Im Londoner ZooSchlange erstmals mit neuer Krebs-Therapie geheilt

Ein Python erkrankt in einem britischen Zoo an Krebs. Das Tier wird operiert, doch dann kehrt der Tumor zurück. Erst der Einsatz einer Therapie, die bisher nur bei Menschen zum Einsatz kam, rettet das Leben der Schlange.
Eine nach Hollywoodstar Jodie Foster benannte Schlange ist nach Angaben eines britischen Zoos erfolgreich mit einer neuen Methode gegen Krebs behandelt worden. Bei dem 4,5 Meter langen Python sei ein Krebstumor im Kieferknochen nach einer ersten Operation erneut entdeckt worden, erklärte der Chester Zoo im Nordwesten Englands in einer Mitteilung. Bei der neuartigen Behandlung handelt es sich um die sogenannte Elektrochemotherapie, kurz ECT.
Bei dieser Methode wird Chemotherapie mit kurzen elektrischen Stromimpulsen verbunden. Durch den Strom öffnen sich die Hüllen der Krebszellen vorübergehend. Das Medikament gelangt so in viel größerer Menge in die Zellen und tötet diese gezielt ab, während gesundes Gewebe geschont wird. Das Verfahren ist noch sehr jung und wurde erst in den 2000ern in den klinischen Alltag etabliert. Die Schlange sei durch die Therapie vollständig genesen und wieder ganz die Alte.
Therapie-Premiere bei einer Schlange
„Wir mussten damit rechnen, sie zu verlieren, da ihr die Nahrungsaufnahme aufgrund des Tumors zunehmend schwerfiel“, berichtete Zoo-Tierarzt Ian Ashpole. „Deshalb haben wir gemeinsam mit Krebsspezialisten geprüft, ob sich die Elektrochemotherapie für eine Schlange anpassen lässt.“ Der Python sei dabei erst operiert und dann mit ECT behandelt worden. „Soweit uns bekannt ist, ist es das erste Mal, dass diese Behandlung bei einer Schlange angewendet wurde.“
Die Operation der Schlange war auch für die Tierärzte etwas Außergewöhnliches. „Sie war so groß, dass wir zwei OP-Tische zusammenstellen mussten, sodass er praktisch die Größe eines Doppelbetts hatte“, erklärt Ashpole. Heizdecken und Warmluft kamen zum Einsatz, um die Körpertemperatur des Tieres während der gesamten Operation stabil zu halten. Nach der Operation erholte sich das Tier erstaunlich schnell.
Langjährige Zoo-Bewohnerin
Die 23-jährige Jodie lebt bereits seit zwei Jahrzehnten in dem Zoo. Tierpfleger waren das erste Mal besorgt, als sie begann, weniger zu fressen und mehr Zeit untätig in ihrem Gehege zu verbringen. Bei Untersuchungen wurde ein bösartiger Tumor im Kiefer entdeckt. Das sogenannte Fibrosarkom wurde operativ entfernt. Doch der Tumor kehrte zurück, was einen weiteren Eingriff erforderlich machte. Dabei wurde nun zusätzlich ECT eingesetzt, um verbliebene Krebszellen gezielt zu bekämpfen.
In dieser Woche wurde die Schlange den Angaben zufolge nochmals untersucht. Dabei sei festgestellt worden, dass Jodie „krebsfrei ist, normal frisst und wieder ihr gewohntes, ‚lebhaftes und temperamentvolles‘ Selbst zeigt“.
Jodie wurde von den Tierpflegern so genannt, als sie im Chester Zoo ankam, nachdem ihnen aufgefallen war, dass ihre Papiere mit „JF“ - einer Abkürzung für „junges Weibchen“ - gekennzeichnet waren, und sie beschlossen hatten, dass dies gut zu dem Namen der Oscar-prämierten Schauspielerin passte.
Verwendete Quellen: jaz/AFP


