Langer LeidenswegTrauma-Expertin über Inferno in der Schweiz: Crans-Montana-Opfer werden ihr Leben lang betroffen sein

Sie würden lernen, mit den Verbrennungen zu leben.
Nach dem Inferno in Crans-Montana kämpfen etliche Opfer noch um ihr Leben. Warum eine Trauma-Expertin Parallelen zur Flugtag-Katastrophe von Ramstein sieht.
Auch Jahrzehnte später seien die Folgen noch spürbar
Nach der Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana steht den Verletzten laut Trauma-Expertin Sybille Jatzko ein langer Leidensweg bevor. Vieles erinnere an die schlimmen Verbrennungen bei der Flugtag-Katastrophe von Ramstein im August 1988, deren Opfer und Hinterbliebene Jatzko betreut hat.
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„Wir wissen, wie lange sie gebraucht haben, einigermaßen ins Leben zurückzukommen, und wie viel Beeinträchtigungen nach fast 40 Jahren für die verbrannten Opfer jetzt noch da sind”, sagte Jatzko von der Stiftung Katastrophen-Nachsorge im bayerischen Sonthofen. Als Beispiele nannte sie Hautprobleme oder ständig wiederkehrende Operationen.
„Sie haben einen schweren Weg vor sich“

Bei der furchtbaren Katastrophe in der Schweiz sehe man mit dem Wissen aus Ramstein nun Menschen, die am Anfang stünden: „Sie müssen jetzt um ihr Leben kämpfen, sich mit irrsinnigen Schmerzen zurückkämpfen – und dann viele Operationen über sich ergehen lassen”, sagte sie. Hinzu komme, dass Pläne über die eigene Zukunft möglicherweise zerstört wurden.
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Man könne davon ausgehen, dass viele lebenslang geschädigt und betroffen seien. „So wie wir es erlebt haben, werden sie lernen, mit den Verbrennungen und mit der Geschichte zu leben. Aber sie haben einen schweren Weg vor sich, und das zu sehen, tut sehr weh”, sagte Jatzko, deren Stiftung in Rheinland-Pfalz eingetragen ist.
Expertin: Freunde und Familie benötigen ebenfalls Unterstützung
Bei der Brandkatastrophe auf einer Silvesterparty in Crans-Montana kamen 40 Menschen ums Leben, weitere knapp 120 wurden großteils schwer verletzt. Für die Hinterbliebenen, die Familienangehörige oder Freunde verloren hätten, sei alles nur furchtbar. „Da fehlen einem praktisch die Worte.” Sie stünden zunächst unter Schock, bräuchten aber langfristigen Beistand.
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Im Vergleich zu Ramstein sei die Identifizierung der Todesopfer in der Schweiz sehr schnell gegangen. Die Wucht des Feuers und diese Hilflosigkeit bei dem Ereignis – auch das erinnere sich an das Unglück von Ramstein, sagte die Expertin. Bei dem Flugtagunglück auf der US-Airbase starben 70 Menschen, etwa 350 wurden schwer verletzt. Es geschah bei der letzten Programmnummer: Drei Flugzeuge der italienischen Kunstflugstaffel „Frecce Tricolori” stießen in rund 40 Metern Höhe zusammen. Eines von ihnen stürzte brennend in die Menschenmenge und explodierte. (anr)
Verwendete Quellen: dpa



