Liveticker zur Flutkatastrophe in NepalHohe einstellige Zahl deutscher Staatsbürger weiterhin vermisst

Arbeiter setzen Bagger ein, um nach den verheerenden Sturzfluten den Schlamm auf dem Dhunge-Basar im nepalesischen Distrikt Nuwakot zu beseitigen.
Arbeiter setzen Bagger ein, um nach den verheerenden Sturzfluten den Schlamm auf dem Dhunge-Basar im nepalesischen Distrikt Nuwakot zu beseitigen.
ARUN SANKAR / AFP
von Philipp Petersdorff

Nach der Flut im Himalaya steigt die Zahl der Todesopfer in Nepal weiter. Laut Polizei wurden bislang 616 Leichen geborgen. Zusammen mit den 7 in China gemeldeten Toten liegt die Gesamtzahl damit bei 623. Viele Menschen werden noch vermisst, darunter auch Deutsche. Verfolgt alle Entwicklungen hier im Liveticker!

Wichtige Updates
Philipp Petersdorff

Hohe einstellige Zahl deutscher Staatsbürger weiterhin vermisst

Zusammengerechnet gelten laut Angaben der chinesischen und nepalesischen Behörden mehr als 2.500 Menschen als vermisst, wobei Nepal mit 1.924 Vermissten, deutlich mehr gemeldet hatte. Unter den Vermissten sind rund 500 ausländische Touristen. Auch von einigen deutschen Staatsbürgern fehlt nach wie vor jede Spur. Das Auswärtige Amt erklärte auf dpa-Anfrage: "Laut unserem Kenntnisstand befindet sich zum aktuellen Zeitpunkt eine hohe einstellige Zahl deutscher Staatsangehöriger unter den Vermissten." Die Auslandsvertretungen in China und Nepal stünden mit Familienangehörigen und lokalen Behörden "im engen Kontakt", hieß es aus Berlin weiter. 
Philipp Petersdorff

Gefahr durch angestauten See bleibt

Sorge bereitet den chinesischen Rettungskräften nach wie vor ein See, der sich als Folge der Sturzflut oberhalb von Gyirong neu angestaut hat. Sollte das Wasser den Damm aus Geröll und Schlamm durchbrechen, könnte eine weitere Flut das Tal hinunter schießen. Der Leiter eines Erkundungsteams, das dort Mess- und Überwachungsgeräte aufstellte, beruhigt allerdings: Weil das Wasser aus dem See bereits natürlich abfließe, habe sich die Gefahr deutlich verringert, zitierte das chinesische Staatsfernsehen Chen Hanxiao. 
Philipp Petersdorff

Schlamm, Regen und unpassierbare Straßen erschweren die Bergungsarbeiten

Enorme Schlammmassen und Regenfälle im Flut-Katastrophengebiet an der Grenze zwischen China und Nepal behindern die Suche nach Vermissten. "Der schwierigste Teil ist der abgelagerte Schlamm als Folge der Flutwelle", sagte Armeesprecher Raja Ram Basnet in Battar Bazar in der an Tibet grenzenden Provinz Bagmati. Dadurch sei es sehr schwierig, Hubschrauber in den betroffenen Gebieten wie Temure, Syabrubesi und Mailung zu landen oder zu starten. 
Derzeit sind laut Basnet unter anderem 14 Rettungshubschrauber in der Region im Einsatz. Bis zum Freitagabend (Ortszeit) gab die Katastrophenschutzbehörde des Landes die Zahl der Geretteten mit mehr als 4.400 Menschen an – darunter 149 Ausländer.
Philipp Petersdorff

Gesundheitsrisiko durch verwesende Opfer in Nepal befürchtet 

Nach der verheerenden Flutkatastrophe in Nepal und Tibet erschwert der Zustand der geborgenen Leichen zunehmend die Identifizierung der Opfer. Von 233 im Distrikt Chitwan an der Grenze zu Indien geborgenen Toten konnten bislang lediglich vier identifiziert werden, wie die dortige Bezirksverwaltung mitteilte. Viele der Opfer waren durch die Wucht der Flut viele Kilometer mitgerissen worden. Die Leichen und menschlichen Überreste verwesten zunehmend, sagte der zuständige Bezirksbeamte Ganesh Aryal. Gesundheitsexperten warnten deshalb vor einem möglichen Risiko für die öffentliche Gesundheit. 

Auch deutsche Touristen vermisst

Das Ausmaß der Katastrophe, die sich in dem Himalaya-Staat abspielt, ist noch kaum abzusehen. Videos der Überschwemmungen zeigen massive Wassermassen, die Häuser mit sich reißen, und Gebäude, die in Schlamm versinken. Chinesische Staatsmedien berichteten über einen Erdrutsch im Grenzgebiet zu Nepal mit vielen Opfern.

Wie die Behörden mitteilen, sind unter den derzeit Vermissten rund 384 Touristen, 291 davon aus dem Ausland, erklärt die nepalesische Tourismusbehörde laut AFP. Vermisst werden unter anderem Menschen aus Deutschland, den USA und Spanien. Die Behörden arbeiteten daran, den Aufenthaltsort der Touristen zu klären, heißt es weiter.

Mud covers a property following a flash flood at Trishuli, Nepal
Die Überschwemmungen haben das Gebäude im Schlamm begraben.
AH, REUTERS, Navesh Chitrakar

Armee entsendet Hubschrauber und Rettungstrupps

„Ich habe gesehen, wie die Fluten acht oder neun Lastwagen mit sich rissen, außerdem Häuser und Menschen”, sagte der Lehrer Suman Chalise aus dem nepalesischen Bezirk Nuwakot. „Es war absolut entsetzlich. So eine Zerstörung habe ich noch nie gesehen.”

Die nepalesische Armee entsandte Hubschrauber und Rettungstrupps in die Katastrophenregion. Mehrere Fernstraßen waren blockiert. Das chinesische Staatsfernsehen meldete einen Erdrutsch in Tibet im Grenzgebiet zu Nepal. Zur Zahl der Toten und Verletzten äußerte sich die Regierung in Peking zunächst nicht. Der Staatssender CCTV zeigte Bilder von einer Wasserflut, die Äste und Trümmerteile mit sich riss.

Verwendete Quellen: AFP, dpa