Verbindung zu Aserbaidschan?Ex-BND-Chef Hanning unter Spionageverdacht festgenommen
Der ehemalige BND-Präsident August Hanning ist am Dienstagmorgen (6. Oktober) unter Spionageverdacht festgenommen worden. Außer Hanning wurde demnach ein ehemaliger enger Mitarbeiter von ihm festgenommen.
Rund 2.000 geheime Dokumente sollen weitergegeben worden sein
Ein ehemaliger Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes im Visier der Ermittler: August Hanning ist am Dienstagmorgen in seinem Haus in Nordwalde bei Münster festgenommen worden. Das berichten dpa, NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. Auch ein weiterer ehemaliger hochrangiger BND-Mitarbeiter wurde demnach in Bayern verhaftet.
Der Generalbundesanwalt ermittelt gegen Hanning unter anderem wegen des Verdachts der landesverräterischen Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, des versuchten Landesverrats und der geheimdienstlichen Agententätigkeit.
Im Zentrum der Ermittlungen steht neben Hanning dessen früherer Büroleiter Manfred D. Der langjährige BND-Mitarbeiter soll Hanning bis mindestens 2022 gegen Geld mit streng geheimen Informationen aus dem Nachrichtendienst versorgt haben. Das Ausmaß ist offenbar enorm: Rund 2.000 Dokumente sollen auf diese Weise an Hanning gelangt sein. Darunter sollen sich hochsensible Berichte zum iranischen Atomprogramm und zur russischen Armee sowie Informationen ausländischer Partnerdienste befinden.
Viele der Unterlagen waren den Recherchen zufolge für die sogenannte ND-Lage im Bundeskanzleramt bestimmt. Dort tauschen sich die Spitzen der deutschen Sicherheitsbehörden regelmäßig über die aktuelle Sicherheitslage aus.
Hatte Hanning Verbindung zu Aserbaidschan?
Hanning soll einem Medienbericht zufolge eine Analyse für den Geheimdienst von Aserbaidschan erstellt haben. Wie der „Spiegel” am Dienstagabend berichtete, gehen Ermittler dem Verdacht nach, dass Hanning mit einem Agenten der Kaukasusrepublik Aserbaidschan in Verbindung stand.
In einem weiteren Fall soll der ehemalige BND-Präsident Erkenntnisse aus internen Dokumenten bei der Kommunikation mit einem ausländischen Agenten verwendet haben. Ob tatsächlich geheime Informationen an ausländische Akteure weitergegeben wurden und an wen, ist Gegenstand der Ermittlungen.
Auf Hannings Spur kamen die Ermittler offenbar eher zufällig. Im September 2025 waren sein Haus und Büros im Zusammenhang mit Ermittlungen rund um die Hamburger Unternehmerin Christina Block durchsucht worden.
Bei der Auswertung eines sichergestellten Datenträgers sollen die Ermittler auf streng geheime BND-Unterlagen gestoßen sein – obwohl Hanning den Nachrichtendienst bereits 2005 verlassen hatte. Die Unterlagen wurden anschließend an die Bundesbehörden übergeben. Im Mai 2026 leitete die Bundesanwaltschaft nach Angaben von NDR, WDR und SZ ein verdecktes Ermittlungsverfahren gegen Hanning und seinen mutmaßlichen Zuträger ein.
Hanning war sieben Jahre lang Chef des BND
August Hanning gehörte über Jahrzehnte zu den einflussreichsten deutschen Sicherheitsbeamten. Von 1998 bis 2005 stand der Jurist an der Spitze des Bundesnachrichtendienstes. Anschließend wechselte er als Staatssekretär ins Bundesinnenministerium.
Nach seiner Zeit im Staatsdienst arbeitete Hanning unter anderem als Unternehmer und Sicherheitsberater. Sollten sich die aktuellen Vorwürfe bestätigen, wäre der Fall für den BND von außergewöhnlicher Tragweite: Noch nie stand in der Geschichte der Bundesrepublik ein ehemaliger Geheimdienstchef unter einem vergleichbaren Verdacht. Für Hanning und den weiteren Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Verwendete Quellen: dpa, sueddeutsche.de, tagesschau.de
































