Bestechung hinter Gittern?Gefängnis-Mitarbeiter sollen Häftlingen Freigang verkauft haben

Einsatzbeamte der Polizei befinden sich auf dem Gelände der Justizvollzugsanstalt zwecks Durchsuchungen.
Rund 210 Polizisten waren an der Durchsuchung beteiligt.
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Die Vorwürfe sind schwer: Mitarbeiter einer Justizvollzugsanstalt im Rheinland sollen Gefangenen Vorzüge gegen Geld gewährt haben. Das Vorgehen erstreckte sich laut NRW-Justizminister über Jahre. War auch die Anstaltsleitung involviert?

Sie sollen Häftlingen gegen Geld Ausgang gewährt haben: Wegen des Verdachts der Bestechlichkeit von Gefängnismitarbeitern hat ein Großaufgebot der Polizei am Morgen Teile der Justizvollzugsanstalt (JVA) Euskirchen und Wohnungen durchsucht. Rund 210 Polizeikräfte seien im Einsatz gewesen, teilten die Staatsanwaltschaft und Polizei in Bonn mit. Auch ein Büro im Amtsgericht Euskirchen sei durchsucht worden.

Die Ermittlungen richten sich den Angaben zufolge insbesondere gegen sieben männliche Justizvollzugsbeamte im Alter zwischen 37 und 58 Jahren. Sie stehen im Verdacht, als Gegenleistung Hafterleichterungen Vorteile angenommen zu haben. Ermittelt werde auch gegen eine 39-jährige Justizvollzugsbeamtin sowie drei ehemalige Häftlinge der JVA im Alter von 30, 35 und 49 Jahren.

„Wir nehmen die Angelegenheit außerordentlich ernst. Die Vorwürfe wiegen schwer“, sagte NRW-Justizminister Benjamin Limbach. Sogar die nachträgliche Fälschung von Anwesenheitsdaten stehe im Raum.

Er habe zusätzlich zu den strafrechtlichen Ermittlungen eine interne Untersuchung angeordnet und werde in der kommenden Woche den Rechtsausschuss des Landtags über die Vorgänge informieren, die sich über mehrere Jahre erstreckt haben sollen. Einer der acht beschuldigten Gefängnismitarbeiter habe eine verantwortliche Position inne, zähle aber nicht zur Anstaltsleitung.

Verwendete Quellen: raf/dpa