Alle Entwicklungen im LivetickerTödliche Schüsse in Stade: Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen nach Schütteltrauma des Babys

von Lena Sofie Schenk, Festim Beqiri, Hauke Kutz , Nils Fischer-Stahl, Roger Saha, Nele Hasselbusch, Johanna Grewer, Camilla Koziol, Sebastian Fuhrmann und Martina Lewinski

Eine Stadt steht unter Schock.
Bei Schüssen in einem Mutter-Kind-Heim im niedersächsischen Stade sind sechs Erwachsene getötet worden. Immer mehr Details zum mutmaßlichen Täter und zum Tatablauf werden bekannt. In unserem Live-Ticker informieren wir über alle Entwicklungen und Hintergründe.

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Nele Hasselbusch

Warum war keine Polizei beim Gespräch dabei? 

Es stellt sich auch die Frage nach den Sicherheitsvorkehrungen. Nach Angaben des niedersächsischen Sozialministeriums finden Hilfeplangespräche wie das in der Mutter-Kind-Einrichtung üblicherweise nicht bei der Polizei oder vor Gericht statt. Zwar könne bei einer entsprechenden Gefahreneinschätzung auch die Polizei hinzugezogen werden, in diesem Fall sei das jedoch nicht erfolgt.

Das Ministerium kündigte an, nun mögliche Konsequenzen zu prüfen. Ob künftig zusätzliche Sicherheitsvorkehrungen für solche Gespräche nötig seien, werde nun zu diskutieren sein. Zum jetzigen Zeitpunkt sei aber noch offen, welche Maßnahmen daraus folgen könnten. (dpa)
Martina Lewinski

Trauer und Solidarität in Stade 

Eine Sozialarbeiterin hält bei einer Kundgebung in Stade ein Schild mit der Aufschrift „Rest in Peace“ und „Sozialarbeiterinnen trauern um Sozialarbeiterinnen“. Zu der Mahnwache hatte das 8M-Bündnis Hamburg aufgerufen.
Eine Sozialarbeiterin hält bei einer Kundgebung in Stade ein Schild mit der Aufschrift „Rest in Peace“ und „Sozialarbeiterinnen trauern um Sozialarbeiterinnen“. Zu der Mahnwache hatte das 8M-Bündnis Hamburg aufgerufen. Bodo Marks/dpa
Martina Lewinski

Bewegende Momente des Abschieds in der Marktkirche

Menschen nehmen in der Marktkirche an einer Andacht für die Opfer der tödlichen Schüsse in einer Jugendeinrichtung in Stade teil.
Menschen nehmen in der Marktkirche an einer Andacht für die Opfer der tödlichen Schüsse in einer Jugendeinrichtung in Stade teil. Moritz Frankenberg/dpa
Eine Frau hält nach einer Andacht in der Marktkirche für die Opfer der tödlichen Schüsse in einer Jugendeinrichtung in Stade eine Kerze in den Händen. Bei dem Vorfall am 29. Juni kamen sechs Menschen ums Leben.
Eine Frau hält nach einer Andacht in der Marktkirche für die Opfer der tödlichen Schüsse in einer Jugendeinrichtung in Stade eine Kerze in den Händen. Bei dem Vorfall am 29. Juni kamen sechs Menschen ums Leben. Moritz Frankenberg/dpa
Camilla Koziol

Beiden Elternteilen wurde die Gesundheitssorge entzogen

Ein Amtsgericht hat kürzlich unter anderem angeordnet, dass Mutter und Tochter gemeinsam in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht werden sollen. Zudem gab es eine Entscheidung, dass beiden Elternteilen die Gesundheitssorge entzogen bleibt.

In dem Sorgerechtsstreit stand eine Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Celle aus. Beide Elternteile hätten Beschwerde gegen ein familiengerichtliches Eilverfahren vom Amtsgericht Neustadt am Rübenberge eingelegt, bestätigte eine Sprecherin des OLG. Nach der Tat wurde die Mutter (34) von der Polizei befragt. Nach der Schließung der betroffenen Mutter-Kind-Gruppe wurden sie und ihr Baby anderweitig untergebracht, wie das Sozialministerium mitteilte.
Martina Lewinski

Hannover trauert um drei Mitarbeitende der Jugendhilfe 

Mit einer Trauerandacht in der Marktkirche hat Hannover am Mittwoch der Opfer der tödlichen Schüsse in Stade gedacht. Unter den Getöteten befinden sich drei Mitarbeitende der Jugendhilfe der Region Hannover.

