Liveticker zur Flutkatastrophe in NepalVier der vermissten Deutschen sind Pilger

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Weltweit gedenken Menschen der Opfer und Vermissten der Sturzflut.
George Chan/AAP/dpa

Wassermassen reißen Häuser mit, Gebäude versinken im Schlamm!
Nach massiven Überschwemmungen werden in Nepal Hunderte Menschen vermisst, darunter auch Deutsche. Nach derzeitigem Stand gebe es von rund 384 Touristen derzeit kein Lebenszeichen, teilt die Tourismusbehörde des Landes mit. Verfolgt alle Entwicklungen hier im Liveticker!

Wichtige Updates
Johanna Kroke

Mindestens acht Deutsche nach Sturzflut in Nepal vermisst

Wie die Tourismusbehörde mitteilt, sollen unter den Vermissten mindestens acht deutsche Touristen sein. 
Johanna Kroke

Vier vermisste Deutsche waren Pilger

Eine Pilgergruppe mit mehr als 70 Menschen wird nach der Sturzflut im Himalaya vermisst. Jetzt ist klar: Auch vier Deutsche gehörten dazu.

Vier der acht im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet vermissten Deutschen gehörten zu einer Gruppe von ausländischen Pilgern. Sie waren auf dem Rückweg von einer Pilgerreise zum heiligen Berg Kailash und zum Manasarovar-See in Tibet, als der Kontakt zu ihnen abriss, wie die nepalesische Reiseagentur Trekkers’ Society mitteilte. Von den insgesamt 77 Reisenden und den 15 nepalesischen Begleitern der Gruppe fehlt seit der verheerenden Sturzflut am Mittwoch jede Spur. 

Den Angaben zufolge sollte die Gruppe am Morgen des 26. August die Grenze nach Nepal überqueren. Zu dem Zeitpunkt raste eine Flut aus Wasser, Geröll und Eis durch die Region. Seitdem ist unklar, wo sich die Pilger befinden und ob sie die Katastrophe überlebt haben.

Pilger aus zahlreichen Ländern

Bei den vier Deutschen handele es sich um zwei Männer und zwei Frauen, sagte Anish Bhujel, Manager der in Kathmandu ansässigen Trekkers’ Society. Die anderen Reisenden stammen demnach aus mehr als zehn Ländern, darunter aus den USA, Großbritannien, Australien, Spanien, Südafrika, Israel und Kanada. Begleitet wurde die Gruppe zudem von 15 nepalesischen Guides und Fahrern.

Laut Bhujel war die Gruppe am 16. August von der nepalesischen Hauptstadt in Richtung Timure aufgebrochen. Der Ort, der Augenzeugen zufolge bei der Sturzflut fast völlig zerstört wurde, liegt nahe der Grenze zu China und ist ein wichtiger Ausgangspunkt für Reisen nach Tibet. Die Pilgerreise wurde von der Isha Foundation des indischen spirituellen Lehrers Jaggi Vasudev, weltweit bekannt als Sadhguru, organisiert.

Sadhguru sprach in einer Mitteilung auf der Plattform X von «absolutem Schmerz» über das Unglück und das Schicksal der Gruppe. Er betonte, es gebe seit der Flut keine Informationen zu den Pilgern mehr.
Johanna Kroke

Dammbruch befürchtet – China unterbricht Rettungsarbeiten

Die Helfer im Katastrophengebiet zwischen Nepal und China wollen mit Hochdruck nach Vermissten suchen. Doch die Chinesen stellen nun vorübergehend die Suche ein. Grund ist eine Gefahr am Flusslauf.

Wegen einer drohenden Flut haben Chinas Rettungskräfte im Katastrophengebiet in Tibet ihre Rettungsarbeiten vorübergehend unterbrochen. Dem chinesischen Staatsfernsehen zufolge entstand an einer Flussmündung stromaufwärts vom Grenzübergang Gyirong entlang eine „gefährliche Situation“ an einem dort neu angestauten See. Die Rettungsarbeiten vor Ort seien ausgesetzt worden, hieß es in dem Bericht weiter.

