10 Tage Hoffnung für KrisenregionTrump macht Ernst! Waffenruhe für Nahen Osten verkündet

Libanesische Soldaten versammeln sich am Ort eines israelischen Angriffs im Süden Beiruts. Israel führte seine ersten Luftangriffe im Südlibanon, einer Hisbollah-Hochburg, seit November durch, nachdem sein Verteidigungsminister Beirut mit erneutem Raketenbeschuss gedroht hatte. (zu dpa: «Libanon: Fünf Soldaten bei israelischem Angriff verletzt») +++ dpa-Bildfunk +++
Libanesische Soldaten nach einem israelischen Angriff im Süden Beiruts.
picture alliance/dpa / Marwan Naamani

Im Zuge des Iran-Kriegs eskalieren die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon. Nach Wochen massiver Zerstörung und vielen Toten verkündet US-Präsident Trump einen Verhandlungserfolg. Offen bleibt jedoch, wie die Terror-Miliz auf die Vereinbarung reagiert.

Mehr als sechs Wochen nach Beginn der jüngsten Eskalation zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon hat US-Präsident Donald Trump eine Waffenruhe verkündet. Sie solle um Mitternacht (Ortszeit, 23.00 Uhr MESZ) beginnen und zunächst zehn Tage dauern, schrieb er nach Gesprächen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf seiner Plattform Truth Social.

Trump lud zudem Netanjahu und Aoun zu einem Treffen ins Weiße Haus in Washington ein. Dann sollten „die ersten bedeutenden Gespräche zwischen Israel und dem Libanon seit 1983“ stattfinden, schrieb der US-Präsident. „Beide Seiten wollen Frieden sehen, und ich denke, das wird schnell passieren.“ Er schrieb weiter, er habe Vizepräsident JD Vance, US-Außenminister Marco Rubio und Generalstabschef Dan Caine angewiesen, gemeinsam mit dem Libanon und Israel auf einen dauerhaften Frieden hinzuarbeiten. Die libanesische Regierung ist keine aktive Konfliktpartei und bemüht sich um Deeskalation.

Der israelische Ministerpräsident Netanjahu bezeichnet die Waffenruhe als Chance für eine dauerhafte Friedenslösung. „Wir haben die Gelegenheit für ein historisches Friedensabkommen mit dem Libanon“, sagte Netanjahu. Zugleich verwies er darauf, dass eine Entwaffnung der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz im Libanon die Bedingung Israels für jedwedes Abkommen sein werde. Weiter führte er aus, dass sich die israelischen Streitkräfte im Süden des Libanon in einem Grenzstreifen festsetzen würden, der zehn Kilometer tief in das Land reichen werde.

Der libanesische Regierungschef Nawaf Salam begrüßte die Ankündigung einer Waffenruhe. Die französische Präsidentschaft sprach von einer „exzellenten Nachricht“. Auch ein israelischer Sicherheitsvertreter teilte mit, das Militär beabsichtige nicht, sich während der Feuerpause aus dem Südlibanon zurückzuziehen. Das israelische Sicherheitskabinett kam einem Insider zufolge nach Trumps Ankündigung zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Entscheidend dürfte dabei sein, wie die mit dem Iran verbündete radikal-islamische Hisbollah im Libanon auf die Vereinbarung reagieren wird. Die libanesische Regierung kontrolliert die Miliz nicht. Ein Hisbollah-Abgeordneter im Parlament, Hassan Fadlallah, sagte, Irans Botschafter in Beirut habe die Hisbollah darüber informiert, dass bereits heute Abend ein einwöchiger Waffenstillstand beginnen könnte. Der mögliche Waffenstillstand sei das Ergebnis iranischer diplomatischer Bemühungen. Auf die Frage, ob sich die Hisbollah an eine Waffenruhe halten werde, sagte Fadlallah, alles hänge davon ab, ob Israel sich dazu verpflichte, sämtliche Formen von Feindseligkeiten einzustellen.

Seit Beginn des Iran-Kriegs liefern sich die vom Iran unterstützte Hisbollah und das israelische Militär eine erneute schwere Konfrontation. Als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei feuert die Hisbollah seit Anfang März erneut Raketen in Richtung Israel. Die israelische Luftwaffe reagiert seitdem mit massiven Luftangriffen. Dabei kam es zu schweren Kämpfen im Süden und zu Angriffen im Osten sowie der Hauptstadt Beirut und deren Vororten.

Das israelische Militär rückte in einer Bodenoffensive zudem weiter in den Süden des Nachbarlandes vor und lieferte sich im Grenzgebiet Bodenkämpfe mit der Hisbollah. Bei Angriffen der Hisbollah sind israelischen Angaben zufolge seit dem 2. März zwei israelische Zivilisten getötet worden, bei dem Einsatz im Libanon sind demnach 13 Soldaten ums Leben gekommen.

Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge wurden bei den erneuten Kämpfen bisher knapp 2200 Menschen getötet. Darunter sind den Angaben zufolge zahlreiche Frauen und Kinder. Die israelische Armee sprach zuletzt von mehr als 1700 getöteten Hisbollah-Mitgliedern seit Anfang März. Die genaue Zahl der getöteten Zivilisten ist unklar. Im Libanon warten außerdem Hunderttausende darauf, in ihre Häuser zurückkehren zu können. Nach Regierungsangaben wurden aufgrund des jüngsten Konflikts mehr als eine Million Menschen vertrieben. In den angegriffenen Gebieten herrscht zum Teil großflächige Zerstörung.

Zu einem direkten Telefongespräch mit Netanjahu ist Libanons Präsident Aoun nach Informationen aus Regierungskreisen vorerst aber nicht bereit. Aoun habe in einem Gespräch mit Rubio zwar über die Möglichkeit solch eines Telefonats gesprochen, lehne es bisher aber ab, heißt es. Ein Telefonat zwischen Aoun und Netanjahu wäre das erste Gespräch dieser Art seit Jahrzehnten. Die Nachbarstaaten Israel und Libanon sind verfeindet und befinden sich offiziell seit 1948 im Kriegszustand.

Die Hisbollah agiert im Libanon seit langer Zeit als eine Art Staat im Staate. Sie ist einer der wichtigsten Verbündeten in Irans sogenannter „Achse des Widerstands“. Bis vor der jüngsten Eskalation stuften Beobachter die Kapazitäten der Miliz aber als deutlich geschwächt ein.

Israel und die Hisbollah hatten bereits 2024 einen offenen Krieg gegeneinander geführt. Trotz einer Waffenruhe im November 2024 blieb die Lage angespannt. Beide Seiten warfen sich fortwährend Verstöße vor. Das israelische Militär griff trotz Waffenruhe weiter nahezu täglich im Libanon an. Das israelische Militär blieb auch an mehreren Punkten im Libanon stationiert. Gemäß der damals getroffenen Waffenruhe sollte die Hisbollah entwaffnet werden. Israel warf dem libanesischen Staat bei der Aufgabe Versagen vor und wollte die Entwaffnung schließlich militärisch durchsetzen.

Verwendete Quellen: mwa/AFP/dpa/rts