Zahlreiche Angehörige, Kolleginnen und Kollegen sowie Bürgerinnen und Bürger nahmen an der Andacht teil und setzten mit Kerzen und Gebeten ein Zeichen der Anteilnahme.

Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes hat die Andacht gestalten. Ein Kondolenzbuch lag aus. In der Gebetsecke gab es zudem die Möglichkeit, eine Kerze anzuzünden. Auch Belit Onay, Oberbürgermeister von Hannover, bekundete seine Betroffenheit.

Onay sprach von einer „entsetzlichen, kaum erklärbaren Tat“. Zugleich kündigte er an, die Ereignisse aufzuarbeiten und die bestehenden Sicherheitskonzepte – etwa mit Blick auf Notfallknöpfe, Fluchtwege und Gefährdungsbewertungen – zu überprüfen. Gleichzeitig betonte Onay, dass die Arbeit der Jugendhilfe auf Vertrauen und persönlicher Nähe zu Kindern und Familien beruhe und sich dieses nur begrenzt durch Sicherheitsmaßnahmen ersetzen lasse. (dnf)
Martina Lewinski

Staatsanwaltschaft bestätigt Ermittlungen nach Schütteltrauma des Babys

Im Fall der Bluttat von Stade hat die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigt, dass gegen den 45-jährigen Tatverdächtigen bereits wegen des Verdachts der Bedrohung ermittelt wird. Er soll Ärzte der Medizinischen Hochschule Hannover nach der Behandlung seiner drei Monate alten Tochter wegen eines Schütteltraumas im April verbal bedroht haben.

Als Motiv für die Tat mit sechs Todesopfern gilt weiterhin der Sorgerechtsstreit um das Kind. Der Tatverdächtige sitzt in Untersuchungshaft. Zudem wird weiter geprüft, ob die Mutter des Babys und eine Begleiterin an der Tat beteiligt waren. (dpa)
Martina Lewinski

Forderungen nach besserem Schutz für Jugendhilfe-Mitarbeitende 

Nach der tödlichen Schussattacke in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade werden Forderungen nach besseren Sicherheitskonzepten für Beschäftigte laut. GEW, Verdi und der Niedersächsische Beamtenbund verlangen unter anderem Gefährdungsanalysen, Deeskalationstrainings, bauliche Schutzmaßnahmen und eine engere Zusammenarbeit von Jugendämtern, Polizei und Trägern.

Das niedersächsische Sozialministerium betonte, Hilfeplangespräche in Einrichtungen seien üblich. Ob nach der Tat zusätzliche Sicherheitsvorgaben nötig sind, müsse nun geprüft werden. Zugleich warnen Gewerkschaften davor, Schutzräume durch zu hohe Sicherheitsbarrieren für Hilfesuchende unzugänglich zu machen. (dpa)
Martina Lewinski

Tatverdächtiger wegen sechsfachen Mordes in U-Haft 

Nach der tödlichen Schussattacke in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade sitzt der 45-jährige Tatverdächtige in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor und nennt Heimtücke sowie niedrige Beweggründe als Mordmerkmale.

Hintergrund der Tat soll ein Sorgerechtsstreit um die gemeinsame drei Monate alte Tochter sein, über den das OLG Celle demnächst entscheidet. Eine Mordkommission ermittelt, die Polizei wertet Hinweise sowie Foto- und Videomaterial aus der Bevölkerung aus. Die Mutter des Kindes und eine Begleiterin des Tatverdächtigen wurden aus dem Gewahrsam entlassen. Unter den sechs Opfern sind drei Mitarbeitende des Jugendamts der Region Hannover und drei Beschäftigte der Jugendhilfeeinrichtung.

Gewerkschaften fordern nach der Tat eine Debatte über bessere Sicherheitskonzepte für Beschäftigte in der Jugendhilfe. (dpa)
Nele Hasselbusch

Kaufte der Tatverdächtige die Waffe eine Woche vor der Tat?  

Der mutmaßliche Schütze soll die Tat offenbar vorbereitet haben. Nach Recherchen des NDR soll der 45-Jährige die spätere Tatwaffe rund eine Woche vor den tödlichen Schüssen in Berlin gekauft haben. Laut NDR handelt es sich um eine Beretta Modell 70. Der Mann soll die Pistole am Kurfürstendamm erworben und dafür zusammen mit 21 Schuss Munition rund 4.000 Euro bezahlt haben. Offiziell bestätigt ist diese Information bislang nicht. Die Staatsanwaltschaft hatte sich aus ermittlungstaktischen Gründen bislang nicht zur Tatwaffe geäußert.
Nele Hasselbusch

