Alle Entwicklungen im LivetickerStade weint um die Opfer des Sechsfach-Killers

von Lena Sofie Schenk, Festim Beqiri, Hauke Kutz , Nils Fischer-Stahl, Roger Saha, Nele Hasselbusch, Johanna Grewer, Camilla Koziol und Sebastian Fuhrmann

Eine Stadt steht unter Schock.
Bei Schüssen in einem Mutter-Kind-Heim im niedersächsischen Stade sind sechs Erwachsene getötet worden. Immer mehr Details zum mutmaßlichen Täter und zum Tatablauf werden bekannt. In unserem Live-Ticker informieren wir über alle Entwicklungen und Hintergründe.

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Camilla Koziol

Haftbefehl wegen sechsfachen Mordes 

Nach den tödlichen Schüssen auf sechs Menschen in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade hat das Amtsgericht Haftbefehl gegen den 45 Jahre alten Tatverdächtigen erlassen. Die Staatsanwaltschaft bewertet die Taten aufgrund des Vorliegens von Mordmerkmalen, insbesondere Heimtücke und niederen Beweggründen, als sechsfachen Mord, hieß es in einer Mitteilung.
Martina Lewinski

Trauerfeier nach tödlichen Schüssen

Einen Tag nach der tödlichen Gewalttat in Stade kommen Angehörige, Mitarbeitende, Einsatzkräfte und Bürger zu einer Trauerfeier zusammen. Die Stimmung ist von tiefer Betroffenheit geprägt. RTL ist vor Ort. 

Viele Menschen liegen sich bei der Gedenkveranstaltung in den Armen, weinen leise und trauern gemeinsam um die Opfer der tödlichen Schüsse. 

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) zeigt sich tief erschüttert. In seiner Rede sagt er: „Die Menschen dort haben einfach ihre Arbeit gemacht und dann wurden sie unvermittelt getötet. Nichts ist mehr so, wie es gestern Morgen war. Dieser Gedanke lässt mich nicht mehr los.“ 

Lies spricht von „sinnloser Gewalt“ und betont, dass ausgerechnet Menschen, die anderen Hilfe angeboten hätten, „gewaltsam aus ihrem Leben gerissen“ worden seien. Es werde viel Zeit brauchen, bis die Wunden heilen könnten. Zugleich fordert der Ministerpräsident eine umfassende Aufarbeitung und Aufklärung der Tat. Abschließend dankt er allen Einsatzkräften, die „schnell und professionell gearbeitet haben“ und das Geschehene nun selbst verarbeiten müssten. 

Auch die stellvertretende Bürgermeisterin von Stade kämpft zu Beginn ihrer Rede mit den Tränen. Sichtlich bewegt sagt sie: „Diese Stadt ist auch meine Stadt.“ Es sei „schrecklich, was passiert ist“. An die Trauergäste gerichtet, betont sie: „Wir tragen diesen Schmerz gemeinsam.“ 
Blick in die St.-Wilhadi-Kirche während einer Trauerandacht für die Opfer nach den Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung. In der Einrichtung waren am Vortag mehrere Menschen durch Schüsse getötet worden.
Blick in die St.-Wilhadi-Kirche während einer Trauerandacht für die Opfer nach den Schüssen in einer Jugendhilfeeinrichtung. In der Einrichtung waren am Vortag mehrere Menschen durch Schüsse getötet worden. picture alliance/dpa | Carsten Neff
Camilla Koziol

Mordkommission übernimmt Ermittlungen

Nach der Bluttat in einer Jugendhilfeeinrichtung mit sechs Toten im niedersächsischen Stade sollen die Ermittlungen "aufgrund des Umfangs und der Komplexität des Tatgeschehens" von einer eigens eingerichteten Mordkommission übernommen werden. Das teilten die Polizei in Lüneburg und die Staatsanwaltschaft Stade am Dienstag mit. Erwartet wurde zudem eine Entscheidung über einen Untersuchungshaftbefehl für den nach der Tat am Montag festgenommenen 45-jährigen Verdächtigen.
Camilla Koziol

Kommt der Verdächtige in U-Haft?

Der 45 Jahre alte mutmaßliche Täter ist in Polizeigewahrsam. Die Staatsanwaltschaft entscheidet im Laufe des Tages, ob sie einen Haftbefehl beantragt. Wenn dies wie erwartet geschieht, muss das Amtsgericht Stade noch heute entscheiden, ob der Mann in Untersuchungshaft kommt.
Berichte, nach denen der 45-Jährige Mitglied eines Clans sein soll, bestätigten die Ermittler nicht. "Wir haben derzeit keine Hinweise dafür, dass eine Clanzugehörigkeit besteht", sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft der dpa auf Anfrage.

