Die Bürgermeisterin von MarrakeschSensation in Marokko! Diese Frau schreibt jetzt Geschichte

In Marokko stellt die stärkste Partei traditionell den Regierungschef. Bei der Wahl gewinnt die PAM mit der Bürgermeisterin von Marrakesch an der Spitze. Damit übernimmt erstmals eine Frau auch die Regierungsgeschäfte. Das letzte Wort aber hat sie nicht.
In Marokko wird zum ersten Mal eine Frau Regierungschefin: König Mohammed VI. hat die Bürgermeisterin von Marrakesch, Fatima Ezzahra El Mansouri, zur Ministerpräsidentin des nordafrikanischen Landes ernannt. Wie sein Büro mitteilte, empfing er die 50-jährige Juristin, die zuletzt auch Bauministerin war, im Königspalast und beauftragte sie offiziell mit der Bildung der neuen Regierung.
Bei der Parlamentswahl vergangene Woche hatte El Mansouris Partei für Authentizität und Modernität (PAM), die auch schon an der bisherigen Regierungskoalition beteiligt war, einen klaren Sieg eingefahren. Sie kommt im neuen Parlament auf 97 der 395 Sitze. Die Nationale Sammlung der Unabhängigen (RNI) des bisherigen Regierungschefs Aziz Akhannouch kommt mit 66 Sitzen nur noch auf Platz zwei - dicht gefolgt von der Istiklal-Partei mit 65 Sitzen. Obwohl die PAM im Wahlkampf eine weitere Zusammenarbeit mit der RNI ausgeschlossen hatte, zeigte sich El Mansouri zuletzt kompromissbereit erklärte, es gebe bei den Verhandlungen keine roten Linien.
Die Partei mit den meisten Sitzen stellt in Marokko traditionell den Regierungschef. Bei wichtigen politischen Entscheidungen hat jedoch der König als Staatsoberhaupt das letzte Wort.
Ohne eigene Mehrheit im Parlament muss El Mansouri nun eine Koalitionsregierung bilden, die vor großen Herausforderungen steht: Hohe Lebenshaltungskosten und Jugendarbeitslosigkeit haben für große Unzufriedenheit und Politikverdrossenheit gesorgt, vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das hatte sich zuletzt im Juli in einem massenhaften Ansturm auf die Grenze zur spanischen Exklave Ceuta sowie in tödlichen Protesten entladen. Zudem muss sie die letzten Phasen der 20 Milliarden Dollar teuren Vorbereitungen für die Fußball-Weltmeisterschaft 2030 überwachen, die Marokko gemeinsam mit Spanien und Portugal ausrichtet.
Die Wahlbeteiligung war mit 38 Prozent so niedrig wie seit 20 Jahren nicht mehr. El Mansouri hatte im Wahlkampf angekündigt, den jungen Leuten in Marokko „wieder Hoffnung zu geben“. Die PAM war 2008 von einem Berater des Königs gegründet worden und positioniert sich als säkular ausgerichtetes Gegengewicht zur islamistischen Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD). Die PJD kam auf 54 Sitze und kündigte an, in der Opposition zu bleiben.
Verwendete Quellen: jwu/AFP/rts


