Buckelwal auf hoher See freigesetztExperten glauben: Timmy ist tot!

Der Wal liegt in einer freigespülten Kuhle vor der Insel Poel.
Wal lag lange vor der Insel Poel gestrandet (Archivbild).
Philip Dulian/dpa, Philip Dulian

Ist Timmy etwa schon längst tot?
Der Buckelwal, der nach einer wochenlangen Odyssee und mehrfachen Strandungen an der Ostseeküste von einer privaten Initiative in die Nordsee gebracht wurde, ist nach Einschätzung von Experten wahrscheinlich nicht mehr am Leben. Worauf ihre Einschätzung beruht.

Deutsches Meeresmuseum: Timmy ist wohl nicht mehr am Leben!

Es sei davon auszugehen, dass das extrem geschwächte Tier „nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen, und nicht mehr lebt”, teilte das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund am Dienstag mit. Unabhängig verifizierbare Informationen über den Aufenthaltsort und den Gesundheitszustand des Tiers lägen seit der letzten nachweislichen Sichtung per Drohne am vergangenen Samstag nicht mehr vor, betonte das Museum.

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Für den Nachweis der erfolgreichen Rettung sei es „essenziell”, dass die Privatinitiative genaue Informationen zu dem angeblich an dem Wal angebrachten GPS-Tracker sowie sämtliche Roh- und Livedaten des Ortungsgeräts mit einer unabhängigen Organisation teile, fügte es an.

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Timmy wurde mit Lastkahn in die Nordsee geschleppt

Experten des Meeresmuseums waren über Wochen in die Rettungsbemühungen für den Wal eingebunden. Gemeinsam mit anderen Fachleuten unter anderem von Umweltschutzorganisationen kamen sie vor etwa einem Monat zu dem Schluss, dass dem schwer angeschlagenen Tier nicht mehr zu helfen sei und alle weiteren Hilfsversuche unterbleiben sollten. Am späteren Transport durch die von Unternehmern finanzierte Initiative war das Museum nicht beteiligt. Viele Experten kritisierten die Aktion.

Die Privatinitiative hatte den etwa zwölf Meter langen jungen Wal am vergangenen Dienstag vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern nach tagelangen Vorbereitungen in einen wassergefüllten Lastkahn bugsiert und mit einem Schleppverband aus der Ostsee bis zur Nordspitze von Dänemark transportiert. Dort wurde das Tier am Samstag unter nicht genau bekannten Umständen auf hoher See freigesetzt. Vertreter der Initiative machten der Schiffsbesatzung danach schwere Vorwürfe.

Dieses von der Rettungsinitiative zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Buckelwal in einem gefluteten Lastschiff in der Ostsee. Der aus einer flachen Bucht vor Wismar geborgene Buckelwal wird in Richtung Nordsee transportiert. Der Meeressäuger hatte zuvor vier Wochen in der Bucht der Insel Poel festgesteckt. +++ dpa-Bildfunk +++
Dieses von der Rettungsinitiative zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Buckelwal in dem gefluteten Lastschiff in der Ostsee.
picture alliance/dpa/Rettungsinitiative / Jens Schwarck

Meeresmuseum fordert Aufklärung nach Timmy-Freilassung

Die Initiative berichtete anschließend von Signalen eines an dem Wal angebrachten Peilsenders, der allerdings nur eingeschränkt funktioniere und keine Positionsdaten übertrage. Zugleich war dabei die Rede von Vitalwerten des Tiers. Experten äußerten Zweifel – unter anderem, weil GPS-Tracker üblicherweise keine derartigen Vitalwerte erfassen könnten.

Das Meeresmuseum forderte die Privatinitiative am Dienstag ebenfalls zur Aufklärung auf. Unabhängig überprüfbare Erkenntnisse zum Verbleib des Wals seien zur Aufarbeitung des Falls von großer Bedeutung. Es gehe auch um den Umgang mit etwaigen künftigen Lebendstrandungen von Walen, eine Klärung liege im „wissenschaftlichen und öffentlichen Interesse”.

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Darum zweifeln die Experten an der Überlebensfähigkeit des Wals

Zugleich verwies das Museum auf den „extrem geschwächten Zustand” des Tiers, das am 3. März erstmals im Hafen von Wismar gesichtet worden war und danach wochenlang vor der Ostseeküste umherirrte. Es verfing sich im Fischernetzen und strandete trotz Rettungsversuchen wiederholt kurz hintereinander. Dies gilt laut Experten als sicheres Zeichen für massive Probleme. Sie zweifeln deshalb an der Überlebensfähigkeit des Wals.

Das Schicksal des Tiers sorgt seit Wochen für extrem emotionale Debatten, eine Unterstützerszene machte den Behörden und Experten immer wieder Vorwürfe. Auch die Privatinitiative kritisierte diese, machte zugleich aber auch durch interne Querelen von sich reden. (nlu/afp)

Verwendete Quellen: AFP