Camilla Koziol

Unter den Todesopfern sind auch zwei Mitarbeiterinnen und ein Mitarbeiter der Jugendhilfeeinrichtung

Unter den Getöteten sind neben den drei Mitarbeitenden des Jugendamts Hannover zwei Frauen und ein Mann, die als Mitarbeitende der Stader Jugendhilfeeinrichtung vor Ort waren. 
Camilla Koziol

Immer wieder legen Menschen Blumen ab oder stellen Kerzen auf

An dem Gebäude, in dem sich das Grauen abspielte, sind von außen keine Beschädigungen zu sehen, wie ein dpa-Reporter berichtet. Bisweilen kommen Anwohner, die trotz Absperrung zu ihrem eigenen Haus dürfen.
Die Tat sorgt für große Bestürzung. Immer wieder kommen Menschen und legen in der Nähe des Tatortes Blumen ab oder stellen im Gedenken an die Opfer Kerzen auf. Die Straße soll voraussichtlich den gesamten Dienstag gesperrt bleiben.

ACTIONPRESS FOTO ONLINE
Camilla Koziol

Beamte schossen auf die Reifen des Fluchtwagens

Die Polizei hatte den Tatverdächtigen kurz nach der Tat festgenommen. Er versuchte mit einem Auto zu fliehen, das eine 65-Jährige fuhr. Beamte schossen auf die Reifen des Wagens. Nach derzeitigem Erkenntnisstand hat die Frau eine enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen. Auch sie wurde nach Behördenangaben von der Polizei vernommen. Ob die 65-Jährige weiter in Gewahrsam ist, sagte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft auf Nachfrage nicht. 

Nele Hasselbusch

Region Hannover sagt Veranstaltungen ab 

Die Region Hannover hat nach der Bluttat in Stade mehrere Veranstaltungen abgesagt: "Angesichts dieser Tragödie gebietet es der Respekt vor den Opfern und ihren Angehörigen."

Abgesagt wurden unter anderem der Sommerempfang der Wirtschaftsförderung, das Eröffnungskonzert des Kultursommers sowie zwei Roadshow-Termine am Wochenende. Die Regionsversammlung findet am Dienstag nur in verkürzter Form statt. 
Nele Hasselbusch

Kostenloses Beratungstelefon für Betroffene eingerichtet

Der Opferschutzbeauftragte des Landes Niedersachsen sichert Betroffenen schnelle Hilfe zu. Für Menschen, die Angehörige verloren haben, verletzt wurden oder die Tat auf andere Weise miterleben mussten, wurde ein kostenloses Beratungstelefon eingerichtet. Dort stehen nach Angaben des Landes erfahrene psychosoziale Beraterinnen und Berater für akute Unterstützung bereit.

Der niedersächsische Opferschutzbeauftragte Thomas Pfleiderer erklärt: „Wir können nicht ungeschehen machen, welches Leid durch den Akt der Gewalt über so viele Menschen gebracht wurde.“ Umso wichtiger sei es, den Betroffenen jetzt möglichst schnell und unbürokratisch Hilfe anzubieten. (dpa)
Nele Hasselbusch

Tatverdächtiger soll sein Baby geschüttelt haben 

Oliver Eisenhauer von der Staatsanwaltschaft Hannover bestätigt im Gespräch mit RTL einen Spiegel-Bericht, laut dem der Tatverdächtige (45) sein Baby geschüttelt haben soll.

"Es ist zutreffend, dass bei der Staatsanwaltschaft Hannover Ermittlungen wegen des Verdachts der Misshandlung von Schutzbefohlenen geführt werden. Die Ermittlungen richten sich gegen den Beschuldigten und seine Ehefrau. Es ist derzeit unklar, wer das damals erst einen Monat alte Baby gegebenenfalls geschüttelt hat. Die Ermittlungen dauern weiterhin an. Das Kind wurde im März geboren, der Vorfall war am 09.04. da war das Kind ein Monat alt und wird in einer Woche vier Monate alt.

Zudem soll er den Ärzten gedroht haben, falls dem Kind etwas zustoßen sollte. Er hat außerdem eine E-Mail geschrieben, die von den Ärzten als bedrohlich wahrgenommen wurde, nach bisherigem Stand jedoch keinen Straftatbestand erfüllt."
Nele Hasselbusch

Dobrindt zeigt sich nach Tat in Stade sprachlos 

Bundesinnenminister Alexander Dobrindt äußert sich bestürzt. „Je mehr man davon erfährt, desto sprachloser ist man“, sagte der CSU-Politiker in Berlin. Seine Gedanken und Gebete seien bei den Opfern und ihren Familien.

