Ein verzweifelter Versuch, ihre jahrelange Qual zu beendenMutiges Mädchen filmt eigene Vergewaltigung – damit man ihr endlich glaubt
„Niemand glaubt mir.”
Sie ist gerade einmal zwölf Jahre alt, als Taylor all ihren Mut zusammennimmt und sich einer Sozialarbeiterin anvertraut. Seit Jahren, so erzählt sie, werde sie missbraucht. Von dem Mann, der sie eigentlich beschützen sollte. Doch statt Taylor zu helfen, glauben ihr die Ermittler nicht. Mehr noch: Sie stempeln das Mädchen als Lügnerin ab – bis sie selbst den entscheidenden Beweis liefert.
Vom Adoptivvater missbraucht und von den Ermittlern als Lügnerin abgestempelt
Für Taylor beginnt damit ein Albtraum, der eigentlich längst hätte enden müssen. In ihrem Elternhaus in Florida sind Drogen Alltag, später kommt sie in eine Pflegefamilie. Auch dort erlebt sie Gewalt. Mit sechs Jahren wird Taylor schließlich von ihrem Großonkel Henry Cadle und dessen Frau adoptiert. Doch das erhoffte sichere Zuhause wird für das Mädchen erneut zum Ort der Angst. Cadle missbraucht Taylor – nicht nur im Haus, sondern auch in seinem Auto. „Er war so viel größer und stärker als ich und er hat mir immer wieder gedroht, dass ich niemandem irgendetwas erzählen darf”, erzählt sie im RTL-Interview.
Wenn es in eurem Umfeld sexuellen Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen gibt oder ihr selbst betroffen seid, findet ihr unter der Nummer 0800 – 22 55 530 oder unter www.hilfe-portal-missbrauch.de Menschen, mit denen ihr darüber sprechen könnt.
Trotzdem vertraut sie sich mit zwölf Jahren einer Seelsorgerin aus ihrer Kirchengemeinde an. Erfolglos. Eine Ermittlerin unterstellt Taylor, sie habe alles erfunden. Sie wird sogar wegen falscher Angaben gegenüber den Strafverfolgungsbehörden zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt. Als wäre das nicht schon schlimm genug, muss sie sich auch noch entschuldigen: bei den Ermittlern – und bei ihrem Adoptivvater. In einem Brief soll Taylor ihre angebliche Lüge eingestehen. Und sie wird zu ihrem Peiniger zurückgeschickt, der sich erneut an der Teenagerin vergeht.

Damit ihr endlich geglaubt wird, filmt Taylor ihre eigene Vergewaltigung
Als sie wieder mit ihrem Großonkel im Auto sitzt, trifft die damals 13-Jährige eine Entscheidung, die ihr Leben verändern wird. Sie zückt heimlich ihr Handy und filmt die Tat: „Natürlich hatte ich in dem Moment Angst, dass er mich erwischt. Aber ich war überzeugt, dass mir sonst niemand glauben würde und dass der Missbrauch nur so endlich aufhören konnte.”
Kurz darauf wählt sie den Notruf – und diesmal wird ihr zugehört. Die Aufnahmen belegen ihre Aussage. Auch die Digitaluhr im Auto hilft den Ermittlern später, den Ablauf zeitlich einzuordnen. Ein Polizist lobt Taylors Geistesgegenwart und macht deutlich, wie wichtig ihr Mut in diesem Moment war. Am Ende wird Henry Cadle zu 17 Jahren Haft verurteilt. Doch für Taylor ist damit nicht alles vorbei. Die heute 22-Jährige verklagt das Sheriff’s Department. Ihr Vorwurf: Niemand habe sie geschützt, obwohl sie um Hilfe gebeten hatte.
Verwendete Quellen: eigene RTL-Recherche



