Noch immer auf der FluchtHäftling in Essen befreit! Jetzt kommt eine peinliche Polizei-Panne ans Licht

Wer kann Angaben zum Aufenthaltsort des entwichenen Strafgefangenen machen?
Wer kann Angaben zum Aufenthaltsort des entwichenen Strafgefangenen machen?
Polizei Essen

Seit Mittwoch fehlt von ihm jede Spur!
Nach seiner spektakulären Befreiung aus einer Arztpraxis in Essen ist Häftling Dijvar Gündüz (34) weiter auf der Flucht. Doch ausgerechnet bei der öffentlichen Fahndung läuft offenbar etwas schief. Jetzt räumt die Polizei Fehler ein!

Häftling in Essen geflüchtet: Polizei räumt Fehler bei Fahndung ein

Zwei maskierte Männer befreien mitten in der Essener Innenstadt einen Häftling aus den Händen seiner Bewacher. Die Polizei warnt vor den möglicherweise bewaffneten Flüchtigen und startet eine Großfahndung. Doch obwohl die Identität des 34-jährigen Dijvar Gündüz schnell feststeht, dauert es rund sechs Stunden, bis die Öffentlichkeit ein Fahndungsfoto zu sehen bekommt.

Warum so spät? Wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) berichtet, räumt die Essener Polizei inzwischen Probleme bei der Weitergabe der Informationen ein. „Dabei kam es innerhalb der Informationskette zu Abstimmungsproblemen, welche wir aufarbeiten werden“, erklärt die Behörde in einer Stellungnahme.

Die Polizei betont allerdings, dass die Suche unmittelbar nach der Flucht begonnen habe und „absolute Priorität“ gehabt habe. Den eingesetzten Beamten hätten Fotos des Gesuchten bereits vorgelegen. Lediglich die Weitergabe der Personenbeschreibung an die Öffentlichkeit habe sich verzögert.

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Warum wurde das Fahndungsfoto von Dijvar Gündüz erst so spät veröffentlicht?

Polizeisprecher Mark Ruhoff erklärt gegenüber der WAZ, dass für eine öffentliche Fahndung grundsätzlich mehrere Stellen beteiligt sind. Zunächst muss die Polizei die zuständige Staatsanwaltschaft einschalten. Diese beantragt anschließend beim Amtsgericht die Freigabe der Fahndungsbilder.

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Besteht eine Gefahr für die Bevölkerung, kann das Verfahren allerdings deutlich beschleunigt werden. Im Fall des geflohenen Häftlings klappt das offenbar nicht wie vorgesehen. Erst rund sechs Stunden nach seiner Befreiung veröffentlicht die Polizei seinen Namen und ein Foto.

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Maskierte Männer überwältigen Justizbeamte in Essener Arztpraxis

Die spektakuläre Flucht ereignet sich am Mittwoch (14. Oktober) gegen 12.45 Uhr. Dijvar Gündüz, der wegen Drogendelikten und gefährlicher Körperverletzung in Untersuchungshaft sitzt, soll von zwei Justizbeamten zu einem Arzttermin am Kennedyplatz gebracht werden.

Doch im Hausflur werden die Beamten laut WAZ von zwei maskierten und bewaffneten Männern überfallen und gefesselt. Es kommt zu einer Rangelei, bei der einer der Justizbeamten seine Dienstwaffe zieht. Die Angreifer schlagen sie ihm offenbar aus der Hand. Anschließend kann der 34-Jährige entkommen.

Gündüz soll auf einem E-Scooter geflüchtet sein, während sich seine beiden mutmaßlichen Helfer in andere Richtungen absetzen. Die Justizbeamten bleiben unverletzt. Ein Großaufgebot der Polizei durchsucht daraufhin die Essener Innenstadt.

Geflohener Häftling aus Essen schon als Jugendlicher mehrfach verurteilt

Wie jetzt bekannt wird, hat der 34-Jährige bereits eine lange Strafgeschichte hinter sich. Nach Angaben des NRW-Justizministeriums wurde er schon als Jugendlicher zweimal wegen teils schweren Bandendiebstahls verurteilt. Beide Jugendstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt und später erlassen. Bis März 2025 sammelten sich insgesamt acht Einträge im Bundeszentralregister. Unter anderem wurde er wegen Diebstahls, Verstößen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz sowie Fahrens ohne Fahrerlaubnis bestraft.

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Später verurteilte ihn das Landgericht Essen wegen bewaffneten Drogenhandels zu sechs Jahren und sechs Monaten Haft. Zuletzt kamen zwei weitere, noch nicht rechtskräftige Urteile hinzu: zwölf Jahre und sechs Monate wegen Drogendelikten sowie vier Jahre und sechs Monate wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Bedrohung. Eine Vertreterin des Justizministeriums bezeichnete den Geflohenen bei einer Sondersitzung des NRW-Landtags als „erheblich, auch einschlägig vorbestraft“.

Polizei Essen sucht weiter nach Dijvar Gündüz und seinen Helfern

Nach Angaben der Polizei sind auch die beiden mutmaßlichen Fluchthelfer weiterhin gesucht. Zeugen beschreiben sie als dunkel gekleidet, maskiert und bewaffnet. Einer der Männer soll etwa 1,80 Meter, der andere rund 1,90 Meter groß sein. Der Größere habe außerdem eine auffällige Brille getragen, die unter seiner Maskierung zu erkennen gewesen sei.

Dijvar Gündüz selbst hat schwarze Haare, dunkle Augen und eine kräftige Statur. Auf dem veröffentlichten Fahndungsfoto trägt er zudem einen dunklen Bart mit grauen Strähnen.

Die Polizei warnt ausdrücklich davor, die Männer anzusprechen. Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass sie bewaffnet sind. Wer die Gesuchten entdeckt oder Hinweise zu ihrem Aufenthaltsort geben kann, soll sofort die Polizei unter 110 oder unter 0201/829-0 verständigen. (anr)

Verwendete Quellen: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, dpa