Nach Angaben Dobrindts war der mutmaßliche Täter zu einem Gespräch über den Umgang mit seinem drei Monate alten Kind in die Mutter-Kind-Einrichtung eingeladen. Weil die Situation als schwierig eingeschätzt worden sei, hätten mehr Mitarbeiter an dem Termin teilgenommen als üblich. Während des Gesprächs habe der Mann dann eine Waffe gezogen und sechs Menschen erschossen. Zugleich betonte der Innenminister, der Tatverdächtige sei in der Vergangenheit keine „polizeilich sehr stark auffällige Person“ gewesen. Die Ermittlungen zu den Hintergründen der Tat dauern an. (dpa)
Nele Hasselbusch

"Als ich die Schreie gehört habe, bin ich weggerannt" – das erlebten Augenzeugen der Bluttat 

Augenzeugen berichten, wie sie die Bluttat in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade erlebt haben. Das Video zeigt die dramatischen Minuten, den aktuellen Stand der Ermittlungen und wie die Menschen vor Ort trauern.

Camilla Koziol

Unter den Opfern sind drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover

In einem Statement des Jugendamts wird klar, wie dramatisch der Verlust der drei Menschen ist. Unter anderem teilt die Behörde RTL mit: "Wir sind zutiefst erschüttert über den gewaltsamen Tod mehrerer Menschen in Stade. Unter den Opfern sind drei Mitarbeitende des Jugendamtes der Region Hannover, die sich zu einem Hilfeplangespräch in der Jugendhilfeeinrichtung befanden. Unsere Gedanken und unser tiefes Mitgefühl gelten den Familien, Freundinnen und Freunden der Getöteten sowie allen Kolleginnen und Kollegen, die dieses unfassbare Ereignis verarbeiten müssen.

Die Mitarbeitenden der Kinder- und Jugendhilfe setzen sich täglich mit großem Engagement, hoher Professionalität und Menschlichkeit für den Schutz von Kindern und Jugendlichen ein und begleiten Familien in oftmals sehr belastenden Lebenssituationen. Dass Kolleginnen und Kollegen bei der Ausübung ihrer verantwortungsvollen Aufgabe ihr Leben verlieren, macht uns fassungslos. Viele unserer Mitarbeitenden trauern und stehen unter dem Eindruck dieser schrecklichen Tat. Sie in dieser Situation zu begleiten und zu unterstützen, hat für uns höchste Priorität. (...)"

Nele Hasselbusch

Heute Abend Andacht in Stade 

Die evangelische Kirche lädt heute um 18.00 Uhr zu einer öffentlichen Andacht in die St.-Wilhadi-Kirche in Stade ein. Eingeladen sind alle, die ihrer Trauer, Erschütterung und Anteilnahme Ausdruck verleihen möchten.

Regionalbischöfin Sabine Preuschoff erklärt: „Mit der Andacht in St. Wilhadi möchten wir Raum geben, um mit unserem Erschrecken, unseren Fragen und unseren Erlebnissen nicht allein zu sein.“ Zuvor hatte sie den Angehörigen der Opfer ihr Mitgefühl ausgesprochen und den Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorgern für ihren Einsatz gedankt. Auch Landesbischof Ralf Meister und Landrat Kai Seefried werden an der Andacht teilnehmen. 
Nele Hasselbusch

Haftvorführung am Nachmittag? Staatsanwaltschaft prüft Haftantrag

Derzeit wird der Haftbefehl gegen den 45-jährigen Tatverdächtigen vorbereitet. Nach Informationen von RTL laufen die Abstimmungen zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft noch. Wegen der komplexen Ermittlungen brauche das Verfahren Zeit. Nach derzeitiger Tendenz soll der Mann noch heute Nachmittag einem Haftrichter vorgeführt werden. Gesetzlich muss über den Haftantrag bis spätestens Mitternacht entschieden werden. 

Zudem bestätigten die Ermittler, dass es sich bei dem Termin in der Jugendhilfeeinrichtung nicht um einen Gerichtstermin, sondern um ein Gespräch unter Beteiligung des Jugendamts zum weiteren Vorgehen im Sorgerechtsverfahren handelte. Keine Erkenntnisse gibt es derzeit zu möglichen Clan-Verbindungen des Tatverdächtigen aus dem Raum Hannover.