Motiv völlig unklarTodesschütze von Berngau soll früher Polizist gewesen sein

09.10.2026, Bayern, Berngau: Polizisten stehen an einer Flatterbandabsperrung vor einem Tatort. Ein 60-jähriger Mann soll bei einer routinemäßigen Waffenkontrolle eine Mitarbeiterin und einen Mitarbeiter des Landratsamts Neumarkt in der Oberpfalz erschossen haben. (zu dpa: «Schütze von Berngau bei Festnahme schwer verletzt») Foto: Daniel Löb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Polizisten am Freitag am Tatort.
dpa

Die bayerische Gemeinde Berngau steht unter Schock. Der 60-Jährige, der zwei Behördenmitarbeiter erschoss, als sie seine Waffen kontrollieren wollten, war vor Ort kein Unbekannter.

Bei dem Mann, der zwei Behördenmitarbeiter in der Oberpfalz bei einer Waffenkontrolle getötet haben soll, handelt es sich nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann um einen Jäger und Sportschützen. Dessen Motiv sei völlig unklar. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung war der 60-Jährige in den 1990er Jahren Polizist.

Wie lange und warum er aus dem Dienst ausschied, ist demnach nicht bekannt. Vor der Tat war der Mann, der in Berngau im Landkreis Neumarkt bei Nürnberg einen 45 Jahre alten Mitarbeiter des Landratsamtes und seine 54 Jahre alte Kollegin erschossen haben soll, laut Herrmann nicht gegenüber der Polizei aufgefallen. Es gebe auch keine Hinweise auf eine wie auch immer geartete extremistische Gesinnung.

Gegenüber seinen Nachbarn soll der Täter dagegen durchaus aufgefallen sein. Von Drohungen gegen Anwohner sei die Rede, heißt es in dem Zeitungsbericht. „Er war eine tickende Zeitbombe“, zitiert die „Bild“ eine Nachbarin.

Staats- noch Verfassungsschutz haben Herrmann zufolge keine Erkenntnisse über den Mann. Es werde aber in alle Richtungen ermittelt und unter anderem überprüft, ob es eine Vorgeschichte im Kontakt mit dem Landratsamt Neumarkt in der Oberpfalz gegeben habe, sagte der Minister. Der Täter besaß laut Waffenregister als Sportschütze und Jäger zehn Waffen legal. Seine Kontrolle erfolgte nach Landratsamtes routinemäßig und ohne Vorankündigung.

Der Mann war festgenommen worden, nachdem er sich stundenlang in einem Haus in Berngau verschanzt hatte. Dabei wurde er schwerer verletzt als zunächst bekannt. Spezialkräfte hätten bei der Festnahme auf ihn geschossen - durch die Schüsse sei dieser schwer verletzt worden, wie die Polizei mitteilte. Zunächst hatten die Beamten von leichten Verletzungen am Bein gesprochen.

Täter kündigte Widerstand gegen Polizei an

Der 60 Jahre alte Deutsche sei unter polizeilicher Bewachung in ein Krankenhaus gebracht worden. Wann er vernommen werden könne, müsse man noch abwarten, sagte ein Polizeisprecher vor Ort. Der Schütze soll nach seiner medizinischen Behandlung einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, der dann über die Frage einer Untersuchungshaft oder einer Unterbringung in einer Fachklinik entscheiden würde.

Er hatte nach Polizeiangaben selbst bei der Einsatzzentrale angerufen. „Der Tatverdächtige meldete sich telefonisch bei der Einsatzzentrale. Er gab in den folgenden Gesprächen an, in seiner Wohnung und im Besitz von Schusswaffen zu sein“, schilderte eine Polizei-Sprecherin. Er habe auch zugegeben, geschossen zu haben - und angekündigt, nicht widerstandslos aufgeben zu wollen. Es begann ein Großeinsatz der bayerischen Polizei, der sich bis tief in die Nacht zog.

Am Ort des Geschehens war der Schock groß: „Die Betroffenheit ist enorm“, sagte Berngaus Erster Bürgermeister Thomas Meier. „Die Stimmung ist tatsächlich fatal.“ In der Gemeinde mit ihren etwa 2600 Einwohnern herrsche Unverständnis über die Tat, die Menschen hätten Mitgefühl mit den Angehörigen.

Innenminister Herrmann will den Fall mit den bayerischen Landratsämtern besprechen, allerdings fänden jährlich etwa 10.000 solcher Waffenkontrollen im Freistaat statt, betonte der CSU-Politiker. In den vergangenen Jahren habe es keine derartigen Vorfälle bei solchen Anlässen gegeben.

Anders habe sich die Lage bei den tödlichen Schüssen eines Reichsbürgers auf einen Polizisten in Ansbach dargestellt, betonte Herrmann. Damals sei es um die gezielte Entwaffnung des Mannes gegangen, weshalb auch die Polizei die kommunalen Mitarbeiter begleitet habe.

Man werde aber mit den Kreisverwaltungsbehörden die Abläufe bei solchen Kontrollen durchsprechen, sagte Herrmann. Die bisherigen Erkenntnisse würden noch keine Hinweise darauf geben, was man künftig anders machen könne.

Verwendete Quellen: chl/dpa