Olaf Lies: „Mit welcher Grausamkeit der Täter vorgegangen ist, ist erschreckend“ 

Zum Auftakt seiner Sommerreise hat sich Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) im RTL-Interview noch einmal tief betroffen über die Bluttat in Stade geäußert. "Als ich das gehört habe, hat mich das zutiefst erschüttert“, sagt Lies. "Mit welcher Grausamkeit und Brutalität der Täter vorgegangen ist und Menschen, die sich eigentlich täglich darum kümmern, dass andere Menschen eine Perspektive bekommen, aus dem Leben gerissen hat, das ist erschreckend.“

Lies schilderte auch seine Eindrücke von der Gedenkandacht am Dienstagabend. Die große Anteilnahme habe gezeigt, wie sehr die Tat die Menschen bewege. „Die Menschen waren auch da, weil sie gemeinsam trauern wollten." Für ihn sei deshalb sofort klar gewesen, an der Andacht teilzunehmen: "Wir stehen an der Seite der Menschen, die dort leben, aber auch an der Seite der Hinterbliebenen, der Familien, der Freunde.“

Mit Blick auf die Folgen der Tat fordert der Ministerpräsident eine lückenlose Aufklärung. Zugleich müsse darüber gesprochen werden, wie Beschäftigte in der Jugendhilfe künftig noch besser geschützt werden können. "Wir können dankbar sein für die Menschen, die dort tätig sind“, betont Lies im Gespräch mit RTL.
Nele Hasselbusch

Staatsanwaltschaft: Ermittlungen gegen beide Frauen dauern an 

Warum wurden die beiden zunächst festgenommenen Frauen wieder freigelassen? Dazu hat sich die Staatsanwaltschaft Stade im Gespräch mit RTL geäußert. Gegen die 34-jährige Mutter des gemeinsamen Kindes und die mutmaßliche Fahrerin des Tatverdächtigen sei kein Haftbefehl beantragt worden.

Pressesprecherin Julia Pirk erklärt im Gespräch mit RTL: „Die beiden ebenfalls in Gewahrsam befindlichen Frauen wurden im Laufe des Nachmittags freigelassen. Gegen sie ist kein Haftbefehl beantragt worden. Im Übrigen dauern die Ermittlungen auch hinsichtlich der Tatbeteiligung der beiden Frauen an. Insoweit konnte zum jetzigen Zeitpunkt kein dringender Tatverdacht fest angenommen werden.“ 
Nele Hasselbusch

Beschwerde gegen Sorgerechtsentscheidung im Fall Stade

Im Sorgerechtsstreit um die drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Schützen steht eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle noch aus. Nach Angaben des Gerichts haben sowohl die Mutter als auch der Vater Beschwerde gegen den Beschluss des Amtsgerichts Neustadt am Rübenberge eingelegt.

Das Amtsgericht hatte angeordnet, dass Mutter und Kind gemeinsam in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht werden. Zudem bleibt den Eltern vorerst die Gesundheitssorge für ihre Tochter entzogen. Nach der Schließung der betroffenen Einrichtung in Stade sind die 34-Jährige und das Baby inzwischen an einem anderen Ort untergebracht worden. (dpa)
Nele Hasselbusch

Blumenmeer am Tatort wächst weiter 

Auch am dritten Tag nach der Tat kommen immer wieder Menschen zur Jugendhilfeeinrichtung in Stade. Sie legen Blumen nieder, zünden Kerzen an und gedenken der sechs Todesopfer. 
Vor Ort kehrt derweil langsam wieder etwas Ruhe ein. Die Straßensperrungen sind aufgehoben, auch die Polizei ist nicht mehr am Tatort im Einsatz.

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Das Blumenmeer vor dem Gebäude wird immer größer, die Fassungslosigkeit über die Tat bleibt.
Das Blumenmeer vor dem Gebäude wird immer größer, die Fassungslosigkeit über die Tat bleibt. RTL
Nele Hasselbusch

Heute Gedenk-Andacht für die Opfer in Hannover 

In der Marktkirche Hannover wird heute um 14 Uhr der sechs Todesopfer der Bluttat in Stade gedacht. Im Mittelpunkt stehen dabei auch die drei getöteten Mitarbeitenden der Jugendhilfe der Region Hannover.

Die Andacht soll Raum für Trauer, Erinnerung und gemeinsames Innehalten bieten. Eingeladen sind Angehörige, Freunde, Wegbegleiter sowie alle Bürgerinnen und Bürger. Stadtsuperintendent Rainer Müller-Brandes gestaltet die Andacht. Zudem liegt ein Kondolenzbuch aus, Besucher können in der Gebetsecke eine Kerze für die Opfer anzünden.