Luftaufnahmen zeigten den See, der auf nepalesischem Gebiet liegen soll, der sich nach der Sturzflut am Mittwoch neu gebildet hatte. Die chinesischen Behörden hatten bereits am Donnerstag vor der Lage dort gewarnt, weil darin weiter Millionen Kubikmeter an Wasser hineinfließen könnten und er deshalb überlaufen und eine neue Sturzflut auslösen könnte. In dem Gebiet werden obendrein weitere Regenfälle erwartet.
Johanna Kroke

Experten suchen nach der Ursache für Sturzflut

Was die Sturzflut auslöste, ist noch nicht abschließend geklärt. Eine vielgenannte Vermutung ist, dass ein Gletschersturz auf nepalesischer Seite die Lawine aus Wasser und Schlamm in Gang setzte. Die Wucht war so stark, dass Erdbeben-Messinstrumente ausschlugen. Zudem begünstigte nach Expertenmeinung das enge und steile Flusstal, dass sich die Wassermassen derart auftürmen konnten. 

Unklar ist auch, welche Rolle der Klimawandel in der Katastrophe gespielt haben könnte. Ob dieser zur Katastrophe beigetragen hat, lasse sich nicht eindeutig sagen, sagte Niels Hovius vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung. Solche Ereignisse habe es auch zu anderen Zeiten gegeben. Allerdings: „Gletscher schmelzen, Permafrost taut, die Null-Grad-Grenze steigt – und der Himalaya ist schwer betroffen", so der Experte. 

Deutschlands Entwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) forderte Hilfe für vom Klimawandel betroffene Länder. „Der Klimawandel verschärft die Risiken durch Extremwetter – in Nepal und vielen anderen Teilen der Welt, aber auch bei uns in Deutschland", sagte sie der Funke Mediengruppe. Deshalb gehe es nicht nur darum, Emissionen zu senken. „Wir müssen Länder und Menschen auch dabei unterstützen, sich besser gegen die Folgen des Klimawandels zu schützen."

Auch deutsche Touristen vermisst

Das Ausmaß der Katastrophe, die sich in dem Himalaya-Staat abspielt, ist noch kaum abzusehen. Videos der Überschwemmungen zeigen massive Wassermassen, die Häuser mit sich reißen, und Gebäude, die in Schlamm versinken. Chinesische Staatsmedien berichteten über einen Erdrutsch im Grenzgebiet zu Nepal mit vielen Opfern.

Wie die Behörden mitteilen, sind unter den derzeit Vermissten rund 384 Touristen, 291 davon aus dem Ausland, erklärt die nepalesische Tourismusbehörde laut AFP. Vermisst werden unter anderem Menschen aus Deutschland, den USA und Spanien. Die Behörden arbeiteten daran, den Aufenthaltsort der Touristen zu klären, heißt es weiter.

Mud covers a property following a flash flood at Trishuli, Nepal
Die Überschwemmungen haben das Gebäude im Schlamm begraben.
AH, REUTERS, Navesh Chitrakar

Armee entsendet Hubschrauber und Rettungstrupps

„Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen, außerdem Häuser und Menschen”, sagte der Lehrer Suman Chalise aus dem nepalesischen Bezirk Nuwakot. „Es war absolut entsetzlich. So eine Zerstörung habe ich noch nie gesehen.”

Die nepalesische Armee entsandte Hubschrauber und Rettungstrupps in die Katastrophenregion. Mehrere Fernstraßen waren blockiert. Das chinesische Staatsfernsehen meldete einen Erdrutsch in Tibet im Grenzgebiet zu Nepal. Zur Zahl der Toten und Verletzten äußerte sich die Regierung in Peking zunächst nicht. Der Staatssender CCTV zeigte Bilder von einer Wasserflut, die Äste und Trümmerteile mit sich riss.

Verwendete Quellen: AFP, dpa