Durch den Fall Pelicot kommt Verfahren ins RollenMehr als 100 Mal Partnerin betäubt und vergewaltigt? Angeklagter schweigt vor Gericht

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Der Angeklagte kommt vor Verhandlungsbeginn in einen Gerichtssaal im Landgericht Hannover und hält sich einen Dokumentenordner vor das Gesicht. Die Vorwürfe gegen ihn wiegen schwer.
Michael Matthey/dpa

Die Vorwürfe sind erschütternd!
Über Jahre soll ein Mann seine Lebensgefährtin heimlich betäubt und sexuell missbraucht haben. Die mutmaßlichen Taten soll er gefilmt und Aufnahmen davon im Netz verbreitet haben. Jetzt steht der 39-Jährige in Hannover vor Gericht – und will zu den Vorwürfen schweigen.

39-Jähriger soll Partnerin in 103 Fällen missbraucht haben

Die Anklageschrift ist lang und zutiefst schockierend, als diese am ersten Prozesstag am Donnerstagvormittag (10. September) von der Staatsanwaltschaft in Hannover verlesen wird. Es geht um insgesamt 103 angeklagte Straftaten im Zeitraum vom November 2021 bis zum März 2026. Die Taten sollen sich in der gemeinsamen Wohnung in Ronnenberg bei Hannover ereignet haben. Laut Anklage verabreichte der Mann seiner ebenfalls aus Polen stammenden Partnerin Schlafmittel oder Ketamin. Sobald sie das Bewusstsein verloren hatte, soll er sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen haben.

Angeklagter soll Vergewaltigungen gefilmt und Videos geteilt haben

Fast eine Stunde benötigt die Staatsanwältin zum Prozessauftakt, um die 103 angeklagten Fälle einzeln in Kurzform vorzutragen. Es sind schreckliche Details, die an diesem Tag im Gerichtssaal bekannt werden: durch die Betäubung soll die Frau starke Berührungen nicht mehr wahrgenommen haben. Häufig soll der Angeklagte auch Videos gemacht haben und diese unter anderem in einer Telegram-Gruppe mit mehreren 100 Mitgliedern geteilt haben. Teilweise entstanden laut Anklage bei einem einzigen Vorfall mehr als 100 Videos. Auf den Aufnahmen soll die betäubte Frau häufig tief schlafend und regungslos zu sehen sein.

Auch soll er seine Partnerin, ohne ihr Wissen, unbekleidet im Badezimmer gefilmt haben, beim Baden oder beim Duschen. Die Zuschauer im Gerichtssaal wirken schockiert, der Angeklagte selbst schaut nach unten vor sich: Der 39-Jährige äußert sich nicht. Sein Verteidiger Marcin Raminski erklärt, sein Mandant werde von seinem Schweigerecht Gebrauch machen.

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Pelicot-Fall bringt Ermittlungen offenbar mit ins Rollen

Das Verfahren erinnert an den international bekannt gewordenen Fall Gisèle Pelicot in Frankreich. Pelicot war von ihrem damaligen Ehemann über Jahre mit Medikamenten betäubt und missbraucht worden. Zudem bot er sie anderen Männern zur Vergewaltigung an. Ihr Ex-Mann und 50 weitere Männer wurden 2024 zu Haftstrafen verurteilt.

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Und ausgerechnet dieser Fall spielt auch bei den Ermittlungen in Niedersachsen eine Rolle. Eine Mitarbeiterin des Landeskriminalamtes Nordrhein-Westfalen berichtet vor Gericht, dass unter anderem die Enthüllungen im Pelicot-Fall sowie investigative Recherchen in Deutschland das Verfahren gegen den 39-Jährigen ins Rollen gebracht hätten.

Mutmaßliches Opfer könnte vor Gericht aussagen

Der Prozess am Landgericht Hannover soll am 16. September fortgesetzt werden. Dann könnte auch die ehemalige Lebensgefährtin des Angeklagten als mutmaßliches Opfer vor Gericht aussagen. Bis zu einem rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt für den 39-Jährigen die Unschuldsvermutung.

Verwendete Quellen: RTL-Recherche, dpa