Nach mutmaßlich falschem Kokain-TestBaby wird Familie vom Jugendamt abgenommen - Kamera läuft mit

Eine Sozialarbeiterin nimmt ein Baby in Obhut
Im Video ist der Maxi Cosi, in dem das Baby weggetragen wird, gut zu erkennen.
Kronenzeitung / privat
von Philipp Petersdorff

Ein Video aus Österreich erschüttert mit Bildern von der Inobhutnahme eines Babys.
Eine Mitarbeiterin der Jugendwohlfahrt holt den erst 13-wöchigen James aus dem Haus seiner Eltern. Mehrere Polizisten sichern die Szene ab. Im Hintergrund ist immer wieder lautes Weinen zu hören. Bei dem Fall werfen widersprüchliche Kokain-Tests viele Fragen auf.

Seit der Abholung wissen die Eltern nicht, wo James ist

Das Video dauert zwei Minuten und fünf Sekunden. Die Aufnahmen gehen nahe. Sie zeigen die Abholung des kleinen James in Großkrut (Niederösterreich). Gesprochen wird in dem Video kaum. Nach Angaben der österreichischen Kronenzeitung stammt das Weinen im Hintergrund von der 23 Jahre alten Mutter Kathi.

Widersprüchliche Kokain-Tests stehen am Anfang des Falls

Die Vorgeschichte beginnt nach Darstellung der Kronenzeitung damit, dass die Mutter ihren Sohn in ein Krankenhaus in Mistelbach bringt, weil er nicht essen und nicht trinken will. Bei der Suche nach den Gründen dann der Schock: Das Baby wird positiv auf Kokain getestet. Zwei Stunden später fällt ein weiterer Test negativ aus.

Auch bei der Mutter ergibt sich kein eindeutiges Bild. Sie soll erst negativ und dann positiv auf Kokain getestet worden sein. Auf Anordnung der Behörden kommen beide in ein Mutter-Kind-Heim nach Ansfelden. Eine Richterin entscheidet schließlich, dass James gemeinsam mit seiner Mutter zurück zum Vater und zu den Großeltern ins Familienhaus darf. Dabei habe es eine Rolle gespielt, dass das Färben der Haare Drogentests beeinflussen könne.

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Trotz vorheriger Rückkehrentscheidung wird James erneut abgeholt

Polizisten sichern die Inobhutnahme ab
Polizisten sichern die Inobhutnahme ab
Kronenzeitung

Am Montag (24. August) stehen Mitarbeiter der Jugendwohlfahrt und Polizisten dann vor dem Haus der Familie. Die Behörde nimmt den Jungen erneut in Obhut. Genau diesen Moment zeigen die Aufnahmen. Die Inobhutnahme stützt sich laut Kronenzeitung auf einen Polizeibericht der Polizeiinspektion Gaweinstal. Welche konkreten Erkenntnisse darin die neuerliche Maßnahme ausgelöst haben, geht aus dem Artikel nicht hervor. Die Behörde handelte nach eigener Darstellung zum Wohl des Kindes.

Ermittlungsverfahren gegen die Mutter eingestellt

Inzwischen gibt es eine weitere Entwicklung. Laut Kronenzeitung hat die Staatsanwaltschaft das betreffende Verfahren gegen die Mutter am Dienstag eingestellt. Trotzdem bleibt James vorerst von seiner Familie getrennt.

Die Anwälte der Familie sollen einen Antrag auf sofortige Rückführung des Kindes gestellt haben. Rechtsanwältin Elisabeth Thaler kritisiert das Vorgehen der Behörden in der Kronenzeitung scharf: „Hier dürfen einfache Behördenmitarbeiter, ohne juristische Kenntnisse, aus einem bloßen Bauchgefühl heraus Zwangsmaßnahmen durchsetzen, ohne dabei einer gerichtlichen Kontrolle zu unterliegen.“

RTL hat die zuständige Bezirkshauptmannschaft in Gänserndorf um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort steht noch aus.

Verwendete Quelle: Kronenzeitung