Live-Ticker zum Anschlag auf Berliner CSDSchon als Erstklässler auffällig! Neue Details zum CSD-Attentäter

von Lea Haberbosch, Denise Gatzweiler, Samina Faizi, Camilla Koziol, Sebastian Fuhrmann, Roger Saha, Nele Balgo, Doro Steitz, Dimitri Blinski und Jan Luhrenberg

Horror beim CSD in Berlin!
Am Samstagabend ist ein weißer Mini-Van durch den Großen Tiergarten in eine Menschenmenge gerast. Es gibt mindestens eine Tote und 29 Verletzte. Der Attentäter kann fliehen. Am Sonntagabend gelingt der Polizei in Berlin-Spandau dann der Zugriff – bei dem der Attentäter stirbt.

Anschlag auf CSD in Berlin: Hier im Live-Ticker die Entwicklung verfolgen

Wichtige Updates
Lynn Michel

CSD-Attentäter fiel Behörden schon als Grundschüler auf

Der Attentäter vom Berliner Christopher Street Day soll den Behörden deutlich früher aufgefallen sein als bislang bekannt. Nach Recherchen der Berliner Morgenpost wurde Abdul Ballout bereits als Sechsjähriger aktenkundig. Interne Unterlagen aus dem Umfeld der Jugendhilfe sollen zeigen, dass der damalige Erstklässler durch aggressives Verhalten im Unterricht und in der Nachmittagsbetreuung auffiel. Dem Bericht zufolge wurde er schon in der ersten Klasse mehrfach vom Unterricht suspendiert.
Aus den der Zeitung vorliegenden Akten geht demnach hervor, dass Schule und Jugendamt früh Handlungsbedarf sahen. Abdul Ballout habe dringend eine Diagnostik und therapeutische Unterstützung benötigt. Die Zusammenarbeit mit den Eltern sei jedoch immer wieder gescheitert. Der Vater wird laut den Unterlagen als konfrontativ beschrieben, bei der Mutter habe es Kommunikationsprobleme gegeben. Mehrfach habe sich auch die Schulhilfekonferenz mit dem Jungen beschäftigt.
Seine schulische Entwicklung verschlechterte sich den Recherchen zufolge zunehmend. Nach zwei Schulwechseln besuchte Abdul Ballout schließlich eine Förderschule. Zunächst wurde bei ihm der Förderbedarf „Lernen“ festgestellt, später kam der Schwerpunkt „Emotional-Soziale Entwicklung“ hinzu. In seiner Jugend entwickelte er sich laut der Berliner Morgenpost zum Schulverweigerer. Versuche der Behörden, ihn in Schulersatzprogramme oder zu einer psychiatrischen Diagnostik zu vermitteln, seien demnach daran gescheitert, dass seine Eltern ihre Zustimmung verweigerten.
Auch die familiären Verhältnisse sollen nach Informationen der Zeitung deutlich schwieriger gewesen sein als bislang bekannt. Die aus dem Libanon stammenden Eltern lebten demnach getrennt. Abdul Ballout soll bei seiner Mutter und seinen Schwestern gelebt haben. Die Berliner Morgenpost berichtet zudem, dass die Familie streng religiös gewesen sei und dass möglicherweise auch familiäre Konflikte bei dem Anschlag eine Rolle gespielt haben könnten.
Nach Angaben der Berliner Morgenpost verließ Abdul Ballout die Förderschule nach zehn Jahren ohne Abschluss und ohne berufliche Perspektive. Parallel dazu habe seine kriminelle Laufbahn begonnen.
Sebastian Fuhrmann

Bericht: Cousins von CSD-Attentäter kämpften für den IS

Neue Recherchen der Zeit zeichnen ein weiteres Bild des familiären Umfelds des mutmaßlichen CSD-Attentäters Abdul Ballout. Demnach sollen zwei Cousins des 21-Jährigen bereits vor Jahren nach Syrien gereist sein und sich dort der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) angeschlossen haben. 

Einer der beiden soll bei Kämpfen ums Leben gekommen sein, der andere sitzt nach seiner Rückkehr nach Deutschland in Haft. Die Zeit betont zugleich, dass die übrige Familie nach eigenen Angaben nicht islamistisch geprägt gewesen sei und sich von der Ideologie des IS distanziert habe. Ob und welchen Einfluss die Cousins auf Ballouts Radikalisierung hatten, ist bislang unklar und Gegenstand der Ermittlungen. 
Camilla Koziol

Sondersitzung von Innenausschuss in Berliner Abgeordnetenhaus nach CSD-Anschlag

Nach dem Anschlag auf den Christopher Street Day kommt der Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses am Mittwoch (10.00 Uhr) zu einer Sondersitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stehen Anträge aller Fraktionen zu dem Thema. Der Anschlag ereignete sich am Samstagabend nahe der Abschlussveranstaltung zur Berliner CSD-Demonstration am Brandenburger Tor.
Camilla Koziol

Dobrindt will schärferes Vorgehen gegen Gefährder 

Als Reaktion auf den Anschlag beim Christopher Street Day (CSD) in Berlin plant Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) ein schärferes Vorgehen gegen so genannte Gefährder. Dobrindt stellte am Dienstag eine Reihe von Maßnahmen in Aussicht, mit denen er dem Risiko neuer Gewalttaten begegnen will: Identifizierte Gefährder sollten in Präventivhaft genommen werden können, nicht nach Jugendstrafrecht behandelt werden und zur Überwachung eine Fußfessel tragen müssen.

"Es gibt eine Vielzahl von identifizierten Gefährdern in Deutschland", sagte Dobrindt. Die Möglichkeit, dass diese Gefährder Anschläge begehen, müsse "deutlich eingeschränkt werden". Zwar könne es keinen "absoluten Schutz" geben, "aber die Politik muss eine Bereitschaft zeigen, immer wieder nachzuschärfen, um neue Schutzmechanismen zu entwickeln", sagte Dobrindt am Rande einer Klausurtagung der CSU-Landesgruppe im Bundestag in Bad Staffelstein.

Der CSU-Politiker verwies darauf, dass einige Gefährder die deutsche Staatsbürgerschaft hätten - wie etwa der mutmaßliche CSD-Attentäter Abdul Ballout.

Solche Menschen könnten also nicht ausgewiesen werden: "Das heißt, diese Gefährder sind objektiv vorhanden. Wir müssen unsere Gesellschaft bestmöglich davor schützen."

Am Samstag hatten hunderttausende Menschen unter dem Motto „Haltung ist hot” am Christopher Street Day in Berlin teilgenommen. Die jährlich organisierten CSD-Kundgebungen erinnern an den 28. Juni 1969, als die Polizei die Schwulenbar „Stonewall Inn” in der Christopher Street New York stürmte. Es folgten tagelange gewaltsame Auseinandersetzungen mit Aktivsten, die als Geburtsstunde der modernen Schwulen- und Lesbenbewegung gelten.