Nach wenigen Stunden wieder alles vorbei? Waffenruhe-Vereinbarung steht schon auf der Kippe

Ist nach wenigen Stunden gleich schon wieder alles vorbei? Am Tag nach der Verkündung einer Waffenruhe im Iran-Krieg häufen sich die Bericht über gegenseitigen Beschuss in der Region. Das israelische Vorgehen im Libanon stößt in Teheran auf Unverständnis.
Heftige Angriffe Israels im Libanon, neuer Beschuss aus dem Iran auf Länder in der Region und ein erneuter Stopp für die Schifffahrt in der Straße von Hormus könnten die Waffenruhe im Iran-Krieg gefährden. Der Iran erwägt nach Angaben der Nachrichtenagentur Fars wegen der israelischen Angriffe auf die Hisbollah im Libanon aus der vereinbarten zweiwöchigen Feuerpause mit den USA auszusteigen. Aus Protest gegen die Angriffe auf die verbündete Miliz stoppte der Iran den Angaben von Fars zufolge auch den Schiffsverkehr durch die für den Öl- und Gashandel wichtige Meerenge wieder. Diese Blockade widerspricht der Vereinbarung mit den USA.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi schrieb auf X, die Bedingungen der Vereinbarung seien klar und deutlich. Die USA müssten sich entscheiden zwischen einer Waffenruhe und der Fortsetzung des Krieges. Beides zugleich würden sie nicht bekommen. Der Ball liege nun im Feld der USA. Die Weltgemeinschaft werde hinschauen, ob die USA ihr Wort hielten, sagte er mit Blick auf die Fortsetzung der Angriffe Israels auf den Libanon.
Die israelische Armee griff seinen nördlichen Nachbar massiv an und sprach selbst vom „größten koordinierten Angriff“ gegen militärische Infrastruktur der Hisbollah seit dem Wiederaufflammen des Konflikts mit der Miliz Anfang März. Dabei seien mindestens 112 Menschen getötet und mehr als 800 verletzt worden, sagte ein Sprecher des libanesischen Gesundheitsministeriums. Aus Sicht der iranischen Führung verstößt Israel mit den Angriffen gegen die Vereinbarung. Pakistans Premier, Shehbaz Sharif, schrieb auf X, die Feuerpause gelte ausdrücklich auch für den Libanon.
Israels Premier Benjamin Netanjahu widersprach und betonte, die Feuerpause beziehe sich nur auf den Konflikt zwischen den USA und dem Iran - nicht aber auf den Einsatz gegen die Hisbollah. Israel wirft dem Iran seinerseits vor, nach Inkrafttreten der Feuerpause seine Angriffe auf das Land fortgesetzt zu haben. Auch US-Präsident Donald Trump betonte im Gespräch mit dem Sender PBS, dass die vereinbarte Waffenruhe nicht für den Libanon gelte. Auf die Frage, ob er mit den anhaltenden israelischen Angriffen auf die Hisbollah einverstanden sei, antwortete er, das sei „Teil der Einigung“ und werde später geregelt.
Israels Außenminister Gideon Saar äußerte derweil erhebliche Zweifel am Bestand der Waffenruhe. Es sei „noch nichts vorbei“, sagte Saar in einem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Sender Channel 11. Zwischen Washington und Teheran bestünden weiterhin erhebliche Differenzen. „Ich sehe nicht, wie es möglich sein soll, die Positionen der USA und des Iran anzunähern.“
Die internationale Gemeinschaft hatte zunächst mit großer Erleichterung auf die Waffenruhe-Vereinbarung reagiert. Zugleich wurden die Kriegsparteien beschworen, den diplomatischen Erfolg abzusichern. „Ziel muss nun sein, in den nächsten Tagen ein dauerhaftes Ende des Krieges auszuhandeln“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz.
Auch mehrere arabische Staaten sehen die Entwicklung positiv. Es sei wichtig, Lösungen zu finden, die die Krise an der Wurzel packten, teilte das Außenministerium des Oman mit. Die Golfstaaten waren in den vergangenen Wochen immer wieder unter Beschuss aus dem Iran geraten. Dieser hielt auch heute an. Nichtsdestotrotz feierten die Börsen die Waffenruhe mit einem deutlichen Anstieg der Kurse.
Insbesondere nach neuen Angaben aus dem Iran herrschte Unklarheit, ab wann und unter welchen Bedingungen die Straße von Hormus wieder passierbar wird. Der Schiffsverkehr unterliege nach wie vor „technischen Beschränkungen und der Abstimmung mit den iranischen Streitkräften“, hieß es aus Teheran. Nach Angaben von Fars passierten nur zwei Öltanker die Straße von Hormus, bevor der Schiffsverkehr aus Protest wieder eingestellt wurde.
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, bezeichnete die Berichte, wonach der Iran die Straße von Hormus wegen der anhaltenden Angriffe Israels auf den Libanon geschlossen hat, als „falsch“. „Der Präsident wurde über diese Berichte informiert“, sagte Leavitt, fügte jedoch hinzu, dass das, was die iranischen Staatsmedien öffentlich berichteten, nicht dem entspreche, was iranische Offizielle den USA privat mitteilten. Eine geschlossene Straße von Hormus sei für Trump „völlig inakzeptabel“, so Leavitt weiter. „Wir haben heute eine Zunahme des Verkehrs in der Straße beobachtet, und ich möchte die Erwartung und Forderung des Präsidenten bekräftigen, dass die Straße von Hormus sofort, schnell und sicher wieder geöffnet wird.“
Verwendete Quellen: fzö/dpa/AFP/rts


