Liveticker zur Flutkatastrophe in NepalRetter bergen zwei weitere Überlebende in Nepal – zehn Tage nach der Sturzflut!

Ein chinesischer Arbeiter konnte nach zehn Tagen gerettet werden!
Ein chinesischer Arbeiter konnte nach zehn Tagen gerettet werden!
Nepal Army via AP
von Anke Jonschker und Philipp Petersdorff

Hoffnung inmitten der Katastrophe!
Mehr als eine Woche nach der verheerenden Sturzflut in Nepal suchen Rettungskräfte weiter nach Tausenden Vermissten. Zwischen all der Zerstörung gibt es jetzt neue Hoffnung: Selbst nach zehn Tagen werden noch Menschen lebend geborgen. Verfolgt alle Entwicklungen hier im Liveticker!

Wichtige Updates
Anke Jonschker

Retter bergen zwei Überlebende in Nepal – zehn Tage nach der Sturzflut! 


 
Was für ein Hoffnungsschimmer mitten in der Katastrophe! Zehn Tage nach der verheerenden Sturzflut im Himalaya haben Rettungskräfte in Nepal zwei weitere Menschen lebend geborgen. Das berichtet die dpa unter Berufung auf die nepalesischen Behörden. 

In Betrawati wurde eine Frau in den Sechzigern aus einem verschütteten Haus gerettet und zur Behandlung nach Kathmandu geflogen. Auch in den Trümmern eines Wasserkraftwerks gibt es gute Nachrichten: Einsatzkräfte drangen rund 225 Meter tief in einen Tunnel vor und konnten dort einen chinesischen Staatsbürger lebend bergen. Beide werden medizinisch versorgt. 

Damit wurden innerhalb von nur zwei Tagen vier Überlebende gefunden. Bereits am Freitag waren zwei Menschen lebend aus einem anderen Tunnel gerettet worden. Die spektakulären Funde machen Hoffnung, dass die Helfer auch unter den weiterhin Tausenden Vermissten noch Überlebende entdecken könnten. 

Die Bilanz der Sturzflut bleibt dennoch erschütternd: Nach Angaben der dpa wurden in Nepal bislang 1.344 Todesopfer bestätigt, darunter 85 Kinder. Knapp 4.900 Menschen gelten dort noch als vermisst. Auch im benachbarten Tibet werden weiterhin Hunderte Menschen gesucht. 
Philipp Petersdorff

Hohe einstellige Zahl deutscher Staatsbürger weiterhin vermisst

Zusammengerechnet gelten laut Angaben der chinesischen und nepalesischen Behörden mehr als 2.500 Menschen als vermisst, wobei Nepal mit 1.924 Vermissten, deutlich mehr gemeldet hatte. Unter den Vermissten sind rund 500 ausländische Touristen. Auch von einigen deutschen Staatsbürgern fehlt nach wie vor jede Spur. Das Auswärtige Amt erklärte auf dpa-Anfrage: "Laut unserem Kenntnisstand befindet sich zum aktuellen Zeitpunkt eine hohe einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger unter den Vermissten." Die Auslandsvertretungen in China und Nepal stünden mit Familienangehörigen und lokalen Behörden "im engen Kontakt", hieß es aus Berlin weiter. 
Philipp Petersdorff

Gefahr durch angestauten See bleibt

Sorge bereitet den chinesischen Rettungskräften nach wie vor ein See, der sich als Folge der Sturzflut oberhalb von Gyirong neu angestaut hat. Sollte das Wasser den Damm aus Geröll und Schlamm durchbrechen, könnte eine weitere Flut das Tal hinunter schießen. Der Leiter eines Erkundungsteams, das dort Mess- und Überwachungsgeräte aufstellte, beruhigt allerdings: Weil das Wasser aus dem See bereits natürlich abfließe, habe sich die Gefahr deutlich verringert, zitierte das chinesische Staatsfernsehen Chen Hanxiao. 
Philipp Petersdorff

Schlamm, Regen und unpassierbare Straßen erschweren die Bergungsarbeiten

Enorme Schlammmassen und Regenfälle im Flut-Katastrophengebiet an der Grenze zwischen China und Nepal behindern die Suche nach Vermissten. "Der schwierigste Teil ist der abgelagerte Schlamm als Folge der Flutwelle", sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet in Battar Bazar in der an Tibet grenzenden Provinz Bagmati. Dadurch sei es sehr schwierig, Hubschrauber in den betroffenen Gebieten wie Temure, Syabrubesi und Mailung zu landen oder zu starten. 
Derzeit sind laut Basnet unter anderem 14 Rettungshubschrauber in der Region im Einsatz. Bis zum Freitagabend (Ortszeit) gab die Katastrophenschutzbehörde des Landes die Zahl der Geretteten mit mehr als 4.400 Menschen an – darunter 149 Ausländer.

Tausende Menschen werden noch vermisst

Am 26. August trifft eine gewaltige Sturzflut den Himalaya und verwüstet weite Gebiete entlang der Grenze zwischen Nepal und Tibet. Ausgelöst wurde die Katastrophe nach bisherigen Erkenntnissen durch den Kollaps von Gletscher-, Eis- und Gesteinsmassen. Häuser, Straßen und Brücken werden von Wasser, Schlamm und Geröll mitgerissen.

Die Opferzahlen steigen seitdem immer weiter. Nach aktuellen Angaben der nepalesischen Behörden wurden allein in Nepal mehr als 1.300 Tote bestätigt, Tausende Menschen werden weiterhin vermisst. Rettungskräfte aus Nepal werden bei der Suche auch von internationalen Teams unterstützt.

Krishna Poudel sucht weiter nach seinem Bruder Ishwor
Krishna Poudel sucht weiter nach seinem Bruder Ishwor
REUTERS

Retter finden auch nach zehn Tagen noch Überlebende

Doch zwischen all den schrecklichen Nachrichten gibt es immer wieder kleine Hoffnungsschimmer. Am Freitag wurden zwei Arbeiter nach neun Tagen lebend aus einem Tunnel des Wasserkraftwerks Upper Trishuli 3A gerettet. Jetzt konnten Einsatzkräfte erneut zwei Menschen lebend bergen, darunter eine Frau in den Sechzigern aus einem verschütteten Haus und einen chinesischen Arbeiter aus einem Tunnel.

Die Suche geht deshalb weiter. Unter den Tausenden Vermissten befinden sich auch Deutsche. Das Auswärtige Amt spricht von „einigen vermissten deutschen Staatsangehörigen“, nennt wegen der weiterhin unübersichtlichen Lage aber bewusst keine genaue Zahl. Die deutschen Auslandsvertretungen in Kathmandu und Peking arbeiten gemeinsam mit den Behörden daran, den Verbleib der Vermissten zu klären.

Verwendete Quellen: AFP, dpa