deutlich größer sind. Ihr Gedanke in diesem Moment: „Das ist so falsch.“

Die National-Geographic-Entdeckerin Paola Nogales-Ascarrunz steht neben der Katze, der sie vor zehn Jahren zum ersten Mal begegnet ist.
Die National-Geographic-Entdeckerin Paola Nogales-Ascarrunz steht neben der Katze, der sie vor zehn Jahren zum ersten Mal begegnet ist. Sie ist Mitautorin einer neuen wissenschaftlichen Studie, in der das Tier als neue Art beschrieben wird.
via Reuters
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Sie sieht aus wie ein Mini-Leopard – und ist eine völlig neue Katzenart

Es folgen weitere Jahre der Forschung. Gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern untersucht Nogales-Ascarrunz schließlich das Erbgut der Tiere. Der Vergleich kompletter Genome von 38 Katzen aus der Gattung Leopardus liefert die entscheidende Erkenntnis. Die geheimnisvolle Katze unterscheidet sich genetisch von den bereits bekannten Arten. Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass sich ihre Entwicklungslinie bereits vor rund 1,4 Millionen Jahren von ihren nächsten Verwandten getrennt hat.

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Damit steht fest: Es handelt sich nicht lediglich um eine Unterart, die nun anders eingeordnet wird. Leopardus tilcayo, wie die Forscher die Katze nennen, ist eine bislang wissenschaftlich unbekannte Art. Nach Angaben von „National Geographic“ ist sie die erste neu entdeckte Katzenart seit mehr als 100 Jahren.

Leopardus tilcayo ist kleiner als eine Hauskatze

Besonders beeindruckend ist, wie unscheinbar die tierische Sensation daherkommt. Das bekannte männliche Exemplar misst vom Kopf bis zum Körperende nur etwa 46 Zentimeter und wiegt rund 1,4 Kilogramm. Damit ist es kleiner als eine durchschnittliche Hauskatze. Hinzu kommen das auffällig gefleckte Fell, das kleine Gesicht, die kurzen runden Ohren und die langen Schnurrhaare.
Bislang wissen die Forscher nur, dass Leopardus tilcayo in der Yungas-Waldregion an den östlichen Hängen der bolivianischen Anden vorkommt. Wie viele Tiere dort leben, was genau sie fressen oder wie sie sich fortpflanzen, ist noch unbekannt. „So viele grundlegende Dinge sind nicht bekannt“, sagt Nogales-Ascarrunz.

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Die letzte vergleichbare Entdeckung liegt mehr als 100 Jahre zurück

Leopardus pajeros
Ein Holzstich der Pampaskatze
picture alliance / Quagga Illustrations / Quagga Illustrations

Eine ähnlich bedeutende Entdeckung bei Katzen liegt lange zurück. Zuletzt wurde laut National Geographic 1923 mit der Pampaskatze eine neue Katzenart entdeckt. Dass nun ausgerechnet ein kleines Tier aus Bolivien den Stammbaum der Katzen erweitert, zeigt für Nogales-Ascarrunz, wie viel es selbst heute noch zu entdecken gibt. „Manchmal denken wir, dass das meiste bekannt ist und es nicht mehr viel zu entdecken gibt, aber tatsächlich ist es genau andersherum“, sagt die Biologin. Und sie hat bereits eine klare Vorstellung davon, was als Nächstes passieren sollte: „Also lasst uns losziehen, sie finden und schützen.“

Verwendete Quelle: National Geographic