Es schien, als würden sie nur schlafen Ellena findet Eltern an Ostern tot im Wohnzimmer – dem Mörder vertraute sie blind

Stephen und Carol Baxter
Das wohlhabende Ehepaar Stephen und Carol Baxter aus Essex wurde mit einem Medikamentencocktail ermordet.
ESSEX Police
von Johanna Grewer

„Es war ein schlimmer Tag.“
Ellena Baxter ist schwanger, als sie am Ostersonntag zum Haus ihrer Eltern nach Mersea Island in Essex fährt. Sie hat mehrfach versucht, die beiden zu erreichen, aber sie gehen nicht ans Telefon. „Als weder Mom noch Dad zur Haustür kamen, ging ich zur Hintertür“, erinnert sich die Tochter in der True Crime-Doku „Gier, Geld & Tod – Der Millionärsmord von Essex“. Dann entdeckte sie die beiden leblos im Wohnzimmer.

Eltern wurden mit Medikamenten vergiftet

„Als ich sie sah, fing ich an zu schreien“, erzählt Ellena in der Doku. Mutter Carol und Vater Stephen sitzen angezogen in ihren Sesseln und bewegen sich nicht. Sie sind tot. Die Polizei vermutet zuerst eine Kohlenmonoxidvergiftung. Doch die Werte im Haus sind alle normal. Es gibt keine Einbruchspuren, keine Hinweise auf Gewalt. Die Polizei wird trotzdem misstrauisch. „Zwei Menschen sterben nicht einfach so gleichzeitig“, sagt die Ermittlerin Lydia George in der Doku. Und tatsächlich: Im Körper der Toten wird ein tödlicher Medikamentencocktail nachgewiesen.

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Die erste heiße Spur für die Beamten gibt es, als ein Testament im Haus des wohlhabenden Paares gefunden wird. In dem Schreiben, von dem der Notar der Familie noch nie etwas gehört hat, heißt es, dass das Unternehmen von Mutter Carol nach ihrem Tod an Tochter Ellena und Luke D’Wit, einen Freund der Familie, gehen soll. Die Polizei nimmt daraufhin beide fest.

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Schwangere Ellena Baxter wird im Schlafanzug festgenommen

Ellena Baxter ist hochschwanger, als die Ermittler frühmorgens mit dem Haftbefehl an ihre Tür klopfen. „Seine Eltern zu verlieren, ist eine Sache, aber herauszufinden, dass sie ermordet wurden und dafür festgenommen zu werden, während man im siebten Monat schwanger ist, ist eine ganz andere Sache“, berichtet sie.

Nach und nach decken die Ermittler dann ein ganzes Netz aus Lügen auf, in das die Familie verwickelt ist. Luke geht seit Jahren bei dem Paar ein und aus. Erst hilft er nur ein bisschen mit der Website und der IT für Carol, die sich mit dem Verkauf von Badematten selbstständig gemacht hat. Dann leidet die Mutter immer mehr unter gesundheitlichen Problemen und Luke, der in der Nachbarschaft wohnt, ist immer da, wenn sie ihn brauchen.

Luke D’Wit gerät unter Mordverdacht
Luke D’Wit, der als Pfleger bei dem Paar arbeitet, gerät schnell unter Verdacht.
The Crown Prosecution Service
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Pfleger und Freund der Eltern gerät unter Verdacht

Er wird zum Pfleger der Mutter, als sie immer weiter abbaut, bringt ihr Medikamente und Getränke, kocht Essen und hilft im Haushalt, übernimmt dann auch nach und nach die Arbeit mit ihrem Unternehmen. Zumindest glaubt die Familie lange, dass er das tut. In Wahrheit macht er die Unternehmerin wohl heimlich immer kränker. Die Familie nimmt per Mail Kontakt zu einer angeblichen Ärztin in den USA auf, die Carol Tipps gibt, wie sie ihren Gesundheitszustand verbessern kann. Sie müsse sich nur „an die Regeln“ der Ärztin halten, dann würde alles wieder gut werden.

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Carol wird über die Ärztin auch der Kontakt zu einer Selbsthilfegruppe vermittelt. Per Whatsapp tauscht sie sich mit mehreren anderen Frauen aus, die die gleiche Erkrankung wie sie haben. Zumindest denkt sie das. Die Polizei findet bei einer Hausdurchsuchung beim Hauptverdächtigen Luke zehn Laptops und 18 Handys. Bei der Auswertung der Geräte stellen die Beamten fest, dass der „Freund der Familie“ offenbar eine komplette Parallelwelt erschaffen hat, um die Baxters zu kontrollieren.

Luke D’Wit erfindet mehrere Personen, um die Familie zu manipulieren

Nicht nur die Ärztin, mit der Carol und ihr Mann regelmäßig hin- und herschreiben, ist erfunden. Auch die Frauen in der Selbsthilfegruppe und deren Partner und Familienmitglieder, mit denen sie Kontakt haben, gibt es nicht. Tochter Ellena tauscht sich immer wieder mit einer Jenny aus – der angeblichen Schwester einer der Frauen aus der Selbsthilfegruppe ihrer Mutter. Auch sie ist erfunden.

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Kurz vor dem Tod des Paares im April 2023 scheint Stephen Baxter Verdacht zu schöpfen, dass etwas mit den Frauen in der Whatsapp-Gruppe nicht stimmen könnte. Bevor ihm jemand auf die Schliche kommt, handelt Luke dann aber. Die Polizei findet plötzlich auch noch Mails von einem angeblichen weiteren Arzt, der dem Paar ein „Leberreinigungsprogramm“ anbietet. Auch hinter diesem Charakter steckt in Wahrheit Luke. Die Eheleute aus Essex willigen ein und nehmen dann offenbar den tödlichen Medikamentencocktail. Pfleger Luke sieht ihnen offenbar beim Sterben zu. Er hat ein Handy in der Küche platziert, das filmt, was im Wohnzimmer passiert.

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Tochter vertraut heute niemandem mehr

„Jahrelang hat er meiner Mutter das Leben ausgesaugt und ich habe es nicht gesehen“, sagt Zweifachmama Ellena heute. Alle Vorwürfe gegen sie werden fallen gelassen. Sie vertraute Luke komplett. Das bereut sie bis heute. „Es ist ein schreckliches Gefühl“, sagt die Tochter. Die Erlebnisse haben Spuren hinterlassen. „Ich vertraue so gut wie niemandem mehr“, erklärt Ellena. „Ich muss meine Familie beschützen.“ Zumindest Luke kann ihnen jetzt nichts mehr tun. Er wird im April 2024 wegen des Doppelmordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

Verwendete Quellen: „Gier, Geld & Tod – der Millionärsmord von Essex“, BBC