Rund 40 Tote bei Explosion in Crans-MontanaExperte: Darum breitete sich das Feuer so schnell aus

Wie konnte es zum Silvester-Drama von Crans-Montana kommen?
Auch wenn offiziell noch keine Ursache für das Feuerinferno in einer Bar genannt werden kann, deutet vieles auf einen sogenannten „Flashover“-Effekt hin. Sven Schrader, Experte für Explosives und Pyrotechnik, ordnet die bisher bekannten Informationen für uns ein.

Feiernde in „Le Constellation”-Bar halten Flaschen mit brennenden Wunderkerzen hoch

„Aus fachlicher Sicht wird es sich wahrscheinlich um eine Durchzündung gehandelt haben“, erklärt er. Dieser Flashover-Effekt kann bereits durch einen kleinen Brand ausgelöst werden, wenn „explosionsgefährliche Gas-Luft-Gemische“ entstehen. Heiße Gase sammeln sich unter der Decke, reagieren beim richtigen Mischungsverhältnis mit der Raumluft und erzeugen eine Art Stichflamme. Durch brennbare Materialen in der Decke kann sich das Feuer rasend schnell ausbreiten.

Lese-Tipp: Identifizierung der Opfer kann noch lange dauern

Wie auf Bildern zu sehen ist, halten Feiernde Sektflaschen mit brennenden Wunderkerzen in die Höhe. Auch das könne möglicherweise Feuer ausgelöst haben, so Schrader. Möglicherweise habe einer der Feiernden „die Flasche so hochgehalten, dass die Kunststoffpaneele an der Decke entzündet wurden“, sagt der Experte. Folge: „Kunststoff brennt, er kann sehr heiß verbrennen und wird obendrein auch noch flüssig.“ So gerät brennendes Material nach unten, was eine Brandausbreitung weiter begünstigt.

Akustikdecke und Staub könnten Crans-Montana-Drama begünstigt haben

Aufnahmen legen nahe, dass der Raum eine Akustikdecke hatte. Diese seien zwar schwer entflammbar, brennen jedoch bei entsprechenden Temperaturen. Der Experte macht aber klar, dass er das ohne weitere Informationen nicht mit hundertprozentiger Sicherheit feststellen kann.

Zur Ausbreitung des Feuers könne auch Staub beigetragen haben. Akustikdecken dienen dazu, mit Lamellen große Oberflächen zu schaffen. Dort könnten sich an Stellen, die nicht leicht zu reinigen seien, Staub und andere Rückstände sammeln. Diese wiederum könnten brandbeschleunigend wirken, so Schrader. Er weist auf eine Aufnahme hin, die eine Lüftungsvorrichtung unmittelbar unter der Decke zeigt. „Es ist prädestiniert, dass sich dort Staub ansammelt, der eine rasche Brandausbreitung durchaus bewirken kann“, sagt Schrader.

Für den Fachmann wurde das schreckliche Unglück durch eine Verkettung von unglücklichen Umständen ausgelöst. Dennoch warnt Schrader vor voreiligen Schlüssen: „Man kann nur spekulieren. Es wird sicherlich abzuwarten bleiben, was die Experten vor Ort ermitteln“, sagt er.

Laut mehreren Medien soll es sich bei dem Material, das Feuer fing, um Schallisolierungen gehandelt haben. Die Ermittlungen zur genauen Ursache des Brandes laufen aber noch. Die Behörden verfolgen laut der Walliser Generalstaatsanwältin Béatrice Pilloud „mehrere Hypothesen.”

Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherchen