Augenzeugen mit Appell an JugendlicheBewegende Trauerfeier nach Silvester-Tragödie mit 40 Toten
An diesem Tag scheint die Zeit im ganzen Land stillzustehen.
Nahe dem Unglücksort Crans-Montana kommen Angehörige, Ersthelfer und Augenzeugen zusammen, um gemeinsam nach der Silvester-Tragödie zu trauern. In einer Andacht nimmt die Schweiz Abschied von den 40 Toten – blickt aber auch auf mögliche Konsequenzen.
Bundespräsident fordert lückenlose Aufklärung
In einer bewegenden Trauerfeier haben die Schweiz und andere Nationen der 40 Toten der Brandkatastrophe von Crans-Montana gedacht. Die Träume vieler junger Menschen seien vorzeitig in der Asche einer Nacht des Grauens zunichtegemacht worden, sagte der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin. Zugleich forderte das Staatsoberhaupt eine lückenlose Aufklärung des Geschehens. Verfehlungen seien „ohne Verzögerung und ohne Nachsicht” aufzudecken.
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„Undenkbar” – mit diesem Wort beschrieb Parmelin in seiner Rede das Inferno. „Undenkbar, weil ein Land, das sich als Hort der Korrektheit und der Zuverlässigkeit versteht, in der Lage sein muss, das Risiko zu erkennen, diesen allgegenwärtigen Schatten, der immer auf der Suche nach Schwachstellen auf der Lauer liegt”, sagte der Politiker. Es gelte, Lehren zu ziehen und künftig für die größtmögliche Sicherheit in öffentlichen Einrichtungen zu sorgen, sagte Parmelin.

Der Regierungschef des Schweizer Kantons Wallis, Mathias Reynard, bat bei der Trauerfeier die Angehörigen um Entschuldigung. Aus Deutschland war Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) angereist. Elf Überlebende werden in deutschen Kliniken behandelt – unter anderem in Hospitälern in Baden-Württemberg.
Augenzeugen berichten von „apokalyptischer Szene“
Bei der Trauerfeier mit rund 1.000 Gästen, darunter der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, schilderten drei jugendliche Augenzeugen die furchtbaren Momente der Silvesternacht. „Es war eine apokalyptische Szene”, sagte eine junge Frau. „Die Bilder, die sich uns boten, waren unerträglich.” Die drei gehörten zu den Menschen, die in einer Bar gegenüber vom Brandort gefeiert hatten.
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Bei dem Feuer, bei dem laut Ermittlern eine funkensprühende Partyfontäne eine Schaumstoff-Verkleidung an der Decke der Bar in Brand gesetzt hatte, wurden neben vielen Schweizern auch Dutzende Menschen aus den Nachbarländern Frankreich und Italien getötet und verletzt. Die Brandverletzten werden in mehreren europäischen Ländern behandelt, darunter auch elf in Deutschland, wie es von der deutschen Botschaft in Bern hieß.
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Ermittlungen gegen Barbetreiber laufen auf Hochtouren
Unterdessen laufen die Ermittlungen, in deren Mittelpunkt Jessica und Jacques Moretti, die Betreiber der Bar „Le Constellation”, stehen. Die Justiz untersucht, ob Sicherheitsbestimmungen in dem Lokal missachtet wurden. Das französische Gastronomen-Paar steht laut der Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis unter dem Verdacht der fahrlässigen Tötung, fahrlässigen Körperverletzung und fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst.
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Am Freitag (9. Januar) wurden die Morettis erstmals offiziell als Beschuldigte von der Staatsanwaltschaft befragt. Die Bar-Betreiber hatten sich jüngst in einer Stellungnahme an die Öffentlichkeit gewandt und den Opfern ihr Mitgefühl ausgedrückt. «Seien Sie versichert, dass wir uneingeschränkt kooperieren und dieser Angelegenheit in keiner Weise ausweichen werden», sagten sie zu den Ermittlungen.
„Genießt jeden Augenblick, so zerbrechlich er auch sein mag”
Die Tragödie nahmen die drei Augenzeugen zum Anlass für einen Appell speziell an die jungen Menschen. „Wir sind eine Generation, die in einer fragilen, manchmal harten, oft ungerechten Welt aufwächst”, sagte einer der Jugendlichen. Aber trotz aller Zweifel und Ängste kämpfe die Generation um das, woran sie glaube. Und: „Genießt jeden Augenblick, so zerbrechlich er auch sein mag.” Denn wichtig sei, nicht unbedingt dem Leben mehr Tage, sondern den Tagen mehr Leben hinzuzufügen. (fkl/dpa)
Verwendete Quellen: dpa


